Langzeitstudie in Bayern Seuchenherd Kita - Wie ansteckend sind Kinder?

Eine Erzieherin mit Mundschutz spielt mit Kindern einer Vorschulgruppe. Kindertagesstätten sind in Bayern seit dem 1. Juli nur unter sehr strengen Auflagen geöffnet. Die Kleinen sollen nach Möglichkeit in festen Gruppen betreut werden. Foto: Jens Büttner/dpa

Die bayerische Staatsregierung will in einer Langzeitstudie herausfinden, welche Rolle Krippen, Kindergärten und Schulen für die Ausbreitung von Sars-CoV-2 spielen. Doch es geht noch um mehr.

 

Sind Krippen, Kitas und Grundschulen Brutstätten der Pandemie? Und welche Folgen hatte der Lockdown auf die Kinderseelen? Antworten auf diese zwei zentralen Fragen soll die Studie "Covid Kids Bavaria" liefern, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) und Fachärzten des Haunerschen Kinderspitals in München vorgestellt hat. "Bei der Bewältigung der Corona-Pandemie setzen wir auf die Strategie der Umsicht und Vorsicht. Die Infektiosität von Kindern ist dabei eine der Schlüsselfragen", sagte Söder gestern.

Die flächendeckende Langzeitstudie, die bereits in diesem Monat starten und bis zum Januar 2021 dauern soll, wird von den sechs bayerischen Universitätskliniken in Augsburg, Erlangen, München (TUM und LMU), Regensburg und Würzburg durchgeführt. Die Mediziner werden nach Angaben der Staatsregierung rund 150 Kinderkrippen, Kindergärten und Grundschulen besuchen und dort auf freiwilliger Basis stichprobenartig Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie Erzieher und Erzieher und Lehrer auf das Coronavirus testen.

12.000 Corona-Tests sollen durchgeführt werden

Insgesamt sollen den Angaben nach rund 12.000 Corona-Tests durchgeführt werden. Zudem soll untersucht werden, inwiefern die Kinder Symptome entwickeln, wenn sie mit dem Erreger infiziert sind.

Im Zentrum steht dabei die viel diskutierte Frage, ob Kinderbetreuungsstätten eine Gefahr für eine unkontrollierte Ausbreitung von Covid-19 darstellen. Dies spielt eine große Rolle bei der Wiedereröffnung von Kitas und Schulen, die zu Beginn der Pandemie geschlossen wurden und inzwischen nur sehr eingeschränkten Regelbetrieb haben.

Viel Beachtung fand zuletzt eine Studie aus Baden-Württemberg, die zu dem Ergebnis kam, dass sich Kinder seltener mit dem Virus infizierten als Erwachsene und damit nicht als Treiber einer Infektionswelle anzusehen seien. Allerdings wurde in dieser Studie nicht explizit untersucht, wie infektiös Kinder sind. Andere Analysen deuten in eine gegenteilige Richtung, insgesamt ist über die Ansteckungsgefahr von Kindern noch recht wenig bekannt.

Hier will "Covid Kids Bavaria" ansetzen: Im Gegensatz zu den bisherigen Studien, die alle während des Lockdowns durchgeführt wurden, soll nun die Öffnung von Einrichtungen und Schulen gezielt wissenschaftlich begleitet werden. "Die Entwicklung des Infektionsgeschehens ermöglicht die notwendigen Schulöffnungen", sagte Johannes Hübner vom Haunerschen Kinderspital, einer der Leiter der Studie. "Erste Daten weisen darauf hin, dass Schulen und Kinder keine wichtigen Ursachen für die Ausbreitung des Erregers sind. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Schulöffnungen sehr genau und auch längerfristig beobachten und wissenschaftlich verfolgen."

Studie mit Blick auf Ansteckungsgefahr und Psyche der Kinder

Auch die psychischen Aspekte der Pandemie werden erforscht Doch die Langzeitstudie nimmt nicht nur die Ansteckungsgefahr, sondern auch die Psyche der Kinder in den Blick. Mit rund 140.000 Fragebögen, die zumindest Grundschulkinder auch selbst ausfüllen, soll die Kindergesundheit im Allgemeinen erforscht werden. "Ich erhoffe mir von dieser Studie ein weiteres, großes Puzzlestück im Covid-19-Bild", sagte Wissenschaftsminister Sibler (CSU).

Konkret soll es etwa darum gehen, wie sich die Pandemie auf den Gemütszustand der Kinder auswirkt und wie sich die medizinische Versorgung verändert hat – zum Beispiel dadurch, dass Arzttermine ausgefallen sind, erläutert Studienleiter Christoph Klein vom Haunerschen Kinderspital. "Eine der Säulen der Kindermedizin ist es, Gesundheit und Krankheit immer ganzheitlich zu sehen." Die Daten der Studie sollen bis zum März 2021 ausgewertet sein. Die Kosten von eine Million Euro trägt der Freistaat.

Kritik kam von der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag. Die Studie käme zu spät, sagte die sozialpolitische Sprecherin der FDP im Bayerischen Landtag, Julika Sandt, laut einer Mitteilung. Dies ginge zulasten der Kinder. "Trotz fehlender Belege wurden sie monatelang wie Virenschleudern behandelt, Kitas und Schulen geschlossen", so Sandt. Die Kinder hätten unter Isolation und sozialer Benachteiligung gelitten, Eltern hätten nicht wie gewohnt arbeiten können und nicht gewusst, wann Kinder wieder in Kitas und Schulen dürften.

Lesen Sie auch: Bei Corona-Kontrolle an der Isar - Gruppe beleidigt Polizisten

3 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading