Mehr öffentliche WCs für München Dieter Reiter will Toiletten-Problem lösen

Ein Schild mit der Aufschrift "WC" und einem Hinweispfeil. (Archivbild) Foto: Armin Weigel/dpa

OB Dieter Reiter macht das Problem mit öffentlichen Toiletten in der Landeshauptstadt nun zur Chefsache und möchte die Zahl der Anlagen "signifikant erhöhen".  

 

München - Es sind zu wenige, sie sind nicht barrierefrei oder verdreckt – und wenn es Beschwerdebedarf gibt, fehlt ein zentraler Ansprechpartner. Immer wieder klagen Münchner über die WC-Situation in der Stadt – bei der Verwaltung oder den Rathaus-Fraktionen. Jetzt kommt von OB Dieter Reiter (SPD) das Signal: So kann es nicht weitergehen!

In U-Bahnhöfen, Grünanlagen, Gebäuden der Stadt und auf Friedhöfen: insgesamt gibt es in München etwa 150 öffentliche Toiletten. Doch das heißt nicht unbedingt, dass auch alle Bürger ausreichend versorgt sind. Beschwerden kommen oft von der älteren Bevölkerung oder Menschen mit Behinderung, für die die nächste zugängliche Toilette einfach zu weit weg ist.

Deshalb hatte die Rathaus-CSU bereits im November 2018 von der Stadt eine Übersicht gefordert, in der alle öffentlichen WCs aufgelistet sind. Dabei sollte auch herausgefunden werden, wo dringend Nachholbedarf besteht.

Zuständigkeiten für öffentliche Toiletten variieren

Doch schon allein, eine solche Liste zu erstellen, ist alles andere als einfach. Denn bisher gibt es keine zentrale Stelle, über die alle Fragen rund um das stille Örtchen geklärt werden. Im Gegenteil: Die Zuständigkeiten scheinen vielmehr wild verteilt zu sein. Das Kommunalreferat kümmert sich um die Toiletten auf Friedhöfen und in städtischen Gebäuden. Das Baureferat ist für die öffentlichen WCs in den Grünanlagen zuständig. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft ist Ansprechpartner für werbefinanzierte Klos und die Münchner Stadtwerke für die Toiletten in U-Bahnhöfen.

Diese wiederum werden – um für noch mehr Verwirrung zu sorgen – teils von der LHM Services GmbH und teils von der Hering Sanikonzept GmbH betrieben.

OB Dieter Reiter gesteht ein: "Bisher war die sehr verteilte Zuständigkeit auf verschiedene Referate und die Stadtwerke nicht wirklich erfolgreich." Daher habe er jetzt in einer Beschlussvorlage, über die der Stadtrat in der Vollversammlung am Mittwoch entscheiden soll, eine Bündelung der Zuständigkeiten im Baureferat vorgeschlagen.

Das Referat könnte dann bewerten, wie gut München tatsächlich mit öffentlichen WCs versorgt ist – und ein Verbesserungskonzept erarbeiten.

Dieter Reiter will für mehr öffentliche Toiletten sorgen

In Zukunft solle generell vermieden werden, dass weitere Toiletten geschlossen werden. Und noch viel mehr als das. OB Reiter sagt der AZ: "Ich will, dass wir die Zahl der öffentlichen Toiletten signifikant erhöhen und Versorgungslücken schnellstmöglich schließen." Auch soll das Baureferat – wenn einmal alleinig zuständig – die Ausstattung der WCs überprüfen. Denn die Toiletten sollen künftig nicht nur mit Wickelmöglichkeiten ausgestattet werden, sondern auch so behindertengerecht wie möglich sein.

Von einem "plötzlichen Richtungswechsel der Groko", spricht Münchens grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden. "In der aktuellen Amtsperiode wurden ja durchaus bereits einige öffentliche Toiletten geschlossen", merkt sie an.

Eine klare Zuständigkeit würde nicht nur der Stadtverwaltung helfen, findet Habenschaden. "Auch den Bürgern fehlt bei dem Thema ein klarer Ansprechpartner", sagt sie der AZ. Vor allem auf den Grünflächen – beispielsweise an der Isar – mangele es noch an ausreichend Möglichkeiten, das stille Örtchen aufzusuchen. Das würde die Aufenthaltsqualität eklatant verbessern, so die OB-Kandidatin.

