Mehr Sport Bauermann: „Ohne Hoeneß? Nie!“

Er soll einer der Stars bei den Basketballern des FC Bayern werden: Der 37-jährige Center Darius Hall (r,.), bisher bei den Artland Dragons Quakenbrück, gehört seit Dienstag zum Bayern-Kader. Foto: Imago

Fasziniert vom Boss: Warum der Trainer zum FC Bayern in die 2. Liga ging, viele Stars ihm folgen – und was Real Madrid zum Projekt der Bayern sagt.

 

AZ: Herr Bauermann, Uli Hoeneß sagte kürzlich, er sei in seiner Jugend ein sehr guter Basketballer gewesen. Brauchen Sie nicht noch Verstärkung für Ihre Mannschaft?

DIRK BAUERMANN: Wir könnten ihn ja für die U60 engagieren. Aber im Ernst: Es gibt im deutschen Sport außer Franz Beckenbauer, Boris Becker und Michael Schumacher keine profiliertere Persönlichkeit als Uli Hoeneß. Wie er nun öffentlich bekundet, wie sehr er sich mit dem Basketball-Projekt beim FC Bayern identifiziert, das ist bemerkenswert. Mehr Rückenwind können wir nicht haben.

Wären Sie ohne Hoeneß überhaupt nach München gegangen?

Nein, nie. Die Gespräche mit den Abteilungsleitern Bernd Rauch und Peter Kemmer haben mich sicher beeindruckt. Aber ausschlaggebend für mich war, dass Hoeneß so dahinter stand. Für mich ist es ja auch ein hohes persönliches Risiko. Bundestrainer mit vielen Erfolgen, plötzlich bei einem Zweitligaverein, gewinnen kann ich vorerst nichts, nur verlieren. Aber Hoeneß hat mich überzeugt. Ich wäre garantiert zu keinem anderen Verein in die 2. Liga gegangen.

Werden die Basketball-Visionen des FC Bayern denn auch außerhalb Münchens schon wahrgenommen?

Ja. Anfang Juli war U17-WM in Hamburg. Da haben mich die höchsten Funktionäre des Weltverbands FIBT auf Bayern angesprochen. Und letzte Woche habe ich mit Ettore Messina telefoniert, dem Trainer von Real Madrid. Wissen Sie, was das Erste war, worauf er zu sprechen kam?

Nein, erzählen Sie.

Wie toll er das Projekt des FC Bayern findet. Das schlägt auch europaweit hohe Wellen. Deutschland ist im Basketball immer noch ein schlafender Riese. Der FC Bayern kann dazu beitragen, dass aus diesem zarten Pflänzchen etwas Großes werden kann.

Man stelle sich vor, ein Europapokal-Spiel im Basketball, FC Bayern und Real Madrid. Klangvoller geht es kaum.

Träumereien sind fehl am Platz. Aber klar, man muss Visionen haben. Nur müssen wir jetzt die erste Stufe der Rakete zünden. Dazu gehört auch, die Zuschauer zu überzeugen, zu vermitteln, dass keine zwölf Minimalisten am Platz stehen, sondern Spieler, die Spaß haben.

Aber wie wollen Sie Stammpublikum binden? Bei Gegnern wie Chemnitz, Crailsheim, Osnabrück.

Das sind keine großen Namen, die ziehen. Also müssen wir ziehen. Das Publikum soll nicht wegen des Gegners kommen, sondern wegen uns. Die Spieler müssen Identifikationsfiguren werden, Neuzugänge wie Darius Hall, den wir als Center aus der Bundesliga von den Artland Dragons geholt haben.

Bitte, „Hall the Wall“ spielt künftig beim FC Bayern?

Ja. Den haben wir gerade eben verpflichtet. 2,02 Meter groß, 120 Kilo schwer, bei seinem Verein war er Kapitän und Publikumsliebling.

Darius Hall war Pokalsieger, wurde 2009 ins Allstar-Game gewählt, bedarf es da nicht Überzeugungsarbeit, Spieler wie ihn in die Zweite Liga zu holen?

Gar nicht. Hall zieht mit Frau und Tochter hierher und hat schon gesagt, dass er aufgeregt sei, in einer so großen Stadt wie München zu spielen. Das war am Anfang auch meine Angst, dass ich am Ende alleine dastehe. Aber jetzt haben wir schon sechs hochkarätige Neuzugänge. Auch das Finanzielle spielte keine Rolle. Da können sie woanders weit besser verdienen.

Welche Motive gab es dann?

Zum einen haben viele gesagt: Gut, wenn der Bauermann dabei ist, dann können wir das auch machen. Zum anderen liegt das an der Strahlkraft des FC Bayern. Als sie gehört haben, wie sehr Hoeneß das Projekt unterstützt, waren sie sofort dabei.

Hoeneß hat gesagt, solange das Projekt bei den Münchnern gut ankommt, müssten Sie nicht zwangsläufig im ersten Jahr aufsteigen. Nimmt Ihnen das etwas Druck?

Gar nicht. Für mich zählt nichts anderes als der Aufstieg. Ein zweites Jahr in der Zweiten Liga, nein, das ist für mich nicht vorstellbar.

Interview: Florian Kinast

 

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