Kultur Blaue Nacht bald im Winter?

Rund 120.000 Besucher lockten die Kunstaktionen – etwa die bunt angestrahlte Kaiserburg – der Blauen Nacht regelmäßig an. Auch wenn das Wetter im Mai meist miserabel war. Nun soll das Event in den Winter verlegt werden. Foto: dpa

Ein Projektbüro-Vorschlag sorgt für riesigen Wirbel: Nur die Rathaus-SPD kann sich vorstellen, dass aus dem Mega-Event eine reine Museen-Veranstaltung nach Weihnachten wird. Stimmen Sie online ab!

 

NÜRNBERG Schon in den letzten Jahren war die Blaue Nacht vor allem eine Bibber-Nacht. Denn Anfang Mai, wenn mit der Großveranstaltung in der Innenstadt der Reigen der städtischen Kultur-Events eingeläutet wird, war es meist regnerisch und kalt. Jetzt soll es noch viel schlimmer kommen! Das städtische Projektbüro, das die Blaue Nacht bisher elf Mal erfolgreich organisiert hat, will diese mitten in den Winter verlegen!

Aus dem Freiluft-Spektakel, das regelmäßig bis zu 120000 Besucher anlockte, würde dann eine reine Museumsnacht werden. Zwar waren die schon immer ein Schwerpunkt der Veranstaltung. Doch höchstens ein Zehntel der Besucher nutzte das Angebot der blauen Kulturtempel – und kaufte sich eine Eintrittskarte. Die meisten Nürnberger ließen sich von den Freiluftaktionen der Künstler begeistern, die gratis in der City zu bestaunen sind.

Noch sind es Planspiele aus dem Projektbüro im Kulturreferat. Doch die Nürnberger Stadträte, die diese Pläne erst einmal absegnen müssen, wollen den Überlegungen des neuen Büro-Chefs Andreas Radlmaier nicht alle folgen.

Zwei Veranstaltungen im jährlichen Wechsel?

„Warum soll man ein Konzept, das so gut funktioniert und das bei den Menschen hohe Akzeptanz findet, auf einmal zerstören“, fragt FDP-Stadtrat Utz Ulrich. Er plädiert dafür, alles beim Alten zu lassen. „Alles andere wäre Unsinn“. So sieht das auch Achim Mletzko, Kultursprecher der Rathaus-Grünen: „Das überrascht mich schon sehr. Die Blaue Nacht lebt davon, dass die Menschen durch die Stadt flanieren. Wir müssen aufpassen, dass daraus keine Veranstaltung für die Kultur-Elite wird.“ Die Blaue Nacht müsse ein Kulturereignis für möglichst viele Menschen bleiben. Das sei aber nur möglich, wenn weiterhin Gratis-Kunst im öffentlichen Raum präsentiert werde.

Den Publikumsmagneten Blaue Nacht möchte auch Barbara Regitz von der CSU erhalten wissen. „Sie zieht die Massen in die Stadt und ist auch für den Tourismus wichtig!“ Gegen eine Museumsnacht hätte sie nichts einzuwenden. Allerdings dürfe diese die Blaue Nacht nicht ersetzen. „Vielleicht kann man ja beide Veranstaltungen im jährlichen Wechsel durchführen.“

Yvonne Coulin, Chefin der Tourismuszentrale ist da vorsichtiger. „Auch von einer Museumsnacht kann der Städtetourismus profitieren“, sagt sie. Vielleicht sogar mehr als von der Blauen Nacht, die vor allem die Nürnberger und die Menschen aus der Region anlockt. Für eine Verlegung in die Zeit nach dem Christkindlesmarkt spräche auch, dass im Winter andere Touristen-Attraktionen fehlen.

Nur von der Rathaus-SPD bekommt Radlmaier Rückendeckung. Deren Kultursprecher Rafael Raum findet dessen Ideen „spannend“. Es müsse nicht alles zwischen Mai und Juli stattfinden. Außerdem kritisiert der Sozialdemokrat das derzeitige Konzept der Blauen Nacht, die zu einem Gastro- und Straßenfest geworden sei. „Es gelingt immer weniger, die Leute in die Museen zu locken. Dabei war das einmal das Ziel der Veranstaltung.“ Wenn man die Mussen fördern wolle, „ist der Winter gut geeignet“. Auch Gebhard Schönfelder (SPD) findet es gut „über das Konzept zu diskutieren“. Es sei nicht immer gut, alles im großen Maßstab zu machen. Und einen Namensvorschlag für die neue Veranstaltung hat er auch: „Die Nacht der blaugefrorenen Nasen!“

Michael Reiner

Ein Interview mit Projekt-Leiter Andreas Radlmaier finden Sie in der Print-Ausgabe Ihrer AZ am Donnerstag, 26. August

 

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