M'Barek, Pizarro, Thomas Müller Das "Pubertier": Bilder von der Premiere im Mathäser

Der Cast vom "Pubertier" bei der Premiere im Mathäser-Kino. Foto: API

Am Montag erschien Jan Weilers Buch "Und ewig schläft das Pubertier", am Donnerstag kommt "Das Pubertier" dann auf die große Leinwand. Die Bilder von der Premiere und ein Interview mit dem Autor.

 

München - Das nennt man wohl eine optimale Textverwertung: Autor Jan Weiler ist das Kunststück gelungen, mit der Buchform seiner Zeitungskolumne Bestseller zu landen. Am Montag erschien der dritte Band der Pubertier-Reihe "Und ewig schläft das Pubertier" im Münchner Piper-Verlag. Weiler hat mit seinen kurzweiligen und glänzend beobachteten Familiengeschichten nicht nur die Herzen leidvoll geprüfter Eltern erobert, das "Pubertier" überzeugt auch die Produzenten. Am Donnerstag startet der Kinofilm, am 7. September eine Serie im ZDF.

AZ: Herr Weiler, es gibt so eine Neigung bei Ihnen, die Themen im nahen Umfeld zu suchen.
JAN WEILER: Das scheint nur so, weil es sich beim „"Pubertier" ja um dasselbe Personal handelt wie bei "Maria, ihm schmeckt’s nicht". Nachdem das Buch so ein Erfolg wurde, habe ich damals beim Stern das Angebot einer Kolumne bekommen. Die wollten, dass ich die Familiengeschichte einfach weiter erzähle. Das war also gar nicht unbedingt meine Neigung, sondern die des Auftraggebers. Antonios Rolle wurde immer kleiner, weil ja die Geschichte irgendwann auserzählt war – und währenddessen wurden die Kinder immer älter. Eines Tages gab es dann den Begriff Pubertier. Und dann hat sich das Ganze verselbstständigt.

Aber Sie können die fiktive Familie mit den beiden Kindern ja nicht komplett von Ihrem eigenen Leben als Familienvater trennen.
Ich würde schon sagen, dass zwar persönliche Erlebnisse einfließen, die Gestalten aber viel mehr Fiktion sind. Das eigene Leben gibt nicht so wahnsinnig viel her. Meine Kinder tragen insofern dazu bei, dass sie mir was erzählen, ich durch sie ein neues Wort entdecke. Gestern hat mir mein Sohn beispielsweise erklärt, wie die Ranglistensystematik bei "Mindcraft" funktioniert. Vielleicht kann ich das mal irgendwann verwenden, vielleicht auch gar nicht. Was ich aber grundsätzlich nie tue, ist, eins zu eins von meinen Kindern zu erzählen. Erstens haben sie ein Persönlichkeitsrecht, und zweitens kann man das meiste aus ihrem Leben nicht verallgemeinern. Da gibt es Grenzen, die muss man unbedingt einhalten.

Ihre Kinder lesen die Bücher?
Mein Sohn nicht, der ist nicht so ein großer Leser. Meine Tochter schon, die mag die Bücher auch gerne, findet diese Carla-Figur aber ein bisschen spießig und betulich. Sie liest die Bücher definitiv nicht mit dem Hunger, mehr über sich selbst zu erfahren. Sie ist aber auch schon 18 Jahre alt.

Haben Ihre Kinder nicht versucht, nach den "Pubertier"-Bestsellern eine Taschengelderhöhung einzufordern?
Es gab solche Versuche. Ich habe aber gesagt, dass ich schon das Handy bezahle und ausreichend Taschengeld und außerdem Geld zurücklege, damit die Kinder vielleicht später auch studieren können, wenn sie wollen.

Das klingt so wahnsinnig vernünftig, aber das ist für Pubertiere doch nicht überzeugend.
Nein, Kinder stehen überhaupt nicht auf Vernunft und haben ihre Bedürfnisse und Wünsche. Aber wir gehen in unserer Familie damit auch nicht anders um als andere Familien.

Es gibt keinen klassischen Generationenstreit mehr zwischen Vater und Pubertier.
Was man nicht übersehen darf: Väter aus meiner Generation sind ja alle popkulturell sozialisiert. Sich davon abzugrenzen, ist wahnsinnig schwer für die Kinder. Das bekommen die ja fast nur hin, indem sie endlos zocken, bei den Salafisten in der Fußgängerzone herumhängen, Neonazi werden, oder durch totale Gleichgültigkeit. So politisch engagiert, wie meine Generation in der 80er Jahren war, sind die nicht mehr. Gegen wen sollen sie auch rebellieren? Für meine Tochter gibt es keinen Unterschied zwischen Seehofer und Gabriel, das sind einfach zwei uninteressante Anzuggestalten.

