Leben an der Armutsgrenze Dreimal die Woche: Gratis-Mittagessen für Rentner!

ASZ Untergiesing: Ein beliebter Treffpunkt für Senioren. Foto: Daniel von Loeper

Ab Januar will die Stadt auch Rentnern helfen, die bis zu 1.350 Euro netto im Monat haben – mit warmem Essen, halben Ticketpreisen für die Freizeit – und sogar Streetworkern.

München - Es ist ein helles Licht am Horizont für Münchens Senioren – für die jedenfalls, die nicht regelmäßig schick auswärts essen können, Kulturreisen machen, auf einer Insel überwintern oder im Lotto gewonnen haben.

Bei der Stadt hat sich die Einsicht breitgemacht, dass mehr als die 15.000 sozialhilfeberechtigten Rentner Unterstützung brauchen. Nämlich auch alle die, die im Monat bis zu 1.350 Euro netto (als Alleinlebender) zur Verfügung haben (für einen Doppelhaushalt gelten 2.025 Euro). Diese Beträge nämlich beziffert der Armutsbericht als "Armutsrisikogrenze" für die teure Stadt München. Etwa ein Viertel aller 266.000 Senioren dürfte in der Einkommensklasse liegen.

"Auch bei dieser Seniorengruppe fehlt es oft am Nötigsten", sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). "Die Miete frisst oft das meiste Geld auf", dann kommen Medizin-Zuzahlungen, Heizkosten, MVV-Tickets und vieles mehr. Etliche Ältere (zumal unter den rund 70.000 Hochbetagten, deren Zahl immer mehr steigt) leben deshalb sehr isoliert zuhause, versorgen sich allein nicht mehr gut und vereinsamen.

Nächste Woche will Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) deshalb ein 46 Seiten dickes Paket im Stadtrat absegnen lassen, das die Stadt jährlich 2,6 Millionen Euro extra kostet. Und das sofort Verbesserungen für viele bringen soll.

Senioren-Paket der Stadt: Die spannendsten Punkte

Kostenlose Mittagessen: Ab Januar soll jeder oben benannte Senior drei Mal die Woche in einem der 31 Alten- und Servicezentren (ASZ) der Stadt kostenlos mittagessen dürfen. Bisher gilt das nur für einige Senioren, die Grundsicherung (Sozialhilfe) beziehen, die anderen zahlen entsprechend ihrem Einkommen zwei bis fünf Euro für ein Drei-Gänge-Menü mit Suppe, Hauptspeise und Dessert.

Die meisten ASZ bieten jetzt schon Mittagstische an (ein bis fünf Mal die Woche; siehe Kasten) und versorgen je zehn bis 70 Rentner. Damit sie entsprechend mehr Essen ausgeben können, soll jedes ASZ im Jahr 6.000 Euro extra bekommen. Und: eine festangestellte Hausassistenzkraft, die ehrenamtliche Helfer anleitet. Seine Berechtigung fürs kostenlose regelmäßige Essen soll man unkompliziert nachweisen können, beispielsweise durch einen Kontoauszug.

Halbierte Ticketpreise für Freizeitspaß: Tanz- und Singstunden, Computerkurse & Co bei den ASZ und in anderen Seniorenprogrammen kosten Geld, vier bis fünf Euro für anderthalb Stunden, im Schnitt. Diese Tickets sollen die "1.350-Euro"-Rentner nächstes Jahr für die Hälfte bekommen, damit das Mitmachen nicht mehr am Geld scheitert.

Koordinierungsstelle für die Werbetrommel: "Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten", sagt Christine Strobl, "aber die Senioren wissen vieles gar nicht." Damit sie erfahren, welche kostenlosen oder vergünstigten Angebote es für sie gibt, soll die Awo alles zusammenstellen, bündeln und bewerben.

Hausbesucher: Schon jetzt gibt es in den ASZ Hausbesucher, die ältere Menschen im Viertel zuhause aufsuchen, nach dem Rechten schauen und Hilfe vermitteln. Denn viele Senioren kennen die Hilfsangebote nicht oder trauen sich alleine nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Streetworker für Rentner: Bisher arbeiten Streetworker vor allem mit Jugendlichen auf der Straße. Ähnliches will Dorothee Schiwy nun auch für Senioren gründen – als Pilotprojekt "SAVE" zunächst in vier Stadtvierteln.

Die Idee ist, dass Sozialpädagogen Senioren, die in Not sein könnten, auf öffentlichen Plätzen aufsuchen, und dort Hilfe anbieten – in kleinen Parks, bei Flaschencontainern, auf Friedhöfen, überall, wo Bänke sind. Dass der Stadtrat das Millionenpaket absegnet, daran hat Christine Strobl keinen Zweifel. "Die Anträge dazu sind ja von vielen Stadträten gekommen, ich gehe davon aus, dass diese Vorschläge positiv begrüßt werden."

Blick ins ASZ Untergiesing: "Die Menschen sind glücklicher und besser versorgt"

Kürbissuppe, Bolognese-Nudeln und Kompott gibt es heute ab 12.30 Uhr beim Mittagstisch im ASZ Untergiesing (der immer dienstags und freitags stattfindet). 65 Rentner aus dem Viertel haben sich angemeldet, wie Therese Prause (83; Foto oben) – und es wird wieder ein fröhliches Zusammentreffen sein.

"Bei uns helfen vier ehrenamtliche Senioren in der Küche mit, mindestens vier weitere kommen zum Tischdecken, Servieren und Aufräumen", erzählt ASZ-Chefin Angela Settele (49).

"Der Mittagstisch", findet sie, "ist eine wunderbare Einrichtung, weil die Menschen hier Freunde finden, Unternehmungen planen, aktiv werden. Sie sind glücklicher gemeinsam als allein daheim, und sie sind besser versorgt." Jeder zehnte Senior hier isst umsonst, weil seine Rente superklein ist. Rund 40 zahlen ermäßigt 2,50 statt der vollen 4,50 Euro für das Menü. Mit der neuen Regelung ab Januar, schätzt Angela Settele, wird wohl die Hälfte kostenlos essen können.

AZ-Kommentar zum Thema: Gratis-Essen für Senioren - Goldene Zeiten

 

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