Landtagswahl 2013 Margarete Bause: Die Schweine-Hebamme

Aufgewachsen auf dem Bauernhof: Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause. Foto: privat, dpa

Margarete Bause, die Spitzenkandidatin der Grünen, offenbart  jetzt eine ganz andere Seite. In der AZ erzählt sie von ihrer Jugend auf dem Bauernhof: „Ich kann Stadt und Land“ 

München - Ihr muss Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kein Ferkel in den Arm legen. So wie er’s bei SPD-Spitzenkandidat Christian Ude getan hat, um den Münchner OB mit dem Landleben vertraut zu machen. Bei Ferkeln ist Margarete Bause Spezialistin. Die Spitzenkandidatin der Grünen outet sich jetzt als „Schweine-Hebamme“. „Ich habe vielen niederbayerischen Ferkeln auf die Welt geholfen“, verrät sie.

Bisher war sie mit ihrer Lebensgeschichte zurückhaltend umgegangen. Zum Auftakt des Wahlkampfes aber passt die perfekt. Als Spitzenkandidatin muss Bause in die Fußstapfen ihres legendären Vorgängers Sepp Daxenberger steigen, der 2010 mit nur 48 Jahren dem Krebs erlag. Der war vor allem in die traditionellen CSU-Domänen eingebrochen und hatte die Bauern auf seine Seite gezogen. Im tiefschwarzen Berchtesgadener Land holte er bei der Landtagswahl 2008 sensationelle 26,5 Prozent. Für die Bauern war der Sepp einer der ihren.

Das will die Schweine-Hebamme Bause, die mitten in München im Stimmkreis Schwabing kandidiert, auch sein und nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land die CSU angreifen. „Im Gegensatz zu Ude und Aiwanger kann ich beides“, sagt sie selbstbewusst. „Ich kann Stadt. Und ich kann Land!“

Ihre ungewöhnliche Fähigkeit hatte der Tierarzt von Landshut erkannt. Wenn’s auf dem elterlichen Einödhof bei einer Muttersau Probleme bei der Geburt gab, musste die 16-jährige Bauerstochter Margarete ran. „Ich hatte einen langen, schmalen Arm, der ziemlich stark war“, plaudert die Soziologin. „Ein Kaiserschnitt im Stall war ja unmöglich. Da wär’ die Muttersau gestorben. Und der Arm des Tierarztes war zu dick.“

So schraubte die junge Margarete ihren Arm tief durch das Becken der Sau, bis sie die Ferkel im Mutterbauch in ihre Finger bekam. Dann zog sie diese mit viel Kraft heraus. „Wenn sie mit dem Kopf nach vorne lagen, war’s einfach“, erzählt sie. „Dann konnte ich sie an den Ohren packen.“

Schnell war Margarete Spezialistin für schwierige Schweine-Geburten in der ganzen Umgebung. „Da hat mich der Tierarzt abgeholt. Dann sind wir zu dem Bauern und seiner Sau gerast.“
Gemeinsam mit drei Brüdern wuchs sie auf dem Einödhof zwischen Ergolding und Landshut auf. Gerade als sie 1959 auf die Welt gekommen war, hatten ihre Eltern die Hofstelle gepachtet und bei null angefangen. Während ihrer Karriere als Schweine-Hebamme hatte Bause sogar überlegt, nach dem Abitur Tiermedizin zu studieren. „Unser Tierarzt hatte mir seine Praxis angeboten, weil er keinen Nachfolger hatte.“

Dann aber setzte sich doch ihre Leidenschaft, das Lesen, durch. „Mein ganzes Leben in Niederbayern von Bauernhof zu Bauernhof fahren und Ferkel auf die Welt bringen, wollte ich dann doch nicht.“ Die Bauerstochter zog nach München, studierte erst Germanistik, wechselte dann zu Soziologie und Politik – und blieb in der Großstadt hängen: in Schwabing, gleich in der Nachbarschaft von OB Christian Ude.

Den Bauernhof gibt es nicht mehr. Bause: „Er war ja kein Eigentum zum Weitervererben.“ Ihre Eltern haben sich ganz in der Nähe ein Grundstück gekauft und ein Austragshäusl gebaut. Ihren ältesten Bruder dagegen ließ die Faszination, mit Tier und Natur zu arbeiten, nicht los: Er hat sich einen Bauernhof im Allgäu gekauft.

 

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