Mieten im eigenen Haus München: Baugenossenschaften in Zeiten der Wohnungsnot

Helle, hohe Häuser: So sieht die aktuelle Planung für das Areal der Bayernkaserne in München aus. Ein großer Teil des neuen Quartiers mit rund5.500 Wohnungen für bis zu 15.000 Menschen ist für Genossenschaften vorgesehen. Foto: Hilmer, Sattler, Albrecht

In Zeiten der akuten Wohnungsnot boomen Baugenossenschaften – ganz besonders in München. Doch die Suche nach bezahlbarem Wohnraum bleibt schwer.

 

München - Vier-Zimmer-Wohnungen mit Garten, zentral gelegene Single-Apartments oder altersgerechte Wohnungen im Erdgeschoss – jeweils zu Preisen, die unter dem örtlichen Mietspiegel liegen: Baugenossenschaften versprechen ihren Mitgliedern bezahlbaren Wohnraum und Schutz vor Luxussanierungen. Und sie boomen, besonders in München.

Etwa 50 Wohnungsbaugenossenschaften in München

Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) zählt derzeit über 480 Wohnungsunternehmen aus ganz Bayern zu seinen Mitgliedern, die rund eine halbe Million Wohnungen verwalten. Und jedes Jahr werden es mehr: So berichtet der VdW von 40 Neuaufnahmen von Genossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen seit 2015. Kommunale Wohnungsunternehmen wollen ähnlich wie Genossenschaften sozialverträglich Wohnraum anbieten. Ihre Hauptgesellschafter sind meist die Städte und Gemeinden.

Allein in München haben sich seit 2015 mehr als ein Dutzend neue Wohnungsbaugenossenschaften gegründet (davor erfolgte die letzte Neugründung in München übrigens in 2001). Insgesamt gibt es in der Landeshauptstadt etwa 50 Wohnungsbaugenossenschaften, die ungefähr 45.000 Wohnungen verwalten.

Lange Wartelisten und mangelndes Bauland

Deutschlandweit sind es übrigens rund 2.000 Baugenossenschaften insgesamt, in deren Wohnungen fünf Millionen Menschen leben, wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) mitteilt. Doch kaum eine Genossenschaft nimmt noch neue Mitglieder auf, die Wartelisten sind lang.

Neue Genossenschaften haben zudem mit noch höheren Hürden zu kämpfen als bestehende: Da ihnen anfangs Kapital fehlt, müssen sie in der Regel höhere Mieten als Bestandsgenossenschaften verlangen. Für die Genossenschaftsanteile sind meist fünfstellige Summen fällig.

Doch auch für die Bestandsgenossenschaften gibt es ein Problem: mangelndes Bauland. Wobei die Münchner im Vergleich zu etwa den Berlinern immer noch gut wegkommen: Denn in der bayerischen Landeshauptstadt zum Beispiel werden nach dem Wohnungspolitischen Handlungsprogramm von 2017 bei Neubauprojekten 20 bis 40 Prozent der kommunalen Flächen an Genossenschaften und Baugemeinschaften vergeben. In Berlin hingegen gibt’s städtisches Bauland nur noch in Form von Erbbaupacht: Das Land bleibt dabei Eigentümer und verpachtet die Flächen für einen Zeitraum von meist 90 oder 60 Jahren gegen einen Erbbauzins – und der könnte dann steigen, befürchten viele.


Welche Genossenschaften gibt es in München?

Wer in einer Genossenschaftswohnung lebt, ist sicher wie ein Eigentümer und flexibel wie ein Mieter. Die Mitglieder finanzieren Hausbau und Erhalt der Häuser gemeinsam: Bei Eintritt in eine Genossenschaft ist daher eine Einlage zu zahlen, in der Regel etwa 1.000 Euro. Beim Wohnungseinzug werden neben dem monatlichen Nutzungsentgelt dann Pflichtanteile fällig, die Höhe kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Für einen nicht-geförderten Neubau etwa können 650, teils auch weit mehr als 1.000 Euro pro Quadratmeter fällig werden. Zieht man aus, bekommt man den Betrag zurückerstattet. Auf folgenden Internetseiten finden sich Münchner Genossenschaften, die beispielsweise noch Mitglieder aufnehmen: wagnis.org, progeno.de oder kooperative-grossstadt.de.

 

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