Mit Bayerischem Polizeiaufgabengesetz Isar-Mord: Kommissar nutzt erweiterte DNA-Analyse im Fall Domenico L.

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Der Tatort in den Tagen nach dem Mord: Nur das Absperrband erinnerte zunächst an die brutale Tat. Foto: Feindt/AZ-Archiv

Weil der gewaltsame Tod von Domenico L. noch immer ungeklärt ist, wendet ein Münchner Ermittler eine neue DNA-Methode an.

 

München - Sechseinhalb Jahre ist es her, dass der junge Italiener Domenico L. kaltblütig ermordet wurde. Bis heute fehlen Täter und Motiv. Deshalb lässt nun der Münchner Kommissar Holger Smolinsky eine neue DNA-Methode einsetzen. Schließlich konnten Ermittler damals am Tatabend eine eindeutige DNA-Probe des Täters sichern.

Bayerisches Polizeiaufgabengesetz ermöglicht DNA-Analyse

Die neue DNA-Analyse ermöglicht, äußerliche Merkmale des mordenden Phantoms zu bestimmen, wie Haar-, Haut- und Augenfarbe. So ist es auch möglich, herauszufinden, aus welcher "biogeografischen" Lage der Mörder stammt. Das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz (PAG) ermöglicht diese sogenannte DNA-Phänotypisierung, ist aber eigentlich deutschlandweit verboten. Noch. Der Bundesrat hat ein entsprechendes Gesetz bereits bewilligt. Aber es ist noch nicht in Kraft getreten. Im Unterschied zum PAG erlaubt das Bundesgesetz aber nicht, die "biogeografische" Analyse durchzuführen, aus Sorge, sie könnte Minderheiten diskriminieren.

Das neue PAG ist eigentlich ein Instrument zur Gefahrenabwehr und nicht zur Strafverfolgung. Doch die Ermittler haben hier laut Polizei einen Kniff gefunden. Schließlich sei der Mörder eine wandelnde Gefahr für die Allgemeinheit.

Die DNA des Mörders ließ Smolinsky an das Institut für Gerichtliche Medizin an der Medizinischen Universität von Innsbruck schicken. Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor. Wann sie kommen, ist unklar.

Isar-Mord-Opfer wollte seine Freundin bald heiraten

Wer ist der Mann, der ohne Vorwarnung zustach? Man weiß: Er trug einen Mantel – oder eine lange Jacke. Und die Vorgeschichte, die zu dieser tödlichen Eskalation führte, kennt man durch die Zeugenaussage von L.’s Verlobter, die ganz in der Nähe war.

Und diese Geschichte lautet in etwa so: Als Domenico L. und seine Verlobte am Abend des 28. Mai 2013 gegen 22 Uhr von einem Lokal am Gärtnerplatz heimradeln, sind sie auf der Erhardtstraße unterwegs. Ihre Stimmung ist gelassen. L. und seine Verlobte wollen am nächsten Tag nach Italien.

L. will seinen Eltern erzählen, dass er seine Freundin heiraten wird. Sie radeln also fröhlich nach Hause, die Isar entlang, die Bäume rauschen vorbei. L. fährt voraus, seine Freundin hinterher. Auf Höhe des Europäischen Patentamtes spaziert der spätere Mörder entgegen.

Unbekannter spuckt Frau ins Gesicht und töten ihren Verlobten

Domenico L. fährt an ihm vorbei. Als seine Freundin an dem Mann vorbeiradelt, spuckt der Unbekannte der Frau ins Gesicht. Sie ist verwundert, schließt nun zu ihrem Freund auf und erzählt davon. L. dreht um, radelt zum Unbekannten und steigt vom Fahrrad. Aus der Ferne erkennt L.’s Freundin, dass der Fremde schnelle Bewegungen macht. Mehrmals. L. bricht zusammen. Der Täter verschwindet in Richtung Corneliusbrücke.

Passanten rufen den Notarzt. Einer der Stiche trifft den Ingenieur mitten in Herz. Im Krankenhaus verstirbt der junge Italiener.

Alle Ermittlungen führten seither ins Leere, trotz einer großangelegten DNA-Prüfung. Auch Datenbankabgleiche mit der DNA von Kriminellen brachten kein Ergebnis.

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