Landkreis München Süd FDP-Direktkandidat Helmut Markwort: Der Spätberufene

Clemens Hagen.
"Eine neue Generation Bayern": Helmut Markwort vor einer FDP-Plakatwand im Weißbräu in Deisenhofen. Foto: Bernd Wackerbauer

Helmut Markwort (81) ist Direktkandidat im Landkreis München Süd – er könnte nach der Wahl Alterspräsident im Landtag werden. Warum er ein "Faktomobil" will.

 

München - In der Stunde des Sieges wirkt Patricia Riekel nachdenklich. Während sich Helmut Markwort (81) ein paar Meter weiter von Parteifreunden beglückwünschen lässt und der Presse erste Interviews gibt, sagt die langjährige Chefredakteurin und Herausgeberin der Illustrierten Bunte: "Ich werde jetzt auf seine Fitness achten müssen. Herr Markwort mag das zwar nicht, aber ich muss das tun."

Sie nennt ihren Lebensgefährten immer "Herr Markwort", und sie verrät, wie sie ihm die nötige Energie für die bevorstehende monatelange Ochsentour Landtagswahl verschaffen will: "Wir haben seit Kurzem einen kleinen Hund, Emil, einen Mops-Beagle-Mischling, mit dem Herr Markwort Gassi gehen muss." Ob er nun will oder nicht. Punkt.

Markwort, seit 50 Jahren FDP-Mitglied, hat gerade den größten Sieg seiner politischen Karriere errungen. In Deisenhofen bei Oberhaching wählen ihn die FDP-Mitglieder des Stimmkreises München-Land-Süd im Gasthof Weißbräu zu ihrem Direktkandidaten für die Landtagswahl am 14. Oktober. Der Gründer des Nachrichtenmagazins Focus, langjährige Moderator des "Sonntags-Stammtisch" im BR und politische Spät- wie Quereinsteiger kommt auf 31 von 42 Stimmen, was einem Zuspruch von 73,8 Prozent entspricht.

Mit Marco Deutsch hat Markwort einen hartnäckigen Konkurrenten

Dass es keine 100 Prozent sind, liegt an seinem Gegenkandidaten Marco Deutsch, einem Medienunternehmer und Rechtsanwalt aus Grünwald, der sich überraschend kurzerhand selbst als Alternative zu Markwort nominiert hat.

In seiner Rede greift Deutsch seinen prominenten Gegner frontal an. Seine Taktik: Er bezeichnet sich selbst als "einen von euch" (gemeint ist die FDP-Basis), der "mit euch bei Landtags- und Bundestagswahlen im Regen und im Sonnenschein Plakate geklebt hat". Etwas, was Markwort, der erst vor drei Wochen von Ralph Peter Rauchfuss, FDP-Chef im Landkreis München, gefragt worden war, ob er eventuell Interesse an einer Kandidatur im Süden hätte, nicht getan hat.

Der Kandidat Deutsch meint es ernst, so ernst, dass er von seinem eigenen Geld eine so hohe Summe in den Landtagswahlkampf stecken will, wie es vorher noch nie ein bayerischer Kandidat getan hat. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, es handle sich um einen sechsstelligen Betrag – 100.000 Euro.

Markwort kontert in seiner Rede souverän, spricht frei ganz ohne Notizen vom Podium, bezeichnet sich selbst als "einen 68er-FDPler", der in die Partei eingetreten sei, "als überall die Apo gefeiert wurde". Er erzählt von seiner beeindruckenden Karriere im deutschen Journalismus, gibt zu, dass er ein "Reingeschmeckter" ist, keiner, der im Landkreis München wohnt. Dafür bringe er, so meint er bescheiden, "ein bisschen Bekanntheit und Beliebtheit mit, die der Partei helfen könnten".

Markwort und das "Faktomobil"

Markwort gibt zu, dass er von vielen Themen, die die Lokalpolitik betreffen, wenig Ahnung hat, er sich auf den Rat der Parteifreunde verlassen muss. Sein Kernthema ist der Kampf gegen die Bürokratie. Er sagt: "Zum Beispiel beim Bauen, da gibt es heute 20.000 Vorschriften, vor fünf Jahren waren es nur 5.000. Diese Zahlen hat mir Edmund Stoiber verraten, und ich finde sie desillusionierend." Markwort spricht eine Viertelstunde. Wenig später, als der Chef der Wahlkommission seinen Sieg verkündet, ist die Vorfreude des 81-Jährigen auf die kommende Aufgabe spürbar. "München Süd ist einer der wichtigsten Stimmkreise für die FDP in Bayern, in Deutschland. In Grünwald zum Beispiel hatte die Partei bei der letzten Wahl 27,5 Prozent", sagt er.

Für die heiße Wahlkampf-Phase, so plant der Kandidat, werde er ein "Faktomobil" mieten, einen Bus in FDP-Farben, der von Ort zu Ort fährt, wo es Infos über die Partei gibt, Semmeln, Brezn. Wenn alles nach Plan läuft, wird Markwort, der wohl Listenplatz 16 bekommt, Alterspräsident des nächsten bayerischen Landtags.

Patricia Riekel ist froh, dass "Herr Markwort", der "zu Hause sowieso nur über Politik und Fußball spricht", eine neue Aufgabe hat. Er sei ein "unabhängiger und freier Geist", mithin der ideale FDP-Kandidat. Und dann macht sie "Herrn Markwort" plötzlich noch eine hinreißende Liebeserklärung: "Wir sind jetzt seit 37 Jahren zusammen, aber wenn er den Raum betritt, habe ich immer noch Schmetterlinge im Bauch."

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