Ludwig-Serie Prinz Ludwig von Bayern: Er wäre der nächste Kini

Prinz Ludwig von Bayern (hier vor der Münchner Residenz) ist froh, nicht so populär wie der englische Prinz William zu sein, hält die Tradition hoch und vertritt ganz liberale Ansichten. Foto: Sigi Müller

Prinz Ludwig von Bayern ist der Ur-Ur-Enkel des letzten bayerischen Königs, Ludwig III. Er wird eines Tages (siehe Infokasten) Chef des Hauses Wittelsbach.

AZ: Wenn Bayern noch Königreich wäre, säßen Sie einmal als Ludwig IV auf dem Thron. Ist Ihre Rolle ein bisschen mit der von Prinz William in England zu vergleichen?
PRINZ LUDWIG VON BAYERN: Wenn Bayern noch eine Monarchie wäre, hätten meine Eltern vermutlich gar nicht die Gelegenheit gehabt sich kennen zu lernen und vielleicht würde ich gar nicht existieren. Mal abgesehen davon, dass noch einige vor mir in der hypothetischen bayerischen Thronfolge stehen. Wir Wittelsbacher sind im Gegensatz zum britischen Königshaus in der angenehmen Position, selbst bestimmen zu können wie viel wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ich beneide Prinz William keineswegs darum, dass um seine Person so ein Kult gemacht wird.

Den gibt es um Ihren Vorfahren Ludwig II, den Märchenkönig. Belastet Sie der Name?
Belasten möchte ich es nicht nennen, aber es stimmt, dass mein Name oft mit Ludwig II in Verbindung gebracht wird.

Wurde Ludwig II ermordet, hat er sich umgebracht, oder war's ein Unfall? Können Sie das Rätsel lösen?
Leider nein. Es gibt viele Theorien, einige sehr plausibel andere eher abstrus. Es wäre aber falsch, wenn sich Mitglieder meiner Familie an Spekulationen beteiligen. Wir wissen nicht mehr als die Historiker – Wissen steckt in den Köpfen, nicht in den Genen.

Warum die Geheimnistuerei um seinen Tod? Wenn Ihre Familie den Sarg öffnen lassen würde, könnte man die Todesursache feststellen.
Die Würde eines Menschen endet nicht vollends mit dem Tod, sondern erstreckt sich auch auf seine sterblichen Überreste. Gerade Ludwig II legte immer besonderen Wert darauf mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Eine Sarg-Öffnung wäre ein massiver Eingriff in seine Totenruhe.

Aber eine Obduktion gäbe Aufschluss über viele Fragen.
Es gab damals eine Leichenobduktion bei der mehr als zehn Ärzten sowie mehrere Beamte anwesend waren und die Obduktionsberichte sind vollumfänglich erhalten. Damals wurde die Leiche seziert und jedes Detail niedergeschrieben. An der Glaubwürdigkeit dieser Dokumente besteht angesichts der hohen Zahl an Augenzeugen kein ernsthafter Zweifel.

Wo sind die Berichte?
Da kann man meiner Familie wirklich keine Geheimnistuerei vorwerfen. Bereits zum 100. Todestag Ludwig II 1986 gab es eine umfangreiche Untersuchung von einem ehemaligen Staatsanwalt, Richter und Experten für Kriminalistik. Dafür stellte unser damaliger Familienchef, Herzog Albrecht, auch das geheime Hausarchiv uneingeschränkt zur Verfügung. Diese Untersuchung stellte im Ergebnis fest, dass ein Selbstmord am wahrscheinlichsten war. Trotzdem soll jedem freistehen, sich selbst eine Meinung zu diesem Rätsel zu bilden.

Welche Dynastie hat einen solchen Popstar zu bieten, der 125 Jahre nach seinem Tod gefeiert und fast heiliggesprochen wird. Wie gehen die Wittelsbacher damit um?
Mit Vorsicht. Einerseits freuen wir uns natürlich über die große Zuneigung, die Ludwig II schon damals von seinem Volk entgegengebracht wurde, und die auch heute noch fortbesteht. Andererseits droht Ludwig II tatsächlich zu einem Gegenstand der Popkultur zu werden, was auch Gefahren mit sich bringt. Viele der Darstellungen von Ludwig II in Film, Fernsehen, Theater und neuerdings sogar als Radio-Satirefigur haben mit der historischen Person naturgemäß sehr wenig zu tun.

Wie erklären Sie sich diesen Mythos um Ludwig II?
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen.” So hat er selbst schon zu Lebzeiten diese Frage beantwortet. Sein zurückgezogenes Leben, seine gebauten Traumwelten, seine uneingeschränkte Hingabe an die Förderung von Kunst. Ludwig II hat den Grundstein für den Mythos um seine Person selbst gelegt.

Sehnen sich die Menschen heute wieder nach Helden?
Nach Helden haben sich die Menschen wohl immer gesehnt. Nur ist leider der Held des einen oft der Horror des anderen.

