Kultur Haus ohne Hüter

Auf diesem Foto von 2007 strahlt Ulrich Peters noch vor seinem Gärtnerplatztheater. Über die Nichtverlängerung seines Vertrages ist er aber sehr enttäuscht. Foto: dpa

Thomas Goppel holte ihn aus Augsburg, der neue Kunstminister Wolfgang Heubisch feuert ihn wieder: Der Intendant Ulrich Peters muss im August 2012 seinen Stuhl im Gärtnerplatztheater räumen

 

Mitten in den Endproben zu seiner Inszenierung von Leos Janáceks Oper „Die Sache Makropulos“ teilte Ulrich Peters gestern seinem Ensemble mit, dass sein Vertrag am Ende der nächsten Spielzeit auslaufen wird. Den schwierigen Umbau der Bühne wird sein noch nicht bekannter Nachfolger bewältigen müssen.

AZ: Herr Peters, wie haben Sie von Ihrem Aus erfahren?

ULRICH PETERS: Der Minister hat mir das letzten Mittwoch mitgeteilt. Mittlerweile habe ich es schriftlich.

Welche Gründe gibt es für die Nichtverlängerung?

Wolfgang Heubisch hat keine genannt. Es habe nichts mit meiner Person oder meinen Leistungen zu tun. Er wolle ab 2012 freie Hand haben. Ich komme eben von einem Gespräch aus dem Ministerium , wie ich es mir vor dieser Entscheidung im Dezember gewünscht hätte. Es gab bis dahin keine inhaltliche Auseinandersetzung mit meiner Arbeit.

Können Sie sich Gründe vorstellen?

Nein. Unser Spielplan war so ambitioniert, so weit es am Gärtnerplatz möglich ist, wenn einem das Finanzministerium im Nacken sitzt.

Wie oft war der Minister da?

Dreimal: In Verdis „Giovanna d’Arco“, im Ballett „Romeo und Julia“ und in der letzten Vorstellung von Benjamin Brittens „Death in Venice“. Auf Premierenfeiern und gegenüber dem Ensemble hat er sich über diese Vorstellungen freundlich geäußert.

Wie war Ihre Auslastung?

Etwa bei 80 Prozent. Wir sind oft ausverkauft und spielen wegen Doppelvorstellungen und Gastspielen das Jahr über nahezu jeden Abend. Ein nur zur Hälfte ausgelasteter „Boccaccio“ fällt da kaum ins Gewicht. Daran kann es eigentlich nicht gelegen haben.

Die gedruckte Meinung war, von ein paar Ausnahmen beim Familientheater abgesehen, durchweg unfreundlich.

Ist der Intendant der Staatsoper, Nikolaus Bachler, in diesem Sinn erfolgreich? Wir haben durchweg eine bessere Presse als die Staatsoper. Die ist per se erfolgreich. Sie selbst haben doch den Stern des Jahres für „Death in Venice“ gegeben.

Den bekam im Jahr zuvor die Staatsoper für Verdis „Macbeth“ auch.

Die Zuschauer lassen sich von durchwachsenen Kritiken nicht abhalten. Wir spielen auch nicht für die Presse, sondern für das Publikum und haben versucht, zwischen „Carmen“, „Zar Saltan“, klassischer Operette und modernem Musical alles abzudecken. Unsere Sänger sind umjubelt und haben ein großes Potenzial. Manches, wie die Rockoper „ChristO“, hat nicht funktioniert. Aber das kommt überall vor. Ich glühe jedenfalls weiter für dieses Theater.

Robert Braunmüller

Der Kommentar

Glockenbach und Gärtnerplatz brummen, doch die Party endet auf den Stufen des Theaters mitten im Viertel. Von rühmlichen Ausnahmen wie Brittens „Tod in Venedig“ und Musikmärchen für die ganze Familie hat es eher krähwinklige Biederkeit im Angebot. Mit der glamourösen Staatsoper kann es nicht konkurrieren. Die Nichtverlängerung des seit 2007 amtierenden Intendanten Ulrich Peters ist zwar hart und angesichts seiner guten Auslastungszahlen fast rufschädigend.

Aber es ist schwer, sich darüber wirklich aufzuregen. Der Dauerkrise unter dem Peters-Vorgänger Klaus Schultz haben frühere Minister viel zu lange zugeschaut. Angesichts der kommenden Umbauphase von drei Jahren ist es besser, jetzt einen Strich zu machen. Wer auch immer nachfolgt, hat Unmögliches vor: Der Gärtnerplatz bräuchte ein wirklich hippes, freches, junges und zeitnahes Musiktheater, um das schwindende Publikum der leichten Muse zu ersetzen. Ob da nicht in Wahrheit ein liebenswürdiges Haus kaputtgespart werden soll?

Robert Braunmüller

 

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