Lokales „Ihr kriegt mich nicht klein!“

Wut, Trauer, Zukunftsangst haben viele Gesichter, entladen sich mitunter im Zerfetzen des Quelle-Katalogs. Foto: dpa

Quelle-Niedergang: Die betroffenen Ex-Mitarbeiter spielen sich im Fürther Stadttheater die Trauer von der Seele

 

FÜRTH Es ist ein einmaliger Abend voller Trauer und Wut – aber auch Hoffnung: Umringt von Hunderten Katalogen schildern acht frühere Beschäftigte im Fürther Stadttheater im Stück „Die Menschen von Primondo und Quelle“ ihre Erinnerungen an die Arbeit, den plötzlichen Verlust ihres Jobs und ihre Zukunftsängste. „Wir wollten den tausenden Mitarbeitern ein Gesicht geben“, erklärt Theaterpädagoge Johannes Beissel die Idee hinter dem Projekt. Quelle und die Schicksale rühren: Das Schauspielhaus war am Montagabend voll besetzt.

Laut schallt das Lied „What a Beautiful Day“, ein Video aus besseren Tagen flimmert über eine Projektionsfläche auf der Bühne des Fürther Stadttheaters: „Die Quelle ist eigentlich wie eine Familie“, sagt eine Frau in die Kamera und ein Mann erklärt zuversichtlich: „Die Frau Schickedanz wird sich um uns kümmern“. Doch der kurze Einspieler endet für die Mitarbeiter katastrophal. „Die Quelle“ wird abgewickelt. Zurück bleiben leere Regale im Nürnberger Kaufhaus – und tausende Arbeitslose.

Mit Gedichten, Musikstücken oder auch als Märchen präsentieren die früheren Beschäftigten ihre Gefühle. Unterstützt werden die Laiendarsteller dabei von professionellen Künstlern aus der Region. Immer wieder hallt begeisterter Applaus durch den prunkvollen Theatersaal. Etwa für das Lied „Ich bin...“, in dem drei frühere Quelle-Mitarbeiter beschwören, sich nicht unterkriegen zu lassen: „Ihr werdet mich nicht klein kriegen. Denn: Wir sind noch nicht tot!“ tönt es immer wieder.

Quelle-Erbin Schickedanz wurde ausgelacht

Lautes Gelächter bricht aus, als ein Foto von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz auf der Leinwand erscheint. Daneben zu lesen: „Ich muss beim Discounter kaufen.“

Auch Kritik an den Fortbildungsmaßnahmen der Arbeitsagentur wird laut: „Alles, was ich bei euch lerne, ist Briefe einkuvertieren!“, ruft Sibylle Mantau, die früher in der Markenkommunikation tätig war. Und eine Ex-Mitarbeiterin der Werbeabteilung berichtet ironisch über die „Dauerbaustelle Quelle“.

„Die einzelnen Versatzstücke, aus denen die Aufführung besteht, sind extrem unterschiedlich“, erklärt Beissel. Genauso wie der Inhalt: „Von beißender Ironie über Spott bis hin zu grenzenloser Trauer.“ Das Projekt soll den gekündigten Mitarbeitern helfen, das Erlebte aufzuarbeiten. „Die Botschaft, die am Ende steht, soll aber sein, dass es eine Zukunft gibt.“ Nach der Vorstellung applaudieren die Zuschauer begeistert, viele erheben sich von den Stühlen. „Das Stück hat den Nagel auf den Kopf getroffen“, sagt Zuschauerin Ilka Schmidt. „Das haben wir alles durchlebt.“ Auch Fürths OB Thomas Jung (SPD) wendet sich zum Schluss ans Publikum: „Wir wurden Zeugen eines unglaublichen Theaterabends. Er war ergreifend und gelungen.“

 

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