"Mehr für die Ärmsten" Kardinal Marx besucht Giesinger Wohnheim

Paul Nöllke.
Zu Besuch bei den Ärmsten der Armen: Kardinal Marx am Freitag im Männerwohnheim im Gespräch mit Bewohnern. Foto: Petra Schramek

Beim Besuch von Wohnungslosen in Untergiesing kritisiert Kardinal Marx mangelnde staatliche Unterstützung.

 

Giesing - Menschen haben Grundrechte, und dazu gehört ein Dach über dem Kopf, genug Essen und eine gesundheitliche Versorgung." Der Mann, der dies sagt, sticht im Männerwohnheim an der Pilgersheimer Straße hervor: Es ist Kardinal Marx, der hierher, nach Untergiesing, zum Adventsbesuch bei den Ärmsten der Armen gekommen ist – zu Münchnern, die kein Dach über dem Kopf und oft nicht genug Essen haben. Marx nimmt sich Zeit, hört ihnen zu – und feuert nebenher auch ein paar Breitseiten in Richtung Stadt und Staat ab.

Kirche springt ein, wo Stadt und Staat nicht helfen

Das Männerwohnheim wird von der Katholischen Kirche mitfinanziert. Er sei dankbar, sagt Marx, dass die Kirche Bedürftigen ihre Grundrechte hier zur Verfügung stellen könne. Darüber, dass das überhaupt nötig ist, zeigt sich der Kardinal aber frustriert: Er beklagt fehlende staatliche und städtische Hilfen.

Die Wohnungsnot in München sei prekär, es gebe immer mehr Leute, die arbeiten und sich trotzdem keine Wohnung in der Stadt leisten können. Auch, dass immer mehr Menschen viel zu schnell aus dem Krankenhaus entlassen werden und dann medizinische Hilfe bei kirchlichen Institutionen suchen müssen, sei bedenklich.

"Wir helfen ja gerne, aber Grundbedürfnisse dürfen nicht von freiwilliger Spendenbasis abhängen. Das kann so nicht bleiben, das ist unmöglich", mahnt Marx.

Münchner trotz Job im Wohnheim

In Untergiesing trifft Marx auch Münchner, die zwar Arbeit haben, aber trotzdem auf Angebote in dem Haus angewiesen sind. Hinterher zeigt er sich betroffen. Der Kardinal bezeichnet es als "schlimm", dass Menschen die arbeiten, in München nicht genug Geld zum Leben haben. Man dürfe "die Armen und ihre Probleme nicht vergessen", mahnt Marx.

An der Pilgersheimer Straße auf jeden Fall stehen die Armen seit Jahrzehnten im Mittelpunkt – und das mit Unterstützung der Kirche. Dabei hat sich das Angebot weiterentwickelt.

Wohnheim an der Pilgersheimer Straße

Im traditionsreichen Wohnheim teilten sich einst schon mal 15 Männer ein Zimmer – heute sind es nicht mehr als zwei. Auch psychologische und ärztliche Betreuung spielen heute eine wichtige Rolle. Und: Heute kommen mehr jüngere Männer ins Haus als früher. Dieses Jahr haben knapp 1000 Männer Übernachtungen in Anspruch genommen, 1.400 wurden sozial beraten.

Zu seinem Besuch bringt der Kardinal eine Spende von 15.000 Euro mit. Die Kirche müsse sich weiter für solche Projekte einsetzen, auch gerade, wenn es der Staat nicht tue. Denn: "Die Kirche kann nur die Kirche Jesu Christi sein, wenn sie sich auch für ihre Ärmsten einsetzt."

 

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