Drogen, Koks und Geldwäsche Razzia gegen 'Ndrangheta: Pizzeria in Riem durchsucht

, aktualisiert am 06.12.2018 - 07:35 Uhr
Polizisten bei der Razzia am Donnerstag in einem Eiscafé in Duisburg - auch in München wurden zwei Objekte durchsucht. Foto: dpa/Christoph Reichwein

Am Mittwoch fand eine internationale Razzia gegen die italienische Mafia statt. Auch in München wurden zwei Objekte durchsucht - festgenommen wurde niemand.

München - Im Zuge der internationalen Razzia "Operation Pollino" gegen die italienische Mafiaorganisation 'Ndrangheta sind in Bayern zwei Objekte durchsucht worden. Wie die Deutsche Presse-Agemtur berichtet, handelte es sich bei einer um eine Pizzeria in Riem, das andere Objekt befindet sich im Osten des Großraumes München. Festgenommen wurde niemand. Schwerpunkt der Aktion in Deutschland sei allerdings Nordrhein-Westfalen.

Doch nicht nur in Deutschland, auch in Italien, den Niederlanden und Belgien gingen die Ermittler gegen Mitglieder der 'Ndrangheta vor. Es habe mehrere Festnahmen und Durchsuchungen gegeben, teilte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit. Insgesamt wurden fast 90 Personen festgenommen.

Bei den Vorwürfen geht es um Drogenhandel, vor allem mit Kokain, und Geldwäsche. In Deutschland werde im Rahmen der Operation gegen 47 Beschuldigte ermittelt, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt von Duisburg, Horst Bien, am Mittwoch. Die kalabrische 'Ndrangheta gilt als mächtigste italienische Mafia-Organisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv.

BKA nimmt in Deutschland 14 Personen fest

Bien zufolge wurden vor allem in Nordrhein-Westfalen Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. Mutmaßlicher Haupttäter in NRW ist ein Gastwirt aus Pulheim bei Köln. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren rund 440 Beamte von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundespolizei beteiligt. Im Osten des Großraums München wurden eine Pizzeria und eine Wohnung durchsucht, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen erfuhr. Festnahmen gab es dort aber nicht.

Das BKA nahm Mittwoch 14 Personen in Deutschland fest, sechs davon wegen Haftbefehlen aus Italien, Belgien und den Niederlanden. Bei den Durchsuchungsmaßnahmen wurden größere Mengen Bargeld sowie Autos, die mutmaßlich als Kurierfahrzeuge für den Drogenschmuggel genutzt wurden, sichergestellt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte am Mittwoch in München: "Die Mafia versucht überall an Einfluss zu gewinnen", beispielsweise im Drogenhandel und bei der Schutzgelderpressung. Italienische Mafia-Aktivitäten in Bayern beschäftigten die Behörden schon seit Jahren. Entscheidend sei, dass Ermittlungen durch noch mehr internationale Zusammenarbeit weiter vorankommen. Bei den italienischen Behörden sei in den vergangenen Jahren deutlich spürbar eine bessere und konsequentere Bekämpfung der organisierten Kriminalität erfolgt.

Mafiamorde in Duisburg

Die 'Ndrangheta ist eine Vereinigung der kalabrischen Mafia, deren Aktionsradius sich weit über die Grenzen Europas hinaus bis nach Nord- und Südamerika sowie Russland und Australien erstreckt. Sie gilt seit Mitte der 90er Jahre als mächtigste Mafia-Organisation Europas und setzt pro Jahr 54 Milliarden Euro um, vor allem mit Drogenhandel und illegaler Giftmüll-Entsorgung.

Auch die Mafiamorde von Duisburg im August 2007 wurden im Rahmen einer Fehde zweier verfeindeter 'Ndrangheta-Familien verübt. Sechs Menschen wurden damals vor einem italienischen Restaurant kaltblütig erschossen, der Haupttäter wurde zwei Jahre später in Amsterdam gefasst. Das Geschworenengericht in Locri verurteilte ihn schließlich zu lebenslanger Haft.

 

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