Lärm, Vermüllung und Wildbieslerei Schwabing: Anwohner-Ärger am Wedekindplatz

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Wedekindplatz in München: Bei schönem Wetter, wenn junge Münchner den Platz besuchen, stellt sich abends ein italienisches Lebensgefühl ein. Foto: Daniel von Loeper

Zu laut, zu dreckig und dazu noch Wildbieslerei. So lautet der Vorwurf einiger Schwabinger. Halb so wild, sagen hingegen einige Wirte.

 

Schwabing - Dort, wo die Schwabinger Krawalle Anfang der 60er Jahre ihren Ursprung hatten, herrscht wieder ein wenig Unruhe. Zwar knüppelt die Polizei nicht mehr wahllos in der Menschenmenge herum. Doch regelmäßig werden die Beamten von Anwohnern hierher gerufen. Die Gründe: Lärm, Vermüllung und Wildbieslerei. Hunderte junge Münchner treffen sich bei gutem Wetter rund um den Wedekindplatz, der vor einigen Jahren neu gestaltet wurde.

Wedekindplatz: Anwohner beschweren sich

"Seit der Corona-Pandemie hat sich die Situation etwas verschärft", sagt Patric Wolf (CSU), frisch gekürter Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-Freimann. Aber mehr als fünf Beschwerden seien es nicht gewesen, die im BA ankamen. Er spricht von einer Art Gärtnerplatz-Situation. "Dennoch müssen wir die Sorgen der Anwohner ernst nehmen", sagt Wolf.

Im BA macht man sich auch schon Gedanken darüber, wie gegengesteuert werden soll. "Vor allem das Wildpinkeln ist ein Thema", sagt Wolf. Daher haben sich die Lokalpolitiker überlegt, mobile Toiletten aufzustellen, was in der nächsten Hauptsitzung erneut zur Debatte steht. Denn, so Wolf, "wenn jemand in den Hauseingang pinkelt, ist das natürlich schon sehr unangenehm."

Wirte sehen die Situation lockerer

Ali Muhammad, seit Anfang der 90er Jahre Chef der Karaoke-Bar Hopfendolde an der Feilitzschstraße, sieht das alles nicht so eng. Er lässt auch jeden in seiner Kneipe das WC nutzen – mit einer Voraussetzung: "Wichtig ist mir, dass die Leute nett fragen. Und das tun sie normalerweise immer." Nur eines kann Ali nicht leiden: "Wenn jemand mit einem fremden Bier in der Hand in meinem Lokal auf die Toilette gehen möchte, reagiere ich schon allergisch." Als Wirt müsse er ja auch irgendwie überleben.

Ali sagt, auch seine Wirtskollegen sähen das alles lockerer als die Anwohner, die sich regelmäßig beschwerten und die Polizei riefen. Er selbst lebt mit seiner dreiköpfigen Familie an der Feilitzschstraße, ist also auch ein alteingesessener Anwohner. Für ihn ist die Lage relativ klar. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine bestimmte Gruppe ist, die sich beschwert – und zwar die Neu-Hinzugezogenen in der Straße", sagt Ali.

Er wisse von keinem seiner langjährigen Nachbarn, die je die Polizei gerufen hätten, weil es zu laut oder zu schmutzig ist. "Da frage ich mich schon, was die Leute erwarten. Man kann doch nicht in dieses Viertel ziehen und dann auf Friedhofsstimmung hoffen. Natürlich ist es lebendig bis spät in die Nacht", sagt er. Und die Wildbiesler? "Betrunkene Leute sind unkontrollierbar. Das war schon immer so, auch wenn das natürlich nicht schön ist", sagt Ali.

Werner Lederer-Piloty (SPD): "Leben und leben lassen"

"Leben und leben lassen", nennt es der frühere, langjährige Vorsitzende des BAs, Werner Lederer-Piloty (SPD). Er sieht das alles ähnlich wie Ali, auch wenn für ihn beim Wildbieseln die Grenzen überschritten ist. "Aber Wildbiesler gab es da immer. Früher waren es halt die Obdachlosen", sagt er. Das Phänomen sei wirklich nichts Neues. "Ist doch toll, dass der Platz jetzt so lebendig ist", sagt er voller Überzeugung. Auch sein Sohn sei dort ein Stammgast.

Er klingt verzweifelt, wenn er an die Zeit vor 20 Jahren denkt, damals als BA-Vorsitzender. "Die Anwohner haben uns angefleht, dass wir aus dem Wedekindplatz eine Piazza machen sollen. Und jetzt haben wir eine Piazza-Situation und jetzt beschweren sich Anwohner", sagt er, "fahren Sie mal nach Italien, da schaut jede Piazza abends so aus."

Außerdem, so Lederer-Piloty, ist er sich ziemlich sicher, dass sich keiner die früheren Zeiten zurückwünsche: "Ratten, Dreck, Gestrüpp, Fast-Food-Müll überall. Null Aufenthaltsqualität. Deshalb wollten wir ja den Platz unbedingt schöner gestalten."

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