Für dringendst notwendig hält auch Michael Mattar, Chef der Rathaus-FDP, Reiters Antrag. Er findet: "Der Kompetenzwirrwarr ist ein grundsätzliches Problem, eine Lösung ist längst überfällig."

Die AZ-Umfrage: Gibt es genug öffentliche WCs?

Hausfrau Ingeborg Koch: "Ich weiß, wo gute Toiletten sind – zum Beispiel im Innenhof vom Rathaus gegen 60 Groschen. Ich wohne in der Nähe vom Tierpark – und da ist es ganz schwierig mit WCs. Manchmal hat man einfach das Bedürfnis, dass man muss. Da muss man dann wissen wo."

Student Lennart Bott (22): "Selbst in den Münchner Parks ist es schwierig, Toiletten zu finden. Ich als Typ kann schon mal zur Not ins Gebüsch gehen – aber für die Frauen ist es unzumutbar und deutlich schwieriger."

Einzelhändler Ali Azhier (30): "Es ist ganz schlimm mit den öffentlichen Toiletten in München. Es sind viel zu wenig WCs da. Es ist wirklich toll, dass der Oberbürgermeister da etwas machen will. Oft sind Toiletten entweder kaputt oder es ist unangenehm dort."

Stadtführerin Lenka Kargol (55): "Mit den Toiletten ist es nicht so einfach in München – eigentlich müssten sie die Visitenkarte der Stadt sein. Da gibt es einiges anzupacken. Am Isartor gibt es Toiletten gegen Gebühr, sauber ist es dort nicht."

U-Bahn-WCs: Kunden müssen zahlen

Vor allem bei immer mehr U-Bahn-Toiletten werden MVG-Kunden zur Kasse gebeten. "Generell sind alle U-Bahn-Toiletten, nachdem sie saniert wurden, kostenpflichtig", sagt ein Stadtwerke-Sprecher der AZ. Der Nutzer zahlt 60 Cent pro Besuch.

Die private Hering Sanikonzept GmbH kümmert sich um die Sanierung und den Betrieb von 42 Toiletten rund um den öffentlichen Nahverkehr. Bis Ende 2020 will das Unternehmen Dutzende Anlagen komplett modernisieren.

Zwölf Anlagen wurden bereits vollständig saniert: Die Toiletten am Kurfürstenplatz, am Scheidplatz, an der Waldfriedhofstraße, dem Sendlinger Tor, dem Lorettoplatz, dem Max-Weber-Platz, dem Goetheplatz, dem Arabellapark, dem Rotkreuzplatz, dem U-Bahnhof Thalkirchen, der Silberhornstraße und der Haltestelle Universität.

Geplant sind noch die Klos der U-Bahnhöfe Prinzregentenplatz, Laimer Platz, Westendstraße, Frankfurter Ring, Am Harras, Giesing, Holzapfelkreuth, Fürstenried West, Feldmoching, Westfriedhof, Aidenbachstraße, Fraunhoferstraße, Innsbrucker Ring, Trudering, Wettersteinplatz, Mangfallplatz, Messestadt Ost, Milbertshofen, Großhadern, Klinikum Großhadern, Josephsplatz, Hasenbergl und Neuperlach Süd.

U-Bahn-WCs: Der Umbau hat seinen Preis

Beim Umbau lege man einen großen Wert auf einen barrierefreien Zugang, so eine Hering-Sprecherin. Doch die Modernisierung heißt auch, dass hier künftig Fahrgäste zur Kasse gebeten werden.

OB Dieter Reiter schlägt in seiner Beschlussvorlage grundsätzlich vor, dass auch das Gebührenthema künftig einheitlicher geregelt werden soll. Bedeutet das, dass Bürger zukünftig noch häufiger zur Kasse gebeten werden? Reiter zur AZ: "Viele Menschen sagen mir, dass sie für eine saubere Toilette gerne auch einen kleinen Beitrag bezahlen. Ich kann mir eine geringe Benutzungsgebühr also durchaus vorstellen." Das heiße aber nicht, dass alle Toiletten künftig etwas kosten.

 

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