"Mein Hund rettete mir das Leben" Bayern-SPD fordert einheitliche Regelung für Assistenzhunde

Diese Hunde ermöglichen ihren Frauchen, Teil der Gesellschaft zu sein: Sibylle Brandt (l.) mit Soni, Hedi Menges mit Shacky und Bobby sowie SPD-Sozialpolitikerin Ruth Waldmann vor dem Maximilianeum. Foto: Daniel von Loeper

Drei Mal hat Behindertenbegleithund Shacky für sein Frauchen Hilfe geholt und die Tür geöffnet – die bayerische SPD macht sich für eine einheitliche Regelung der vierbeinigen Helfer stark.

Rund zweieinhalb Stunden sind es mit dem Zug von Veitshöchheim in Unterfranken nach München. Keine große Sache für einen Menschen ohne Behinderung. Für Sibylle Brandt (57), die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Menschen mit Behinderungen in der Bayern-SPD, ist es ein kleines Abenteuer. Denn sie ist seit 20 Jahren blind. Nach einem Beinahe-Unfall auf der Autobahn, wurde bei ihr eine Makula-Degeneration festgestellt. Mittlerweile sieht sie nur noch schemenhaft.

Ohne einen Helfer an ihrer Seite wäre die Fahrt nach München ins Maximilianeum für die 57-Jährige kaum zu meistern. Doch Sibylle Brandt hat Soni an ihrer Seite, einen Blindenführhund.

Als die gelernte Produktmanagerin Mittwochfrüh aus dem Haus ging, gab sie ihrer Labradorhündin den Befehl "Haltestelle" und "Such Weg". Die Hündin führte sie brav zur zehn Minuten entfernten Bushaltestelle. Dabei ließ sie sich nicht ablenken von anderen Hunden, legte keine Schnüffelpausen ein. Die neun Jahre alte Hündin erledigte ihre Aufgabe vorbildlich.

Hunde können Kranken in vielen Lebenssituationen helfen

Hunde können nicht nur Sehbehinderten lebenswichtige Hilfe leisten. Die intelligenten Vierbeiner sind mit ihren superfeinen Nasen auch in der Lage, drohende Zuckerschocks und epileptische Anfälle zu riechen. Sie können Behinderte sicher durch die alltäglichen Gefahren im Straßenverkehr führen und sind sogar Haushaltshelfer.

Shacky (14), der mit seinem Frauchen in Berlin lebt, ist solch ein Assistenzhund. Hedi Menges (56) kam mit einer Conterganschädigung zur Welt, ihre Arme sind verkürzt. Außerdem leidet sie unter Diabetes.

Labrador Shacky kann Hedi Menges beim An- und Ausziehen helfen. Shacky öffnet Türen und Schubladen, er kann sogar die Waschmaschine öffnen und leeren. Der gutmütige Vierbeiner hebt seinem Frauchen heruntergefallene Sachen auf – und er kann noch mehr: "Er hat mir drei Mal das Leben gerettet, als ich kollabiert bin", erzählt Hedi Menges.


Shacky zieht am Notruf-Seil und öffnet von innen die Tür. Foto: privat

Die allein lebende Berlinerin war nach einem allergischen Schock in ihrer Wohnung zusammengebrochen. Shacky zog, wie er es gelernt hatte, im Flur an einer Schnur, die einen Notruf auslöste. Sanitäter machten sich auf den Weg. Vor der Wohnungstür sagten sie ein zuvor hinterlegtes Codewort zu dem Hund: "Daraufhin hat Shacky den Sanitätern von innen die Tür geöffnet", erzählt sein Frauchen.

Inzwischen ist der Labrador mit 14 Jahren im Ruhestand, bei seinem Frauchen darf er trotzdem bleiben. In die Berliner Wohnung ist Nachfolger Bobby mit eingezogen. Er kann allerdings nicht alles, was sein älterer Freund beherrschte.

Wer bezahlt den Begleithund? SPD pocht auf bundeseinheitliche Regelung

Etwa 60 bis 120 Befehle erlernt ein Assistenzhund während seiner Ausbildung. Sie muss individuell auf das behinderte Frauchen oder Herrchen zugeschnitten sein – und das ist teuer. "In zehn Jahren kostet ein Assistenzhund insgesamt rund 75 000 Euro", weiß Ruth Waldmann, Sozialpolitikerin der bayerischen SPD, die sich für eine bundeseinheitliche Finanzierung und Ausbildung von Assistenzhunden starkmacht.

Denn die Kosten werden bislang in der Regel nur für Blindenhunde übernommen. Hedi Menges hatte Glück, bei Shacky übernahm eine Stiftung die Kosten. Folge: Der Bedarf von Behinderten nach Assistenzhunden ist viel höher – nur die wenigsten können sich einen vierbeinigen Helfer leisten. "Dabei kostet ein zweibeiniger Helfer zehn Mal so viel", sagt Ruth Waldmann.

Weitere Probleme: Für Assistenzhunde gibt es keine einheitliche Ausbildung und keine speziellen Anforderungen an die Ausbilder.

Im März forderte die SPD die Staatsregierung per Antrag auf, sich auf Bundesebene für bundeseinheitliche Regelungen einzusetzen. Am 25. April soll das Thema nun im Plenum behandelt werden.

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