Martin Emmerling im AZ-Interview Münchner Boazn-Quartett: "Die Nächste ist die Beste"

"Bei Gisi" gewinnt beim Bierpreis und den Rüscherln. Im Hintergrund zu sehen: Das Balan Stüberl. Foto: Martin Emmerling/Petra Schramek/AZ-Montage

Bierschuppen sticht Pilsdoktor – dieses Quartett ist mehr als ein Spiel, es ist eine Hommage an die Boazn dieser Stadt.

München - Die Preise für Helles und Rüscherl, der Frauenanteil oder die Anzahl der Spielautomaten: Martin Emmerling lässt in seinem Boazn-Quartett die Münchner Stüberl in neun Kategorien gegeneinander antreten. Jetzt ist das rauschige Spiel in einer neuen Ausgabe erschienen.

AZ: Herr Emmerling, war die Recherche feucht-fröhlich?
MARTIN EMMERLING: Bei der ersten Ausgabe vor neun Jahren war ich ja noch neun Jahre jünger. Haha. Da war es durchaus feuchtfröhlich und ich bin aus jeder Boazn betrunken rausgelaufen. Heute war ich höchstens angeheitert.

Warum eine neue Ausgabe?
Es gibt zwei Drittel der Boazn nicht mehr, die ich vor neun Jahren im Quartett hatte. Der Münchner Mietmarkt ist sicher ein Grund, auch das Rauchverbot.

"Die nächste Kneipe ist immer die beste"

Aber – unter uns – in manchen Boazn wird doch noch geraucht?
Das kommt vor. Dann wird der Laden zugeschlossen und der vertraute Kreis sitzt da und raucht. Aber wenn das KVR das spitzkriegt, gibt’s eine Ermahnung mit einem saftigen Bußgeld und beim nächsten Mal ist die Konzession weg. Bei der Teufelsküche in Haidhausen soll das so gewesen sein.

In welcher Boazn trifft man Sie privat?
Die nächste Kneipe ist ja immer die beste und die nächste Kneipe bei mir in Haidhausen ist das Balan. Da habe ich 2004 sogar gearbeitet. Ich schätze aber auch das Johanniscafé sehr, die Königin der Boazn. Eigentlich ist es zu groß für eine Boazn, aber da kommt auch alles zusammen, der Arbeiter, der Künstler und der Nachbar, der eigentlich nur schnell mit seinem Hund rauswollte.

Was macht sonst eine Boazn aus?
Das ist ein Lokal, wo sich jeder reintraut und man auch allein kommen kann, ohne aufzufallen. Ich weiß noch, wie in der Graf Arco Stub’n im Lehel ein Börsenmanager im Anzug aufgetaucht ist, der hatte keinen Bock mehr auf Cocktails und wollte einfach nur ein Bier trinken.

"Die letzten Boazn Münchens"

Wo gibt’s das günstigste Bier?
Bei einigen Boazn kriegst du ein Bier unter 3 Euro. Im Bierschuppen im Dreimühlenviertel kost’ das Helle 2,70 Euro. Das ist im Jahre 2019 was ganz was Besonderes. Das ist auch die kleinste Boazn, da steht ein Tresen und ein kleiner Tisch – es passen vielleicht so zehn, fünfzehn Leute rein. Und die Wirtin ist zwischen 70 und 80 Jahre alt und bedient hinter ihrem Tresen seit 1983 sehr charmant.

Welche Boazn hat den höchsten Frauenanteil?
Ich habe ja im Quartett 16 Wirte und 16 Wirtinnen. Eine davon ist Bei Kula im Westend. Als ich dort war, saßen da ein Mann und acht Frauen. Das macht den Anschein eines Frauen-Nachbarschaftstreffs, weil die sich auch gegenseitig unterstützen. Das Quartett ist untertitelt mit „Die letzten Boazn Münchens“. Ja, die Boazn sterben aus. Deshalb, geht rein, Leute!

Hier mehr lesen: 100 Dinge, die 2019 in München besser werden sollen

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading