Lokales Hat Fürths ARGE-Chefin Kunden als „asoziales Pack“ beschimpft?

Menschen helfen, die in Not geraten sind, ist eine Aufgabe der ARGE: Die Fürther Behörde scheint dem nicht immer nachzukommen. Foto: dpa

Gängeln, hinhalten, verzögern: Viele Fürther Arbeitslose fühlen sich „wie Dreck“ behandelt. Stadträte empören sich über „menschenverachtende“ Aussagen

 

FÜRTH Ein „Bermuda-Dreieck“ sei die Fürther ARGE, witzelte ein Angestellter gegenüber Kundin Beatrice T. (Name geändert). Immer wieder verschwanden Schriftstücke, die die angehende Selbstständige eingereicht hatte. Der Papierkrieg um Fördergelder für ihr Geschäft zog sich über Monate, am Schluss wurde ihr ein Negativ-Bescheid erteilt. Und das, obwohl Frau T. von der ARGE Nürnberg – dort wohnte sie zuvor – längst grünes Licht bekommen hatte!

Doch die ARGE Fürth scheint nicht nur ein „Bermuda-Dreieck“ zu sein. Ganz offensichtlich handelt es sich bei der Behörde um ein regelrechtes Skandal-Amt. Denn nachdem die AZ über den Fall von Frau T. berichtet hatte, folgte eine Lawine an Zuschriften und Anrufen: Dutzende Fürther ARGE-Kunden fühlen sich gegängelt, hingehalten, betrogen – und häufig „wie Dreck“ behandelt. Immer im Zentrum der Kritik: ARGE-Chefin Michaela Vogelreuther, die die Behörde „nach Gutsherrenart“ leite, so ein Leser.

Der heftigste Vorwurf: Als „asoziales Gesindel“ und „arbeitsscheues Pack“ seien Menschen in Not beschimpft worden. Ähnliche Aussagen sollen auch vor etwa zwei Jahren im Fürther Stadtrat gefallen sein, als Frau Vogelreuther zu Gast im Sozialausschuss war! „Ich kann die fürchterlichen Worte der ARGE-Chefin gar nicht mehr im Detail wiedergeben“, erinnert sich Dagmar Orwen, Stadträtin der Grünen: „Ich saß da wie gelähmt, es war menschenverachtend.“ Ihrer CSU-Kollegin Birgit Bayer-Tersch stößt der Umgangston Vogelreuthers „schon seit Langem“ unangenehm auf. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende erinnert sich an „diverse Sitzungen, in denen „Worte gefallen sind, die mir gar nicht gefielen.“

Jetzt will die Stadt Fürth „Konsequenzen ziehen“

Das Problem: Der Stadtrat musste Vogelreuthers Einsatz „mangels Alternativen“ absegnen, sagt Orwen. Zuletzt nur auf ein Jahr allerdings, „wegen großer Vorbehalte“. Entfernt werden könne Vogelreuther nicht ohne Weiteres: „Im Öffentlichen Dienst würde das eine Riesenabfindung kosten.“ Bayer-Tersch bedauert, dass der Stadtrat „nur beratend“ auf die ARGE einwirken und nachhaken kann, nicht aber „die Linie vorgeben“.

Die Linie, betont Elsa Koller-Knedlik, Geschäftsführerin der Fürth übergeordneten Arbeitsagentur Nürnberg und damit auch Vogelreuthers Vorgesetzte, „geben Bundesgesetze vor“. Wenn, wie im Fall von Beatrice T., eine ARGE anders entscheide als die andere, müsse eine Rechtsaufsichtsprüfung her. Statt Vogelreuther will nun sie persönlich dem Fall nachgehen. Gut möglich, dass sie zu einem anderen Schluss kommt als die Kollegin: T.s früherer Nürnberger Existenzgründungsberater Stefan Frisch lobt gegenüber der AZ „Qualität und Elan“ der Frau und ihrer Geschäftsidee.

Bezüglich des Gebarens der Fürther ARGE-Leitung will die Stadt jetzt handeln: „Wir werden jeden Vorwurf prüfen und Konsequenzen ziehen“, kündigt der zweite Bürgermeister Markus Braun (SPD) an.

Steffen Windschall

 

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