Manfred Weber im Anflug Europäische Union: Ein Niederbayer als neuer Juncker?

Manfred Weber könnte der Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden. Foto: imago

Der Niederbayer und CSU-Vize Manfred Weber als neuer Juncker? Das Personalkarussell vor der Europawahl 2019 kommt in Schwung.

Brüssel - Macht er’s – oder macht er’s nicht? Manfred Weber (46), Fraktionsvorsitzender der EVP im Europäischen Parlament, könnte bald Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (63) werden, der keine Lust mehr auf eine zweite Amtszeit hat. Ein Niederbayer auf dem Chefsessel der Europäischen Union? Dieses Szenario wird immer realistischer.

Weber hatte in den vergangenen Monaten damit geliebäugelt, als Top-Kandidat der Europäischen Volkspartei bei der Europawahl 2019 ins Rennen zu gehen. Weil die EVP voraussichtlich auch im nächsten Parlament die stärkste Fraktion stellt, hat ihr Spitzenmann große Chancen, das mächtige Amt des Luxemburgers Juncker zu übernehmen. Rückt nach mehr als 50 Jahren erstmals wieder ein Deutscher an die Spitze der bedeutenden Brüsseler Behörde?

Weber selbst hält sich noch bedeckt. Es bleibe dabei, sagte sein Sprecher am Freitag der AZ, dass zunächst Gespräche zu führen seien. „Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen fallen.“ Für eine Kandidatur hat Weber laut diversen Medienberichten mittlerweile den Segen von ganz oben. Angela Merkel wolle Weber unterstützen, der Europapolitiker soll laut „Spiegel“ am Dienstag der CDU-Chefin seine Absichten vorgetragen haben. Einwände der Kanzlerin: keine. Immer wieder hatte es geheißen, die Kanzlerin wolle den in Brüssel beliebten Wirtschaftsminister Peter Altmaier (60) auf den Kommissions-Thron hieven. Pustekuchen. Auch EU-Kommissar Günther Oettinger macht sich für den CSU-Vize als Juncker-Nachfolger stark.


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Webers Motto lautet: Europapolitik first, CSU-Politik second

Bevor Weber mächtigster Mann in Brüssel werden könnte, warten für den Katholiken noch Hürden: Die interne Bewerbungsfrist bei der EVP beginnt erst am Donnerstag. Ein politisches Fingerhakeln dürfte es auch mit parteiinternen Konkurrenten geben. Die endgültige Entscheidung fällt beim EVP-Parteitreffen in Helsinki am 8. November. Anschließend müsste Weber offiziell von den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten nominiert und vom Europaparlament gewählt werden.

Der Landshuter ist ein nachdenklicher, moderater Politiker; kein Draufgänger à la Horst Seehofer oder Markus Söder. Der studierte Diplom-Ingenieur (Physikalische Technik an der FH München) scheut die Konfrontation, sucht den Ausgleich. Und er ist – im Gegensatz zu Teilen der CSU – ein entschiedener Kämpfer für die europäische Sache. Europapolitik first, CSU-Politik second.

Es gibt aber auch Zweifel, ob Weber tatsächlich ein gutes Bild als Kommissions-Chef abgeben würde. Kritiker bemängeln, dass der CSU-Vize nur „radebrechendes Englisch“ und kein Französisch spreche – eigentlich undenkbar für jemanden, der das Top-Amt der EU ausübt. Und: Weber habe noch nie einen Minister- oder Regierungsposten innegehabt – das wichtigste Kriterium im Anforderungsprofil.

In der Vergangenheit hatte auch CSU-Chef Seehofer beklagt, dass Weber nur ungern auf den Putz haue, zu wenig kantig sei. Für den Spitzenposten in Brüssel sind die Eigenschaften Webers aber eine wichtige Voraussetzung.

Dabei wäre Weber vor ein paar Jahren fast CSU-Generalsekretär geworden, der Ober-Haudrauf der Christsozialen. Seehofer soll Weber nicht befördert haben, weil sein Name zu früh in der Zeitung stand. Jetzt könnte Weber einen anderen (und bedeutenderen) Karriereschritt gehen – den hin zum Kommissionspräsidenten in Brüssel, weit weg von Horst Seehofer und der CSU-Landesleitung.


Die Vita von Manfred Weber

Geboren 1972 in Niederhatzkofen (Kreis Landshut); später Fachabitur, dann Wehrdienst; nach Studium Gründung zweier Firmen im Bereich Umwelt-, Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit; von 2003 bis 2007 Chef der JU in Bayern, seit 2008 niederbayerischer Bezirksvorsitzender; 2004 Wahl ins Europaparlament, seit 2014 EVP-Fraktionschef.

 

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