Leerstand ade? München: Jetzt ziehen Künstler in die alte Rollofabrik

Hereinspaziert (v.l.) : Künstlerin Josephine Kaiser, Immobilienentwickler Tobias Sehr und Künstler Markus Henning haben die alte Rollofabrik in Thalkirchen wiederbelebt. Sie wird jetzt zwischengenutzt. Foto: Victoria Kunzmann

In die alte Rollofabrik an der Fraunbergstraße in Thalkirchen ziehen bis 2020 Künstler zur Zwischennutzung ein.

 

MünchenViel gemacht werden musste nicht. Die Räume sind bezugsfertig – die ersten Künstler sind sogar schon eingezogen. Im November sind alle Ateliers belegt. "Vier Jahre mussten wir uns anhören, dass das sowieso nicht klappt. Vier Wochen hat es jetzt gedauert, bis es fertig war", sagt Tobias Sehr kopfschüttelnd.

Der Immobilienentwickler hat das Projekt "Fraunberg Ateliers" Ende vergangenen Jahres in die Hand genommen und übernimmt mit Markus Henning – alias "Eliot the Super" - die Instandsetzung des leerstehenden Gebäudes an der Fraunbergstraße 4, und auch an der Schäftlarnstraße 178.

Förderung ungewiss - fast alle Räume fertig

Eine jahrelange Diskussion ist in einer Entscheidung gemündet – zumindest in einer vorläufigen. Viele Fragen sind noch offen. Knapp vier Jahre bemühten sich die Künstler, die Räume zwischennutzen zu dürfen, bevor der Abriss beginnt. Mitte August erhielten sie das endgültige Ja von der Stadt. Immer wieder änderte sich der geplante Start der Baumaßnahmen durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG.

Ungewissheit herrscht auch beim Zuschuss, den die Stadt den Künstlern gewähren möchte. Noch immer weiß Tobias Sehr nicht, wie hoch die Förderung sein wird. "Wir haben noch ein paar Monate Zeit, um das zu klären", sagt er. Einen offiziellen Antrag hat er noch nicht eingereicht. Von rund 10.000 Euro für das gesamte Projekt ist die Rede.

Erst einmal ist er froh, die Ateliers nun bald eröffnen zu können. Eine Küche hat er eingebaut, die Sanitäranlagen sind benutzbar. Lediglich der Ausstellungsraum sieht noch nicht aus wie gewünscht: Hier sollen zusätzlich zwei Räume für Ateliers eingebaut werden. Das erlaubt die Stadt aufgrund des Brandschutzes derzeit nicht.

Ateliers: Zum Teil von den Künstlern schon bezogen

Am 19. Oktober (ab 14 Uhr) findet die offizielle Eröffnung statt. Die Künstler haben Sehr und Henning schnell gefunden. "Wir mussten mit der Stadt abklären, welche Künstler hier reinkommen", erklärt Sehr. "Es war uns wichtig, mit Leuten zu arbeiten, die öffentlich sichtbar sind." Damit meint er Künstler, die ihre Arbeit über Soziale Netzwerke und Ausstellungen öffentlich machen und zeigen, wer sie sind und wo sie sind.

Das Netzwerk in München ist groß. "Es gibt so viele Künstler in München, die händeringend nach Ateliers suchen." Josephine Kaiser hat ihren Raum schon bezogen. Sie benötigt nur einen kleinen, denn auch ihre Kunstwerke, Skulpturen und Scherenschnitte, sind klein. Die Materialien brauchen nicht viel Platz. Die gemeinsame Nutzung des Gebäudes gefällt ihr. Mit anderen Künstlern, die ebenfalls einen Raum hier haben, ist sie zusammen auf Ausstellungen unterwegs. Auch Henning hat sein Atelier bereits bezogen, zahlreiche Kisten und Plastiksäcke füllen den Raum, Leinwände, teils besprüht, Schablonen, Tische. Die Künstler können loslegen.

Künstler-Zwischennutzung bis Ende 2020

Der große Ausstellungsraum soll frei zugänglich sein, wie auch der Garten, der von Kindern und Jugendlichen für Kunst- und Lernprojekte genutzt werden könnte – so die Wunschvorstellung von Sehr und Henning. Wie viele der Ideen sich noch umsetzen lassen, wissen sie nicht, denn offiziell dürfen sie die Gebäude bis Ende 2020 nutzen. Auf dem Gelände, auf dem früher eine Rollofabrik ansässig war, sollen Wohnungen und eine Kita entstehen. Wann die Baumaßnahmen beginnen, stehe noch nicht fest, sagt Michael Kollatz (SPD), Vorsitzender des Unterausschusses Bau und Planung im örtlichen Bezirksausschuss.

Den Bauvorantrag habe die GWG bereits gestellt, er wird voraussichtlich bald genehmigt. "Erst dann kann die GWG einen Bauantrag stellen", sagt Kollatz. Mitte 2020 könnte dieser genehmigt sein, vermutet er. "Wann die Baumaßnahmen tatsächlich starten, hängt von der GWG ab."

Das bedeutet im Klartext: Bis Ende 2020 dürfen die Künstler mindestens im Gebäude bleiben.

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