Literatursendung im BR Fernsehen Thomas Gottschalk über "Gottschalk liest?"

Thomas Gottschalk präsentiert „Gottschalk liest?“ im Literaturhaus. Foto: Sven Hoppe

Thomas Gottschalk stellt seine neue Büchersendung „Gottschalk liest“ für das BR-Fernsehen im Literaturhaus vor

 

Es gebe nichts Schöneres als Pressekonferenzen vor Sendungen, scherzt Thomas Gottschalk. Der 68-Jährige kennt das Gefühl: Er hat schon ein paar Talk-Formate hinter sich, die spektakulär vorgestellt und nicht lang danach wieder eingestellt wurden. Nun wird er Gastgeber des neuen Literaturformats „Gottschalk liest?“, das viermal jährlich vom Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird.

Das Fragezeichen im Titel der Sendung ist erklärungsbedürftig. „Wenn ich alte Platten auflegen würde, bräuchte es das nicht. Aber eine von mir moderierte Büchersendung hat etwas Überraschendes: Was, der liest?“ sagt Gottschalk dazu bei der Vorstellung der Sendung im Münchner Literaturhaus.

„Die Gesamtverblödung drängt mich in die intellektuelle Ecke“

Ganz so überraschend ist es aber auch wieder nicht, dass Gottschalk Bücher liest. Er studierte nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium im oberfränkischen Kulmbach Geschichte und Germanistik für das Lehramt an der Münchner Uni.

2017 stellte er im vom ZDF wiederbelebten Literarischen Quartett Peter Handkes 560 Seiten starken Roman „Die Obstdiebin“ vor. Und er ist ein Fan von Marcel Reich-Ranicki, dem er in der Frankfurter Paulskirche zum 85. Geburtstag gratulierte.

Literaturpapst beim BR wolle er allerdings nicht werden, höchstens „Literaturkaplan“, so Gottschalk. Mit Reich-Ranicki verbinde ihn das Desinteresse an langweiligen Büchern. Die werden in der neuen Sendung nicht vorkommen, denn Kritik sei seine Sache weniger. Er wolle lieber verstehen, warum jemand überhaupt 1000 Seiten schreibe.

Ob er alle Bücher lesen werde, wird Gottschalk gefragt. Das ließ er offen. Aber er habe bisher im Radio und im Fernsehen alles aus dem Ärmel gemacht, nun wolle er sich mal wirklich anstrengen.

Der Literaturkaplan kämpft für das Abendland

Und weil es kein Termin mit älteren Herren ohne eine Prise Kulturpessimismus geben kann, sagt Gottschalk, dass er angesichts der „Gesamtverblödung“ nun in die intellektuelle Ecke gedrängt worden sei. Und natürlich darf auch die unvermeidliche Polemik gegen Soziale Medien nicht fehlen: „Proust statt Posting“, sei das Motto der neuen Sendung, so Gottschalk. Wir alle läsen heute alles mögliche im Internet, nun gehe es darum, Bücher wieder attraktiv zu machen.

Den Untergang des Abendlandes wird Gottschalk ab dem 19. März aufhalten. Zur üblichen Fernsehkulturzeit um 22 Uhr plaudert er in der Auftaktsendung mit Sarah Kuttner, Vea Kaiser, Martin Mosebach und Ferdinand von Schirach. Das ist ein Dienstag. Freunde der gepflegten Samstagabendunterhaltung können die Sendung aber bereits am 16. März um 20.15 Uhr in der BR-Mediathek abrufen.

Aufgezeichnet wird die erste Sendung in Augsburg. Die drei weiteren Folgen des Jahres kommen aus Orten in Franken, der Oberpfalz und Oberbayern. Gottschalk spricht mit seinen vier Gästen vor Publikum: Eine Vorsichtsmaßnahme, so der Moderator. „Wenn in der ersten Reihe jemand einschläft, weiß ich, dass das Publikum vor den Fernsehern längst auch nicht mehr dabei ist.“

Über das Honorar sei noch gar nicht gesprochen worden, behauptete der Literaturkaplan. Er sei in einer Phase seiner Karriere angelangt, in der er nichts mehr zu verlieren habe, meinte Gottschalk. Jetzt sei die letzte Gelegenheit, ihm diese Sendung noch auszureden, sagte er nach einer guten halben Stunde Geplauder im Literaturhaus. Niemand wagt es. Denn man hört im einfach gern zu, wenn er plaudert.

„Gottschalk liest?“, BR Fernsehen, 19. März, 22 Uhr, ab 16. März, 20.15 Uhr in der BR-Mediathek

 

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