Mediziner mit Mobilfunk Neues Projekt in Bayern: Der Notarzt kommt - per Video

Autorenprofil Ruth Schormann
Ein passendes Polo-Shirt trägt Telenotarzt Michael Bunz (r.) schon beim Termin am Mittwoch. Foto: rus

In Ostbayern wird ein ambitioniertes Vorhaben getestet: Mediziner mit Mobilfunk in Rettungswagen und an Unfallorte zuschalten, um Patienten effektiver zu behandeln. Doch es gibt ein Problem.

Straubing - "Prinzipiell", sagt Dr. Michael Bunz zur AZ, "ist das sehr sinnvoll". "Eine sinnvolle Ergänzung", pflichtet Kollege Florian Blankenburg bei. Die beiden sind zwei der neun Mediziner, die seit Juli im Rettungsdienstbereich Straubing als Telenotärzte ihre Kollegen in den Rettungswagen unterstützen und Patienten per Videotelefonie behandeln. Ein paar Überstunden nehmen sie für das Pilotprojekt in Kauf.

Wie funktioniert der Telenotarzt? Über eine Kamera im Rettungswagen und eine Bodycam der Sanitäter sind sie live dabei, können Patienten begutachten, Vitalfunktionen wie Herzschlag, Sauerstoffsättigung und Blutdruck überprüfen und so die Kollegen im Einsatz unterstützen.

Das Pilotprojekt, das Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch beim BRK in Straubing vorgestellt hat, soll ein "Leuchtturm" sein, sagt Peter Krase, der bei der AOK fürs Leistungsmanagement zuständig ist. Die Krankenkassen steuern rund eine Million Euro bei.

Als Ersatz für kleinere Notaufnahmen, die schließen müssen, will der den Telenotarzt nicht verstanden wissen. Doch er sagt schon, es gehe darum "die Ressource Arzt effizienter zu gestalten". Dr. Stefan Nickl, Vorsitzender des Rettungsdienstausschusses Bayern, sieht den digitalen Arzt als die dritte Stufe nach dem Rettungswagen, der seit den 50er Jahren fährt und dem Rettungshubschrauber, der in den 70ern zum ersten Mal abhob. Ziel ist, Patienten schneller und besser zu versorgen.

Ohne Mobilfunk-Netz funktioniert die Video-Behandlung nicht

In der Praxis gibt es noch Probleme, die jeder kennt, der schon einmal in entlegeneren Ecken des Freistaats wie dem Bayerischen Wald unterwegs war: kein Netz. Und das bedeutet: kein Telenotarzt.

Denn die Bodycam, die Bilder von Verletzungen direkt aus dem Bett oder vom Unfallort an den Arzt in der Leitstelle senden kann, funktioniert nur mit einer stabilen LTE-Verbindung, sagt Projektleiter Klaus Graf. "Da müssen wir etwas machen, aber es ist natürlich auch Bundsache und die der privaten Telekommunikationsgesellschaften", kommentierte Herrmann. Die Methode könnte vor allem für den ländlichen Raum Verbesserungen bei der Patientenversorgung bieten. "Move the information, not the doctor", beschrieb Herrmann das Motto.

Wie kommt der Video-Doktor an? Bei 260 Einsätzen ist der Telenotarzt bisher zugeschaltet worden, vier Patienten davon wollten das nicht, sagt Nickl.

Wann kommt der Telenotarzt zum Einsatz? Das entscheidet die Mannschaft, die zum Einsatz kommt. Wenn sie Fachfragen hat, die nur der Notarzt beantworten kann, konsultiert sie ihn per Video oder der Telenotarzt überbrückt die Zeit, bis der "Bodennotarzt", wie die Rettungs-Experten die normalen Kollegen nennen, beim Patienten ist, erklärt Notarzt Bunz.

Wie lautet das vorläufige Fazit der Tester? "Ganz ersetzen wird der Telenotarzt den Arzt vor Ort nicht", sagt Telenotarzt-Tester Blankenburg. "Aber dafür, die arztfreie Zeit zu verkürzen, ist es sicher einsetzbar." Bis Jahresende läuft die Pilotphase. 2019, sagt Rettungsdienstausschuss-Leiter Nickl, soll dann entschieden werden, ob der Telenotarzt flächendeckend im Freistaat eingesetzt wird.

 

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