Mediziner wurde 2014 entlassen Arzt soll Kinder an Uni-Klinik sexuell missbraucht haben

Eingangsbereich zur Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie des Universitätsklinikums in Homburg. Foto: Oliver Dietze/dpa

Ein zurückliegender Fall von möglichem Kindesmissbrauch erschüttert die Uni-Klinik des Saarlandes. Gegen einen Arzt wurde ermittelt, weil er Behandlungen von Kindern dazu genutzt haben soll. Die Eltern der betroffenen Kinder wurden darüber jahrelang nicht informiert.

 

Homburg - Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt hat am Universitätsklinikum des Saarlandes bis 2014 womöglich mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht.

Es bestehe der Verdacht, dass er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht medizinisch notwendige Untersuchungen im intimen Bereich an Kindern vorgenommen habe, die als Routinemaßnahmen dargestellt wurden, sagte der Sprecher des Universitätsklinikums des Saarlandes am Montag im Homburg. Der Mediziner wurde 2014 entlassen. Ermittlungen gegen ihn wurden nach seinem Tod 2016 eingestellt.

Konkret befassten sich die Ermittlungen mit der Behandlung von 34 Patienten, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. Das Verfahren war ins Rollen gekommen, nachdem die Klinik 2014 Strafanzeige gegen den Mediziner gestellt hatte.

Nach Informationen des ARD-Magazins "Monitor" war der Arzt von 2010 bis 2014 an der Uni-Klinik beschäftigt. Mögliche Opfer und deren Eltern seien über die Verdachtsfälle nicht informiert worden, hieß es in dem Bericht.

Laut Staatsanwaltschaft ging es in den Ermittlungen um "möglicherweise nicht medizinisch indizierte Untersuchungen insbesondere des Genital- und Analbereiches von kindlichen Patienten", die in der sogenannten Ausscheidungsambulanz des Klinikums vorgenommen wurden. Diese Spezialambulanz kümmert sich um Patienten, die einnässen oder einkoten.

Im Zuge der Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft bei dem Beschuldigten elektronische Datenträger mit Bilddateien sicher, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Aufnahmen seien außerhalb der Klinik ohne Bezug zu Untersuchungshandlungen entstanden, sagte der Sprecher. Hier seien drei Geschädigte ermittelt worden, zu denen weitere Verfahren eingeleitet wurden.

Bei diesen drei Kindern seien die Eltern informiert worden. Die gesetzlichen Vertreter der in der Klinik behandelten Kinder wurden dagegen nicht informiert: Dafür habe es keine rechtliche Grundlage gegeben. Nach den für die Staatsanwaltschaft maßgeblichen Vorschriften wäre dafür Voraussetzung gewesen, dass die Kinder den Status "Verletzte" gehabt hätten. "Das war nicht der Fall." Bis zum Tod des Arztes habe keine konkrete Tat zum Nachteil eines der Kinder individualisiert werden können, hieß es.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) teilte am Montag mit: "Die Nachrichten aus dem Universitätsklinikum des Saarlandes erschüttern mich zutiefst. Wenn ein solcher Verdacht im Raum steht, muss umgehend eine lückenlose Aufklärung erfolgen." Das Wohl der Kinder stehe für ihn an erster Stelle. "Gerade Kinder und Jugendliche und ihre Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihr Vertrauen nicht durch Behandler schändlich ausgenutzt wird. So etwas darf nie wieder passieren", sagte er.

 

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