Meisterliche Wende Darf Niko Kovac jetzt Trainer beim FC Bayern bleiben?

"Wenn man überrascht wird damit, kriegt man fast einen Herzstillstand. Aber das kann ich hinnehmen, darauf haben wir alle hingearbeitet", sagt Bayern-Trainer Niko Kovac über die obligatorische Weißbierdusche nach dem Titelgewinn. Foto: sampics/Augenklick

Die Bayern-Bosse verweigern weiter ein klares öffentliches Bekenntnis zu Niko Kovac. Der sagt: "Ich habe Informationen aus erster Hand, dass es weitergeht." Die Fans huldigen dem Meistertrainer.

 

München - Das kalte, klebrige Nass erwischte Niko Kovac zwei Mal. Die Weißbierduschen-Feuertaufe bekam der frisch mit der Meister-Medaille dekorierte Bayern-Trainer von Arjen Robben, später noch eine von Rafinha. "Wenn man überrascht wird damit, kriegt man fast einen Herzstillstand", sagte Kovac, "aber das kann ich hinnehmen, darauf haben wir alle hingearbeitet."

Seinen ganz persönlichen Moment des Tages, nein, der gesamten Saison hatte Kovac noch während des Spiels, rund zehn Minuten vor Spielende gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt. Es stand bereits 5:1, das Ding war durch, Bayern Deutscher Meister. Da begann die Südkurve seinen Namen zu skandieren. "Niiii-ko Kovac!" Laut, immer lauter. Tausende auf den Tribünen stimmten ein und feierten den Meister-Trainer mit "Du bist der beste Mann!".

Niko Kovac: Meister als Spieler und Trainer

Kovac spürte die Vibrationen dieses besonderen Moments, genoss die Ovationen, feierte diese, seine Sekunden. Pure Genugtuung. Er bedankte sich, zeigte Richtung Kurve den Daumen nach oben und winkte voller Stolz. Zum Abschied? Am Freitag hatte das Online-Portal "Spox" berichtet, dass der gebürtige Berliner in jedem Fall nach Saisonende gehen muss – selbst als Meister oder gar als Doublegewinner.

Wenig später reckte er immer wieder die Faust in den Himmel, winkte seinen Lieben auf der Tribüne, ließ sich mit der Schale und Bruder Robert, seinem Assistenten, fotografieren. Es ist sein größter Erfolg. Neun Punkte Rückstand im Winter auf Borussia Dortmund, nun zwei Zähler Vorsprung auf den BVB ins Ziel gerettet, alle internen und externen Störfeuer überwunden und am Ende ein Champion wie der Kaiser. Denn in der titelreichen Vereinshistorie des FC Bayern war es bisher nur Franz Beckenbauer gelungen, als Spieler (1969, 1972, 1973, 1974) UND als Trainer Meister zu werden.

Kovac glaubt an Bayern-Verbleib

Aber bleibt Kovac? Zu den Gerüchten über seinen feststehenden Abschied sagte er. "Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht." Er habe "Informationen aus erster Hand, nicht aus erster oder zweiter", denn: "Ich rede mit meinen Chefs, ich habe ja drei. Wenn man miteinander redet, hört man heraus, in welche Richtung es geht. Ich glaube, dass ich das richtig interpretiert habe." Als noch einmal nachgehakt wurde, wie es nun tatsächlich weitergehe, antwortete er: "Ich gehe davon aus, dass ich meinen Vertrag, den ich hier noch zwei Jahre habe, hoffentlich in der Form auch erfüllen werde." Schließlich sei man "doch Deutscher Meister", so Kovac.

War das die Bedingung der Bosse? Hoeneß meinte: "Ich habe immer gesagt, ich beteilige mich nicht an dieser Diskussion. Wir sollten das Thema mal aus unseren Köpfen bringen." Also wurde Sportdirektor Hasan Salihamidzic gefragt, ob Kovac nächste Saison im Amt sein wird. Seine Antwort: "Die Fakten sprechen dafür, ja. Der Trainer hat volle Rückendeckung und Unterstützung von mir."

Dieser 18. Mai 2019, diese Doch-Noch-Meisterschaft, eingefahren am letzten Spieltag, könnte der Wendepunkt im Hickhack um den zähen und widerstandsfähigen Coach sein, der trotz seines Vertrags bis 2021 gefühlt nur noch auf Abruf im Amt war.

Das Votum der Fans war jedenfalls eindeutig. Ein klares öffentliches Bekenntnis der Bosse zu ihrem Meister-Trainer gibt es jedoch nicht – erst nach einem Pokal-Triumph kommenden Samstag in Berlin gegen RB Leipzig? Nach den Eindrücken vom Samstag drängt sich die Frage auf: Kann man einen bei den Fans derart beliebten Meistertrainer entlassen?

 

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