Löwen im Krisen-Modus Der TSV 1860 stemmt sich gegen die finanzielle Schieflage

Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold (l.) und Präsident Robert Reisinger. Foto: imago images / Lackovic

Die Spielpause wegen des Coronavirus trifft die Drittligisten TSV 1860 und SpVgg Unterhaching hart. Welche Maßnahmen die Löwen fordern – und warum Schwabl nicht über Zahlen sprechen möchte.

 

München - Hand auf die Löwen-Brust, Arme um den Hals von Timo Gebhart: Sechzigs Internetseite zierte am Dienstag noch immer ein Foto des halben Rudels um Spielmacher Efkan Bekiroglu und Tim Rieder, die Torschütze Gebhart herzen. "Nicht zu stoppen", steht unter dem Paradebeispiel eines Jubelbildes vom 3:0-Sieg beim FC Carl Zeiss Jena.

Elf Tage ist es her, da untermauerte der TSV 1860 in Jena seine Ambitionen, die sensationelle Aufholjagd von 14 pleitenlosen Partien in Folge womöglich sogar mit dem Aufstieg zu krönen. Und wurde dann doch jäh nicht von einem Drittliga-Gegner, sondern vom Coronavirus gestoppt.

Und jetzt? Trainingsplatz, Geschäftsstelle, Fanshop, selbst das Löwen-Stüberl – alles zu! Der Trainingsbetrieb der Profis ist bis auf Weiteres eingestellt. Die weltweite Pandemie zwang die Dritte Liga am Montagabend nach einer Video-Krisenkonferenz, die Saison-Auszeit bis 30. April 2020 zu verlängern.

Corona-Krise: Drittligisten klammern sich an letzten Strohhalm

"Ziel der Drittligisten bleibt es, die Saison unter Ausnutzung aller terminlicher Möglichkeiten fortzusetzen und sportlich zu Ende zu spielen – sofern dies aus gesundheitlicher und behördlicher Sicht vertretbar ist", war einer Pressemitteilung zu entnehmen. Die Löwen und Co. klammern sich, nachdem zuvor nur die Spieltage 28 und 29 abgesagt worden waren, an den letzten Strohhalm.

Nach der Verlegung der Europameisterschaft auf Sommer 2021 ist zumindest die Möglichkeit gegeben, die Drittliga-Spielzeit über das reguläre Saisonende Mitte Mai hinaus zu verlängern. Die Geschäftsführung des TSV 1860, die sich aus sportlichen wie wirtschaftlichen Gründen für eine EM-Verschiebung und Saison-Fortsetzung stark gemacht hatte, reagierte mit einem eindringlichen Appell.

"Wir erleben momentan eine besondere, herausfordernde Aufgabe, in der es nötig ist, sämtliche Schritte einzuleiten, um die Pandemie schnellstmöglich einzugrenzen", erklärte KGaA-Boss Michael Scharold zunächst über die Corona-Krise: "Wir rufen daher die gesamte Löwen-Familie auf, sich möglichst wenig im öffentlichen Raum aufzuhalten." Zudem arbeite man laut Scharold "parallel mit hoher Intensität an Maßnahmen, damit die wirtschaftlichen Schäden für den TSV 1860 keinen existenzbedrohenden Umfang annehmen."

TSV 1860: Müssen Top-Verdiener auf Geld verzichten?

Das Problem der Abschottung und des brachliegenden Spielbetriebs: "Die sich nahezu stündlich veränderte Situation bringt sicherlich viele Vereine der ersten drei Ligen in eine gefährliche Schieflage." Gerade für Klubs der Dritten Liga, die "sicherlich keine Liga der Millionäre" sei und in der "bereits das Überleben im Normalbetrieb eine Herausforderung" sei, müssten "alle möglichen Schritte und Maßnahmen" geprüft werden, "die zur wirtschaftlichen Stabilisierung beitragen können."

Schon zuletzt hatte Scharold von einer "Kompensation" seitens der Verbände gesprochen. Auch die Themen Kurzarbeit und Gehaltsverzicht der Besserverdiener unter den Profis könnten auf 1860 zukommen. Zum Vergleich: Spielmacher Quirin Moll zählt nach AZ-Informationen mit einem Monatssalär im unteren fünfstelligen Bereich zu den Spitzenverdienern, die restlichen Sechzger bewegen sich etwas darunter - bis zu einem mittleren vierstelligen Betrag.

Scharold, der auch staatliche Hilfestellungen fordert, weiter: "In den nächsten Wochen wird es dabei auf die Unterstützung und das Verständnis aller ankommen. Nur wenn Behörden, Verbände und Vereine vertrauensvoll zusammen an Lösungen arbeiten, wird die 3. Liga diese Krise überstehen."

Haching-Präsident Schwabl will nicht lamentieren

Manfred Schwabl, Präsident von Drittliga-Konkurrent SpVgg Unterhaching, wollte zunächst nicht über Zahlen sprechen. "Ich will über wirtschaftliche Themen gar nicht reden, denn das ist Lamentieren auf höchstem Niveau", sagte er. "An absoluter Nummer eins sollte jetzt stehen, wie sich das Thema in den Griff bekommen lässt. Es ist völlig fehl am Platz, über wirtschaftliche Einbrüche zu sprechen."

Schwabl über den Schutz der Risikogruppen: "Ältere Leute, die jetzt gefährdet sind, haben unser Land wieder nach vorne gebracht. Wegen ihnen geht es uns allen so gut. Sie jetzt auf die Seite zu schieben, damit der Ball früher wieder rollt – das kann überhaupt nicht sein!" Wann tatsächlich wieder an Fußball zu denken ist, bleibt weiter ungewiss.

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