Lokales AEG- & Quelle-Schock: So will Bayern die Region aufpäppeln

Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) und Sozialreferent Reiner Prölß (SPD) glauben an den Erfolg. Foto: News5

Der Freistaat pumpt 115 Millionen Euro in die Wirtschaft und Forschungs-Einrichtungen. Und zehn Millionen für Langzeitarbeitslose und ihre Kinder

 

NÜRNBERG Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschärfte sich nach den Pleiten von Quelle und AEG dramatisch! Doch der Freistaat schnürte im Herbst ein Strukturprogramm, mit dem der geschwächten Region unter die Arme gegriffen werden soll. 115 Millionen Euro stehen für insgesamt zehn Projekte zur Verfügung. Am Mittwoch stellten die Verantwortlichen im Nürnberger Rathaus ein weiteres Projekt vor. „Tandem“ soll Langzeitarbeitslose und ihre Familien ins gesellschaftliche Leben zurückholen.

Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit „verfestige sich immer mehr in der Region“, stellte Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) mit Bedauern fest. Besonders problematisch: Die Perspektivlosigkeit der Eltern vererbt sich vermehrt auf die Kinder! Das bestätigte Fürths OB Thomas Jung (SPD): Viele Kinder gäben bereits „Hartzen“ als Berufswunsch an.

Der Modellversuch „Tandem“ in Nürnberg und Fürth soll diesen Teufelskreis durchbrechen. Erstmalig vernetzen sich die zuständigen Einrichtungen (Sozialdienste, ARGE und Jugendämter), um gemeinsam passgenaue Lösungen für einzelne Familien zu finden. Die Eltern bekommen einen Arbeitsplatz – zunächst auf Ein-Euro-Basis – und gleichzeitig Hilfe bei der Betreuung der Kinder und im Haushalt.

DGB: Die Finanzspritze ist zu klein

Dieser übergreifende Ansatz ist so wichtig, weil Langzeitarbeitslosigkeit mit einem Job allein nicht zu lösen ist, weiß Reiner Prölß (SPD), Referent für Familie und Soziales in Nürnberg. „Einige Betroffene bekommen ihren Alltag nicht mehr geregelt. Die Kinder sind oft die einzigen, die zu einer festen Uhrzeit aufstehen“, und dann weitgehend sich selbst überlassen blieben. Prölß: „Deshalb ist es auch so wichtig, die Kinder möglichst frühzeitig aufzufangen.“

Der Freistaat unterstützt das Projekt mit weiteren zehn Millionen Euro. In Nürnberg und Fürth traten seit 1.Juli 37Langzeitarbeitslose eine Arbeit an. Insgesamt können sich in der dreijährigen Modellphase 600 Familien in Nürnberg und 150 in Fürth anmelden. Die Teilnahme ist freiwillig.

Stephan Doll, DGB-Vorsitzender von Mittelfranken, sprach von einem „Leuchtturm für Langzeitarbeitslose“, der nun entstanden sei. Er hält die Finanzspritze vom Freistaat allerdings für zu gering. 50 Millionen hatte der DGB gefordert – so viel, wie in neue Technologieprojekte wie den EnergieCampus fließt. Arbeitsministerin Haderthauer ist aber überzeugt: „Bewährt sich das Projekt, könnte es bundesweit Impulse setzen.“ M. Pfefferer

 

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