Löwen-Legende im AZ-Interview Benny Lauth: "...sonst habe ich bei Sechzig wenig Hoffnung"

Macht sich Sorgen um die Löwen: Ex-Stürmer Benny Lauth. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Löwen-Legende Benny Lauth spricht in der AZ über den Zeitvertreib während der Corona-Krise, den Streit der Gesellschafter und seine Zukunft im Verein: "Da hat 1860 gerade andere Baustellen."

 

AZ-Interview mit Bennjamin Lauth Der 38-Jährige bestritt in seiner Karriere 249 Pflichtspiele für die Löwen und erzielte dabei 85 Tore.

AZ: Herr Lauth, wie wir hören, verfügen Sie über streng geheime Informationen eines Wechsels von Liverpools Superstar Mohamed Salah zu den Löwen. Ist die Tinte schon trocken?
BENNY LAUTH: Das müssen Sie Robby Hunke (DAZN-Kommentator, d. Red.) fragen, er hat da gute Infos. Er hat in der fußballfreien Zeit zufällig oder aus Langeweile in seiner Wohnung in Köln das Fenster aufgemacht und kommentiert, was auf der Straße vor sich geht. Nachdem die ersten Folgen gut angekommen sind, hat er mich gefragt, ob ich ihn unterstützen könnte…

…und plötzlich lief vermeintlich Mo Salah durch München.
Da hat 1860 ganz weit oben ins Regal gegriffen, oder? (lacht) Das war schon eine witzige Aktion, um die Leute ein bisschen abzulenken. In so einen Beitrag kann man ja auch ein paar sinnvolle Hinweise verpacken, damit man vorsichtig ist und den nötigen Abstand hält.

Womit wir bei der Corona-Krise wären: Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus, wenn Sie nicht gerade neue Sensations-Transfers der Löwen aufdecken?
Was den Fußball anbelangt, hänge ich auch in der Luft: als Kommentator bei DAZN und auch mit einigen anderen Projekten. Es findet vermutlich kaum einer gut, dass derzeit keine Sportveranstaltungen stattfinden. Der Vorteil ist: Ich kann mehr Zeit mit meiner Frau verbringen und unseren beiden Kindern. Die muss man auch beschäftigen, damit ihnen nicht langweilig wird: Der Große bekommt Hausaufgaben von der Schule, da müssen sich auch die Eltern hinsetzen. Meistens übernimmt das meine Frau, aber ich bin auch ab und zu dran.

Ob Geisterspiele trotz Corona möglich sind, bezweifelt Lauth an

Wie erklärt man denn seinen Kindern, was momentan in der Welt los ist?
So etwas hat noch keiner von uns je erlebt. Aber man darf sich nicht verrückt machen. Wir müssen alle die Regeln einhalten, jeder Einzelne und die ganze Gesellschaft. Mit meinen Kleinen kann ich Gott sei Dank raus in den Garten oder auch mal spazieren gehen. Ich hoffe trotzdem, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Auch dem Fußball wäre es zu wünschen, die laufende Saison ließe sich schnellstmöglich fortsetzen.
Ich finde, Jürgen Klopp (Startrainer des FC Liverpool, d. Red.) hat dazu gute Aussagen getätigt: Der Fußball ist, wenn es um unsere Gesundheit geht, vergleichsweise völlig unwichtig. Das sehe ich auch so, wobei der Sport ideal wäre, um die Leute auf andere Gedanken zu bringen. Am Anfang hat jeder gesagt, Geisterspiele gehen gar nicht. Mittlerweile wären viele Leute froh, wenn zumindest diese stattfinden können. Ich hoffe auch im Sinne der ganzen Vereine, dass es bald weitergeht, wobei man sich die Frage stellen muss: Wie soll das gehen?

Sie meinen in wirtschaftlicher Hinsicht, wenn die Zuschauereinnahmen fehlen?
Ich meine, dass man erst einmal die Fußballprofis schützen muss. Man kann nicht einfach sagen: Die sind jung und fit, die lassen wir jetzt aufeinander los. Man muss auch bei den Mannschaften und Trainerstäben gewährleisten, dass die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich ist.

Finanzielle Probleme der Löwen: "Natürlich muss man sich Sorgen machen"

Bevor der Spielbetrieb eingestellt werden musste, blieb 1860 unter Trainer Michael Köllner 14 Spiele in Folge unbesiegt.
Sportlich steht Sechzig so gut da wie schon lange nicht mehr. Die Mannschaft war richtig gut in Fahrt, hat sich oben rangekämpft. Deshalb wäre auch den Spielern eine baldige Fortsetzung der Saison zu wünschen, denn sie haben sich eine tolle Ausgangsposition für den Aufstiegskampf verschafft. Aber ich halte es da mit Freiburgs Trainer Christian Streich: Es nutzt nichts, sich den Mund zu zerreißen, wann und wie es weitergeht. Ingolstadts Sportdirektor Michael Henke meinte, die Hinrundentabelle muss zählen – weil der FCI dann aufsteigen würde. Ein Team, das knapp über dem Strich steht, fordert den Abbruch. Ich denke, die Verantwortlichen der Verbände werden es schon wissen. Die Spieler haben momentan alle dasselbe Problem und können nur schauen, sich fit zu halten.

Sie gelten bei den Löwen als Vereinslegende. Wie groß ist die Angst, dass es den alten Herzensverein zerreißen könnte, sollte sich die Pandemie nicht schnell eindämmen lassen?
1860 ist ja schon lange finanziell angeschlagen, natürlich muss man sich da Sorgen machen. Aber man hat mit Hasan Ismaik auch einen Investor, eine große Fanbasis und sicher auch das ein oder andere Unternehmen, um Sechzig am Leben zu halten. Die Löwen werden nicht von der Bildfläche verschwinden.

Apropos: Inwieweit gilt das für Sie selbst bei 1860? Im Jahr 2017 hätten Sie unter Ex-Geschäftsführer Ian Ayre im Management herangeführt werden sollen.
Da hat 1860 gerade ganz andere Baustellen: die Coronakrise, im Kader laufen über zehn Verträge aus. Wenn sich mal was ergibt, sehr gerne – wenn es für beide Seiten passt. Ganz grundsätzlich interessiert mich eher die Management-Schiene als eine Trainerlaufbahn, aber sowas kann sich auch schnell wieder ändern. Man muss immer die Augen offenhalten, was sich ergibt.

Wohl die größte Baustelle: Geldgeber Ismaik und die Vereinsbosse liefern sich einen Dauer-Gesellschafterstreit.
Sie haben doch diesen Slogan "vereinen statt spalten" ins Leben gerufen. Daran müssten sich mal alle halten. Jetzt müssen alle zusammenhelfen. Sonst habe ich wenig Hoffnung, dass irgendwann eine Besserung eintritt.

Lesen Sie hier: Etliche Drittligisten beantragen Kurzarbeit - was macht Sechzig?

 

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