Löwen-Endspiel gegen Darmstadt Von Ahlens Uhr: Ticktack, ticktack

Läuft nach dem Spiel in Darmstadt die Uhr ab? Löwen-Sportchef Gerhard Poschner und Trainer Markus von Ahlen. Foto: sampics/augenklick

Schicksalsspiel für Löwen-Trainer Markus von Ahlen in Darmstadt. Es geht für den – laut Statistik – erfolglosesten 1860-Coach seit dem Abstieg um viel mehr als nur einen Sieg.

 

München - Markus von Ahlen gab sich betont locker, scherzte sogar rum, so als wollte er die Diskussion um seine Person weglächeln. „Ich übe diesen Beruf mit unglaublicher Freude und Leidenschaft aus“, sagte der Trainer am Freitag bei der Pressekonferenz der Löwen. Dabei ist das Duell am Sonntag bei Darmstadt 98 (13.30 Uhr, Sky) so etwas wie ein Schicksalsspiel für den Löwen-Coach, der nach der desolaten Vorstellung beim Rückrundenauftakt geggen Heidenheim (1:2) von Präsident Gerhard Mayrhofer angezählt wurde.
Ticktack, Ticktack. . .

Das Aufeinandertreffen könnte von Ahlens Endspiel sein: Bezieht 1860 eine Pleite, dürfte er seinen Job verlieren. Der Blick auf seine Bilanz zeigt, warum. Der 44-Jährige weist von allen zehn Löwen-Trainern seit dem Abstieg aus der Bundesliga 2004 den schlechtesten Punkteschnitt auf. 0,85 Punkte pro Spiel – eine Bilanz des Grauens. Selbst der Ende September geschasste Ricardo Moniz hat mit 0,86 Punkten im Schnitt hauchdünn die Nase vorne. Es folgen Uwe Wolf (1,09), Walter „Schoko“ Schachner (1,21) und Friedhelm Funkel (1,26), deren Ausbeuten höchstens in einem Abitur-Zeugnis ein gutes Bild abgegeben hätten.

Kein Wunder also, dass nach der 1:2-Heimpleite gegen Heidenheim und dem Absturz auf Relegationsplatz 16 die Trainerdiskussion neu entflammte. „Damit beschäftige ich mich derzeit nicht“, sagt von Ahlen, „ich habe es noch nicht erlebt, dass ein Trainer nach einem Sieg gehen muss.“ Um den Hals mit einem Dreier nochmal aus der Schlinge zu ziehen, könnte die Aufgabe allerdings leichter sein, als den seit elf Spielen ungeschlagenen Lilien eine Niederlage beizubringen – und das auch noch am Böllenfalltor, den von Ahlen als „Hexenkessel“ beschreibt.

Was auch nicht für von Ahlen spricht: das Handeln der Löwen-Verantwortlichen. Sportchef Gerhard Poschner wurde seit einigen Tagen nicht mehr an der Geschäftsstelle gesehen. Haben von Ahlen und Poschner vor dem Spiel in Darmstadt überhaupt Kontakt? Von Ahlen: „Natürlich, wie immer. Persönlich und auch am Telefon.“

Auch Mayrhofer hatte sich in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“ nicht zugunsten des Trainers geäußert. Er sagte, „dass natürlich Handlungsbedarf besteht“. Was durchaus als Anstoß interpretiert werden kann (muss), von Ahlen seinen Punkteschnitt nicht noch weiter verschlechtern zu lassen. Mayrhofer ruderte zwar noch am selben Tag zurück und relativierte seine Aussagen, Zweifel sind jedoch geblieben – und angebracht. Der Trainer wollte sich dazu gar nicht äußern: „Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen. Für mich ist immer maßgeblich, was mir jemand persönlich sagt, nicht was ich irgendwo lese. Wir haben ein vertrauensvolles und ehrliches Verhältnis.“

Maßgeblich für eine Entlassung ist die Punkteausbeute – die will von Ahlen mit verändertem Personal aufbessern: „Es können Änderungen geben.“ Sicher wird’s einen Wechsel in der Zentrale geben: Ilie Sanchez muss nach seinem Platzverweis gegen Heidenheim zuschauen. Wer ihn ersetzen soll? „Dominik Stahl wird es nicht sein, für ihn kommt ein Einsatz zu früh.“ Bleiben zwei Optionen: Neuzugang Anthony Annan könnte sein Startelfdebüt feiern, außerdem testete der Coach Innenverteidiger Kai Bülow in den Trainingseinheiten am Donnerstag auf der Sechs. Dort hatte er schon in der vergangenen Saison öfter agiert. Außerdem ist Kapitän Chris Schindler zurück im Kader: „Er wird wieder dabei sein und könnte auch in der Startelf stehen.“

Bei der Entscheidung über sein eigenes Schicksal nimmt von Ahlen sein Team in die Pflicht: „Ich erwarte von der Mannschaft und lebe das auch vor, dass wir uns zu 100 Prozent auf unsere Aufgaben konzentrieren.“ Die lautet: Siegen und überlebenswichtige Punkte sammeln. Sowohl für von Ahlen, als auch für seine Löwen auf dem Platz. Es geht um viel. Auch den Job des Trainers.   

 

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