Last Supper Rockiges Abendmahl

Die Kellner im „Last Supper“ tragen Tattoos, Mützen, Jeans und Totenkopf-Shirts. Wie sollte es auch anders sein in einem „Rock’n’Roll-Restaurant“? Foto: Bernd Wackerbauer

Das anspruchsvolle Restaurant „Last Supper“ ist nach 14 Jahren umgezogen. Und dafür gibt es einen Grund: ein Mieter, der das Lokal unbedingt loswerden wollte.

Die Geschichte des neuen „Last Supper“ kann man nicht erzählen, ohne die des alten zu kennen. 14 Jahre lang residierte das anspruchsvolle Restaurant in einer dunklen Boazn in der Maxvorstadt. Drinnen sah es aus wie auf einer Berghütte, überall Holz, Heiligenbilder an den Wänden und in jeder Ecke schrille Jesus-Figuren.

Kurzum: Das Last Supper war ein ziemlich abgefahrener Laden in dem sonst so feinen München. Das Restaurant brummte, trotz oder gerade wegen der tätowierten Kellner und der Rock-Musik. Bis vor zwei Jahren ein neuer Mieter darüber einzog.

„Mit ihm hat der Stress angefangen“, sagt Tobias Gietz (42), Inhaber des Last Supper. „Der hat uns zwei-, dreimal die Woche die Polizei geschickt, später hetzte er uns die Stadt auf den Hals.“ Deren Experten stellten fest, dass Lärmschutz-Grenzwerte überschritten wurden. Das Last Supper sollte um 22 Uhr dichtmachen. Doch wie soll das gehen in einem Lokal, das Drei-Gänge-Menüs anbietet?

„Fünf Familienväter wären beinahe arbeitslos geworden, weil ein junger Schnösel im Zentrum leben möchte, aber bitte ohne Lärm“, sagt Tobias Gietz, „und mich hätte er damit fast ruiniert“.

Nun aber geht es weiter für ihn und sein Last Supper. In einem Neubau an der Karlstraße hat das „Rock’n’Roll Restaurant“ Anfang August wiedereröffnet, mit dem gleichen Konzept, aber einer komplett neuen Einrichtung. An der Wand hängt eine edle rote Tapete, darauf findet man originale Fotoporträts von 1920 bis 1955. Die Decke war mal ein Dielenfußboden, die Bar ist mit Türen einer Polizeistation aus Frankfurt an der Oder verziert, vor dem Fenster steht eine Mauer aus Ziegelsteinen, die Trümmerfrauen nach dem Krieg aus zerbombten Gebäuden geklopft haben.

Mittags gibt es eine kleine Karte, abends Drei-Gänge-Menüs für 38 Euro, ein vegetarisches, eines mit Fleisch und eines mit Fisch. Wer will, kann sich sein eigenes Menü auch zusammenstellen. Verarbeitet werden hauptsächlich regionale Bio- und Fairtrade-Produkte. „Mein Ziel ist es, die Nachhaltigkeit in der Gastronomie zu etablieren“, sagt Tobias Gietz, „die ist da leider noch kein Thema.“

Zu den Speisen, die man unter dem Label „neue deutsche Küche mit mediterranem Einschlag“ abheften könnte, empfiehlt sich einer der über 250 Weine. Mit dem Umzug hat Gietz das Spaten- durch Steiner-Bier ersetzt. Das wird im Chiemgau noch in Felsenkellern gelagert.

Einzigartig ist aber vor allem die Atmosphäre im Last Supper: Tätowierte Kellner, Rockmusik, alte Möbel. „Wir machen einfach das, worauf wir Bock haben“, sagt Tobias Gietz. Fertig.


Karlstraße 10, Mo. bis Fr. 11 – 1 Uhr, Sa. 19 – 1 Uhr, So. Ruhetag, Tel. 28808809

 

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