Mit dem Hype um Karl-Theodor zu Guttenberg gibt es offensichtlich wieder Sehnsucht nach einer Royal Family?
Ich finde es sehr unfair den Deutschen zu unterstellen, sie hätten Karl-Theodor zu Guttenberg hauptsächlich wegen seines Adelstitels vertraut und es gäbe so etwas wie einen Adels-Hype. Ich glaube, es waren ganz andere Attribute, die so viele Menschen fasziniert haben.

Welche Rolle spielt der Adel heute?
Der Adel ist in Deutschland abgeschafft und spielt keine Rolle mehr. Ein „von” oder „zu” vor einem Nachnamen macht keinen Menschen besser oder schlechter. Auch das Sprichwort „Adel verpflichtet” halte ich für irreführend. Es ist nicht Adel, der verpflichtet, sondern Geschichte. Wenn jemandem seine Vorfahren etwas bedeuten, ist er deren Andenken und derer Tradition verpflichtet. Dies betrifft nicht nur den Adel.

Wen sonst?
Um ein Beispiel aus dem Dunstkreis Ludwig II zu wählen. Schauen Sie auf die Nachfahren Richard Wagners. Diese haben sich in vorbildhafter Weise um die Bayreuther Festspiele und somit um das Werk ihres berühmten Vorfahren verdient gemacht. Und auch der Vorsitzende eines Sportvereins ist der Tradition des Vereins verpflichtet und steht generationsübergreifend für die Werte seiner Vorgänger ein.

Welche Rolle haben die Wittelsbacher noch für Bayern?
Es fällt mir schwer, eine gute Antwort auf diese Frage zu geben, man soll sich ja schließlich nicht selbst bewerten. Unser Familienoberhaupt Herzog Franz vertritt die Philosophie, dass es die Pflicht jedes verantwortungsbewussten Staatsbürgers ist, sich voll und ganz für sein Land einzusetzen. Auf diese Weise hat er durch persönliches Engagement, gerade im kulturellen Bereich, vielen Projekten zum Durchbruch verholfen.

Was ist Wertkonservatismus für Sie heute?

Es ist gut, wenn Menschen Werte haben und ihr Leben daran ausrichten. Schlecht ist Wertkonservatismus aber dann, wenn man die Standards die man sich selber aufsetzt, auch anderen Menschen bedingungslos aufzwingt. Es muss immer genug Platz für Toleranz bleiben.

Ludwig II war homosexuell und schüchtern, weil er es nicht ausleben konnte. Ist das für Ihre Familie ein Problem?
Grundsätzlich ist Homosexualität für mich in keiner Weise ein Problem. Es handelt sich dabei um eine ganz natürliche Sache, die es schon immer gegeben hat. Nur wie die Gesellschaft damit umgeht, das hat sich im Lauf der Geschichte immer wieder geändert. Ich bin froh, dass die Gesellschaft in Deutschland in dieser Hinsicht immer toleranter wird.

Würden Sie gerne auf einem der Ludwigschlösser selber wohnen?
Diese Schlösser sind Stein gewordene Träume. Dort zu wohnen, würde heißen, in eine Traumwelt einzutauchen. Es wäre furchtbar unpraktisch, dort zu leben.

Welches ist Ihr Favorit?
Ich muss fast sagen Linderhof. Es ist doch faszinierend, dass die Grotte dort schon elektrisch beleuchtet war, bevor Edison die Glühbirne erfand. Schade ist, dass sein persönlicher Wintergarten auf dem Dach der Münchner Residenz nicht mehr erhalten ist. Wenn man heute vom Hofgarten aufblickt, ist fast nicht vorstellbar, dass am Dach ein 70 Meter langes, 10 Meter hohes Glasgewölbe stand, in welchem ein tropischer Wald, ein künstlicher See und sogar ein durch Pumpen betriebener Wasserfall waren.

Gibt es etwas, was Sie mit Ludwig II verbindet?
Er war für mich immer eine sehr wichtige Figur. Ich trage den selben Namen, also bin ich quasi mit ihm groß geworden.

Warum nennen Sie sich eigentlich nur Ludwig Bayern?
In meinem Personalausweis steht als Nachname „Prinz von Bayern”. Ich versuche da zu differenzieren: Wenn ich in der Rolle eines Vertreters des ehemaligen Königshauses auftrete, dann komme ich nicht darum herum, den Titel „Prinz” zu führen.

Muss man Sie dann mit „Königliche Hoheit” anreden?
Viele gebrauchen diese Anrede noch, auch wenn ich nie darauf bestehen würde. Diese Ehrenbezeichnungen beziehe ich nie auf meine eigene Person, sondern verstehe sie als Respektbekundung vor der Geschichte meiner Vorfahren.

Und in Ihrem Privatleben?
Das versuche ich so stark wie möglich von meinen familiären Verpflichtungen zu trennen. Wenn ich im alltäglichen Leben meinen Namen angeben muss, sage ich nur „Herr Bayern” und hoffe, dass niemand weiter nachfragt. Der Name „Bayern” allein ist schon kompliziert genug: Während meines Studiums in Niedersachsen hieß mein WG-Mitbewohner mit Nachnamen „Meister”. Auf unserem Briefkasten stand also „Bayern - Meister". Da kann man sich vorstellen, dass dort nicht jeder Brief heil ankam.

 

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