Manifest veröffentlicht CSD: Was die queere Community in München fordert

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Trans*Menschen und ihre Unterstützer*innen fordern ein neues Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung. Foto: Jasmin Menrad

Geschlechtliche Selbstbestimmung, Akzeptanz und neue Lehrpläne: Das will die queere Community in München von der Staatsregierung.

 

München - Im Corona-Jahr ist der CSD mehr Politik als Party, denn zusammen feiern ist nicht möglich. Unter dem Motto "Gegen Hass – Bunt, gemeinsam, stark" hat die Münchner LGBTI*-Community (Lesben, Schwule, Bi, Trans* und Inter*) klare Forderungen gestellt. "Wir wollen keine Sonderbehandlung, wir fordern gleiche Rechte und Akzeptanz", heißt es in dem CSD-München-Manifest, dessen wichtigste Forderungen die AZ vorstellt:

Artikel 3 +! Dieser steht für einen umfassenden Antidiskriminierungsschutz. Es gibt zwar das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, aber der Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität genießt keinen Verfassungsrang.

Stoppt den Hass! In den Ausführungen zur Hasskriminalität, die seit 2015 im Strafgesetzbuch stehen, sollen ausdrücklich auch LGBTI*-feindliche Motive benannt werden. Hassverbrechen müssen als solche erfasst werden und in den Statistiken auftauchen.

Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung

Trans*-Rechte jetzt! Die Community fordert, das Transsexuellengesetz abzuschaffen und durch ein neues Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung zu ersetzen. Wer trans* ist, muss Namen und Personenstand selbstbestimmt ändern dürfen. Bisher müssen zu einer Personenstandsänderung Gutachten und ärztliche Attests vorgelegt werden. Die Idee: Man stellt einen Antrag, geht zum Standesamt, trägt sein Geschlecht ein. Auch medizinische, geschlechtsangleichende Leistungen sollen verbessert werden.

Inter* entscheiden selbst! Die Einführung des dritten Geschlechts war ein großer Erfolg. Aber: "Wir fordern die Anerkennung einer Inter*-Definition, die in Zusammenarbeit mit Selbstorganisationen entsteht und nicht von oben verordnet wird durch vermeintlich medizinische Normen. Die Pflicht, ein Gutachten einzuholen, bevor eine Änderung des Personenstands möglich ist, lehnen wir ab. Und wir setzen uns dafür ein, dass Operationen verboten werden, die ohne Zustimmung der Betroffenen durchgeführt werden", heißt es in den CSD-München-Forderungen.

Aufklärung im Schulunterricht

Schule machen! Aufklärung über die Vielfalt an Orientierungen, Identitäten und Lebensweisen und die Geschichte von LGBTI* sollen Bestandteil jeden Lehrplans sein.

Gleiche Rechte für Regenbogenfamilien! Kinder brauchen die automatische, gemeinsame, rechtliche Elternschaft ab Geburt für verheiratete Mütter, außerdem die bereits vor Geburt mögliche Mutterschaftsanerkennung für unverheiratete Paare. Bisher muss eine Mutter das Kind adoptieren. Zudem soll Trans*-Eltern die Erziehungsfähigkeit nicht mehr aberkannt werden. Auch Familien mit mehr als zwei Elternteilen sollen rechtlich abgesichert werden.

Alter ist bunt! Die Besonderheit der Biografie älterer LGBTI* soll Berücksichtigung finden. Im Alter muss achtungsvolle Begleitung, Betreuung und Pflege in diskriminierungsfreier Umgebung gewährleistet sein.

Erinnert Euch! "Wir fordern Unterstützung für konkrete Maßnahmen, die den Dialog zwischen den Generationen, die Begegnung ermöglichen", steht da. Hier in der Stadt will die Community ein Projekt mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen angehen und die geplante Ausstellung zur Geschichte von LGBTI* umsetzen.

Bleiberecht für Geflüchtete! In 70 Ländern der Welt ist Homosexualität illegal und steht unter Strafe, in zwölf Ländern droht die Todesstrafe. Deutschland gewährt Asyl für Menschen, die in ihren Herkunftsländern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität bedroht sind, in der Praxis wird den Betroffenen dieses Recht aber oft verwehrt. Zudem wird gefordert, Ankerzentren dichtzumachen.

Schließt euch an! LGBTI* müssen sichtbarer werden. Der CSD versteht sich als Plattform für die Münchner und die Szene aus ganz Bayern, nicht nur während der Events im Juli. Aktivismus schafft Sichtbarkeit und Sichtbarkeit von LGBTI* verändert die Haltung der Menschen: Sie akzeptieren, wie bunt die Gesellschaft um sie herum ist.

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