Früher gab es wenigstens noch die Musik als totales Abgrenzungsmittel.
Stimmt, auch das ist schwierig. Meine Tochter hört gerne meine alten Platten, sie hat sogar einen Vinylplattenspieler. Sie spielt dann auf ihrer Ukulele alte Smiths-Songs nach, was ich wirklich super finde. Mein Sohn hört den ganzen deutschen HipHop-Kram, da könnte man tatsächlich einhaken und sich über die Texte und das Frauenbild beschweren. Auf der anderen Seite ist es sein gutes Recht, Musik zu hören, die ich nicht gut finde. Ich habe in meiner Jugend nur Musik gehört, die mein Vater schrecklich fand.

Der Versuchsleiter in den Pubertier-Büchern beobachtet die Kinder mit extremer Genauigkeit, aber auch mit Gelassenheit.
Der ist viel gelassener als ich. Der Versuchsleiter ist deswegen eine gute Figur, weil er das Fehlverhalten der Eltern ausgleicht. Ich bin als Vater genauso überfordert und unangemessen in meinen Reaktionen wie alle anderen auch.

Werden Sie bei Lesungen nach Erziehungstipps gefragt?
Ständig, aber ich bin ja nicht Jesper Juul. Ich habe allerdings einen Vorteil gegenüber anderen Vätern: Weil ich ja ständig über die Pubertät schreiben muss, muss ich auch mehr darüber nachdenken. Und weil ich mehr darüber nachdenke, komme ich teilweise vielleicht zu ganz vernünftigen Ergebnissen. Die meisten Eltern nehmen sich im Alltag dafür nicht die Zeit oder haben diese gar nicht. Ich bin also ein reflektierter Vater, aber nur im Zuge meiner Arbeit an der Fiktion. In der Wirklichkeit sieht es anders aus: Natürlich beschweren sich meine Kinder über meine Inkonsequenz. Und das, was ich als Strafe oder pädagogisch wichtige Maßnahme erachte, empfanden meine Kinder oft als reine Rache.

Worin besteht für Sie in der Erziehung denn der Unterschied zwischen Rache und Strafe?
Man sagt ja immer, dass die Strafe direkt mit dem zu tun haben muss, was Kinder falsch gemacht haben. Wenn das Kind nicht mit will zum Geburtstag vom Opa und man nimmt ihm deswegen eine Woche das Handy weg, dann ist das Rache. Das hat überhaupt nichts mit Pädagogik zu tun. Aber davon kann man sich nie ganz freimachen. Ich vermute, es liegt daran, dass Eltern auch Menschen mit Gefühlen sind und auch mal verletzt werden. Aus dieser Verletzung heraus treffen sie vielleicht manchmal die falschen Entscheidungen.

Wie viele Erziehungsratgeber stehen denn im Hause Weiler?
Ein einziger, und zwar der, der in wirklich jedem Haushalt steht: "Jedes Kind kann schlafen lernen." Ich habe das Buch aber nicht gelesen.

Sie haben mit dem "Pubertier" einen Nerv getroffen. Warum funktionieren die Bücher Ihrer Meinung nach so gut?
Erstens über die Identifikation: Die Leute lesen gerne über Dinge, die sie kennen. Zweitens ist es lustig, jedenfalls in überwiegenden Teilen, und drittens holt das Buch drei Generationen ab. Kinder lesen es genauso gerne wie auch die Großeltern. Das klingt jetzt so nüchtern, als sei das Projekt am Reißbrett entstanden, aber das ist es natürlich nicht.

Wie kam es eigentlich dazu, dass gleichzeitig ein Kinofilm und eine TV-Serie aus dem "Pubertier" entstanden?
Ich wollte ursprünglich eine Serie entwickeln, weil ich dachte, man könnte die Kolumnen, kleine abgeschlossene Geschichten, besser als Serie verarbeiten. Dann kam Günter Rohrbach, lud mich zum Essen ein, was für mich natürlich eine große Ehre war, und schlug einen Kinofilm vor. Die Constantin wollte also einen Kinofilm aus dem "Pubertier" machen, die UFA Fiction eine ZDF-Serie. So haben wir es dann auch verhandelt. Und jetzt gibt es halt zwei extrem unterschiedliche "Pubertiere".

Sie haben aber nicht bei beiden Projekten mitgemacht?
Nein, ich habe einen winzigen Auftritt in der vierten Folge der TV-Serie, mit der ich aber sonst nichts zu tun hatte. Beim Kinofilm habe ich aber mitgeschrieben. Den großen Bogen der Geschichte hat Regisseur Leander Haußmann entworfen, die Feinarbeit in den Dialogen stammt dann eher von mir.

Durften Sie bei der Besetzung mit entscheiden ?
Wir haben beim Schreiben sofort an Jan Josef Liefers gedacht. Das ist ja im Prinzip dieselbe Figur wie die, die in "Maria, ihm schmeckt’s nicht" von Christian Ulmen gespielt wurde – nur viele Jahre älter. Und für die Rolle der Carla wurde irrsinnig viel gecastet. Harriet hat sich aber dann innerhalb weniger Minuten in die Herzen aller gespielt. 

 

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