Letzte Filme laufen am Samstag Kinos Münchner Freiheit in Schwabing: Schon ab September ist Schluss

Das Foyer der Kinos Münchner Freiheit. Foto: Petra Schramek

Die Kinos Münchner Freiheit in Schwabing müssen schon zum September schließen. Die letzten Filme laufen dort am Samstag. Die gute Nachricht: Das "Leopold" und "ABC Kino" führt Betreiber Thomas Kuchenreuther weiter.

 

München - Kinosterben und kein Ende. Das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße, das älteste Kino der Welt, das durchgehend bespielt wurde, gab jetzt im April auf. Jetzt stehen die Schwabinger Kinos Münchner Freiheit mit vier Sälen und insgesamt 702 Plätzen und einem Programm aus gehobenem Mainstream und Arthouse vor dem Aus.

Schon am 1. September ist Schluss, wie auf der Internetseite des Kinos zu lesen ist: "Liebe Kinobesucher, ab 01.09.2019 schließen leider die Kinos Münchner Freiheit." Die letzten Filme laufen am Samstag.

Die gute Nachricht: Seine weiteren Schwabinger Kinos -  das "Leopold" und das "ABC Kino" - führt Thomas Kuchenreuther dennoch weiter.

Kino Münchner Freiheit: Insolvenzantrag!

Kinobetreiber Thomas Kuchenreuther stellte am 13. Juni den Insolvenzantrag. Der Grund: Kündigung durch die Firma Sedlmayr Grund und Immobilien AG. Die Folge: Die Kinos 1 und 2 müssen Karstadt weichen, die Gnadenfrist wurde bis März 2020 verlängert, aber mit einer hundertprozentigen Mieterhöhung gekoppelt.

Die Angelegenheit ist verzwickt. Die Familie Kuchenreuther mietete 1994 von der Firma Sedlmayr Spaten-Franziskaner Brauerei die damalige Bürgerversammlungsstätte im Untergeschoss des früheren Hertie und baute sie in die Kinosäle 1 und 2 um.

Zum Nachbargebäude, ebenfalls im Untergeschoss, aber im Besitz der AXA-Krankenversicherungs AG, wurde durchgebrochen und die Kuchenreuthers bauten hier 2005 die Kinos 3 und 4 ein - mit Mietvertrag bis 2025. Der Zugang zu diesen Sälen ist aber nur über das Foyer der Kinos 1 und 2 im Karstadtgebäude möglich. Wenn hier also Schluss ist, sind also auch die anderen Säle nicht mehr zugänglich.

Nach zermürbenden monatelangen Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung und Reduzierung der jetzt happigen Miete präsentierte die Firma Sedlmayr Grund und Immobilien am 7. Juni dem Kinobetreiber Thomas Kuchenreuther die Mitteilung über die Zustimmung der Stadträte zur geplanten Nutzungsänderung. Ein Todesstoß, der den letzten Funken Hoffnung erstickte. Für Kuchenreuther eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.

Kinobetreiber Thomas Kuchenreuther ist enttäuscht

Der reguläre Betrieb läuft vorerst uneingeschränkt weiter. "Ich habe bis zum letzten gekämpft, um die Kinos länger zu erhalten. Ich bin von den beiden Immobilienfirmen praktisch in die Insolvenz hineingetrieben, hineingezwungen worden", sagt der enttäuschte Kinomacher.

Der Cineast und Produzent (u.a. von Werner Schroeters Bachmannverfilmung "Malina"  und von Fassbinder-Filmen) betreibt noch das Arthouse-Kino ABC in der Herzogstraße und drei Säle im Leopoldkino auf der Leopoldstraße. "Die bleiben unseren treuen Schwabinger Kinogängern noch lange erhalten", verspricht Kuchenreuther.

Alle seine Kinos liefen selbst im schlechten Jahr 2018 relativ gut mit 278 000 Besuchern, der Löwenanteil davon - 170 000 - aber in den jetzt insolventen Kinos Münchner Freiheit: "Im Gegensatz zum Minus von 18 Prozent der deutschen Kinobranche erreichten wir in Schwabing ein Plus von fast drei Prozent." Aufgeben will Kuchenreuther nicht.

Kuchenreuther stammt aus einer "Kinobetreiber- und Kinobauer-Dynastie", so sagt er es. Vater Michael und Mutter Thea bauten 1936 die "Schauburg" in Erlangen, zwanzig Jahre später kam das "Atrium" hinzu, wo der junge Thomas Programm machte.

Mit seinem 2013 verstorbenen Bruder Steffen Kuchenreuther, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft und Organisator des jährlichen Filmballs im Bayerischen Hof, eroberte er die Kinoszene Münchens. 1965 übernahmen die beiden das Leopoldkino, zwei Jahre später das ABC Kino, über das der französische Regisseur Claude Chabrol äußerte: "Wer das Kino liebt, muss mit dem ABC beginnen." 

Kinosterben in München: 2011 musste schon das Tivoli schließen

Das Ende der Kinos Münchner Freiheit ist ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte des Münchner Kinosterbens. 2011 musste das Tivoli in der Fußgängerzone schließen und eine Szene-Gastronomie verdrängte das legendäre Filmcasino am Odeonsplatz. 2012 ging das "Atlantis" in der Schwanthalerstraße unter, 2016 war Schluss mit dem "Eldorado" in der Sonnenstraße.

Wie so oft in München waren dafür fast immer Konflikte mit den Hauseigentümern die Ursache. Sie versprechen sich mit anderen Nutzungen schlicht höhere Einnahmen als mit alteingesessenen Kinos.

Die Politik muss dem oft hilflos zusehen. Für den langjährigen Kulturreferenten Hans-Georg Küppers (SPD) ist der Einfluss der Politik "leider nur äußerst bedingt". Der schleichende Tod der Kinos gehört wohl auch in Zukunft zur selbst ernannten "Filmstadt München".

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