Kurioser Prozess vor Landgericht Riesenstreit um legendären Oldtimer BMW 507

Der Traum vieler Oldtimer-Fans: Ein BMW 507, ein Klassiker und eigentlich unbezahlbar. Foto: AZ

Auch ein mündlicher Vertrag ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch gültig. Was aber ist, wenn einer der Vertragspartner noch vor Abwicklung des Geschäfts stirbt? Der kuriose Streit um einen BMW 507 vor dem Münchner Landgericht.

 

München - Elvis fuhr einen dieser formschönen Sportwagen, Alain Delon, Ursula Andress und Toni Sailer ebenso – die Liste der Eigentümer eines BMW 507 ist kurz und exklusiv. Der Grund: Von dem damals schon sündteuren Modell wurden zwischen 1956 und 1959 lediglich 254 Exemplare produziert. Inzwischen scheinen die Preise für den Sportwagen aber regelrecht zu explodieren. Ein Oldtimer-Restaurateur erklärte, dass man für einen restaurierten 507er über zwei Millionen Euro erzielen kann. Ein Auktionshaus in den USA bietet derzeit online einen 507er an. Geschätzter Preis: zwischen 2,3 und 2,8 Millionen US-Dollar.

„Wenn man einen 507er findet, sofort zuschlagen. Das ist wie ein Sechser im Lotto“, erklärte der Oldtimer-Experte aus Baden-Württemberg jetzt vor dem Landgericht. Der Mann hatte geklagt, weil er einen solchen Deal im Oktober 2012 mit einem vermögenden Münchner Unternehmer und Oldtimer-Fan abgeschlossen haben will. Schriftlich gäbe es zwar nichts, ein mündlicher Vertrag über den Verkauf des Wagens an ihn sei aber zustande gekommen. Stimmt nicht, sagen die Erben des inzwischen verstorbnenen Münchners. Zwar gab es Verhandlungen, man habe sich gemeinsam den Wagen angeschaut und um den Preis und die Provision für den Vermitttler gefeilscht, aber einen Kaufabschluss habe es auch mündlich nicht gegeben.

Es geht um viel Geld. Dem Restaurateur sollen Hunderttausende an Gewinn entgangen sein. Er hätte den Wagen aufwändig restauriert und wahrscheinlich für ein Vielfaches des Kaufpreises von 700 000 Euro verkaufen können. Die Beweislast liegt in solchen Fällen beim Kläger. Und der forderte als Zeugen den damaligen Vermittler an. Der hatte seinerzeit ein Fax an seinen Bekannten geschickt und um die Kontodaten des Verkäufers gebeten. „Ich bin wohl damals davon ausgegangen, dass der Vertrag zustande gekommen war, sonst hätte ich das nicht gefaxt“, erkärte der Immobilienmakler vor Gericht. Eine konkrete Erinnerung daran, dass ihm der Verkäufer erklärt habe, dass der Kaufvertrag tatsächlich abgeschlossen wurde, hatte er aber nicht. Auch die damalige Lebensgefährtin des Verstorbenen erinnerte sich zwar an die Verhandlungen in einem Allacher Restaurant.

Aber auch daran, dass der Oldtimer-Fan sich unter Druck gesetzt fühlte und um etwa Bedenkzeit gebeten habe. „Vor dem Ende der Wiesn wollte er das nicht entscheiden“, erinnerte sie sich. Der Wagen ist inzwischen aber doch verkauft worden. Für 750 000 Euro nach Italien. Da wird er auch bleiben. Der Restaurateur zog seine Klage zähneknirschend zurück. John Schneider

 

2 Kommentare