Lokales Nichtraucher-Streit: Nürnbergs Wirte lassen Dampf ab

Friedrich Wiebel, Vorsitzender des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, präsentiert das neue Plakat, das fürs Rauchverbot in Festzelten wirbt. Foto: Ronald Zimmermann

Noch zwei Wochen sind es bis zum Volksentscheid. Jetzt beginnt der heiße Kampf um die Kippen.

 

NÜRNBERG „Kinder würden rauchfreie Festzelte wählen!“ Mit diesem Slogan starten die Rauchgegner in die heiße Phase der Auseinandersetzung. Am 4. Juli können die Bayern entscheiden, ob sie ein striktes Rauchverbot in allen Gaststätten und eben auch Festzelten wollen. Oder ob es bei der derzeitigen Qualm-Regelung mit vielen Ausnahmen bleibt. Nürnbergs Wirte lassen ihren Dampf über die Forderung ab. „Es ist unrealistisch, ein totales Rauchverbot in Festzelten durchzusetzen“, so Festwirt Hermann Murr.

„Kinder leiden viel stärker unter Zigarettenqualm als Erwachsene“, so Friedrich Wiebel, der Vorsitzende des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit bei der Vorstellung des Nichtraucher-Plakats in München. Rund 20 000 Festzelte werden pro Jahr im Freistaat aufgestellt. „Sie sind Schwerpunkt des öffentlichen Lebens“, sagt Wiebel. „Kinder atmen schneller. Darum nehmen sie mehr Schadstoffe auf.“ Die Rauchgegner haben in Zelten eine Feinpartikelmenge gemessen, die fast 18 Mal so hoch war wie der Grenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.

Das größere Problem sei allerdings, dass Kindern und Jugendlichen in Festzelten falsche Verhaltensweisen vorgelebt würden, sagt Wiebel. „Sie lernen in den Festzelten, dass das Rauchen dazu gehört zum Leberkäs und zum Bier.“

Und das Rauchen gehört zum Bierzelt. Sagt wenigstens Hermann Murr, der auf dem Volksfest das Rock- und das Oxen-Zelt betreibt und der selbst Nichtraucher ist. „Das Bier müsste um mindestens 50 Cent teurer werden, weil ich dreimal so viele Sicherheitsmitarbeiter bräuchte, um das Verbot wirksam kontrollieren zu können!“ Die Besucher zum Rauchen vor das Zelt zu schicken, sei nicht möglich. „Die dürfen aus Sicherheitsgründen ihre Krüge nicht mit nach außen nehmen“, sagt er. Und Flächen für eine extra Raucherzone am Zelt gebe es auf dem Volksfestplatz nicht.

Auch Fritz Stahlmann („Hax’n Liebermann“) ist gegen das Rauchverbot in Festzelten. „Das Zelt ist ja nicht dicht. Da zieht der Rauch schnell ab.“ Trotzdem kann er Familien verstehen, die gerne rauchfrei im Festzelt speisen möchten. „Ich appelliere hier an die Toleranz der Raucher. Zu den Essenszeiten am Mittag und am Abend sollten sie verzichten. Dann fühlen sich auch die Kinder im Festzelt wohl!“ Ein komplett rauchfreies Zelt könne er sich jedoch nicht leisten. „Raucher sind Genussmenschen. Die konsumieren mehr als Nichtraucher!“ Michael Reiner

 

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