RTL-Kultreporter im AZ-Interview Kai Ebel: "Bei uns ist die Stimmung anders als im Schlauchboot"

Vorteil Borussia? Kai Ebel findet die Atmosphäre in Mönchengladbach besser als in der Münchner Arena. Foto: imago (2), firo/Augenklick

Vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag vergleicht RTL-Kultreporter Kai Ebel beide Kontrahenten, die unterschiedlichen Fanlager – und er erklärt, was Fußball-Profis von der Formel 1 noch lernen können.

 

Der 55-Jährige Kai Ebel ist für RTL seit mittlerweile 27 Jahren als Formel-1-Reporter im Einsatz. Seit Kindertagen ist er Fan von Borussia Mönchengladbach. Die AZ hat den Kultreporter vor dem Bundesliga-Topspiel zum Interview getroffen.

AZ: Herr Ebel, lassen Sie uns über das Gipfeltreffen am Samstag sprechen...

KAI EBEL: ...das ja diesmal wirklich eines ist.

Das stimmt. Mit welchem Team oder Fahrer aus der Formel 1 würden Sie denn Tabellenführer Borussia Mönchengladbach vergleichen?

Mit Max Verstappen: jung, angriffslustig, volles Risiko, keine Angst, direkt authentisch und nicht politisch.

Da stellt sich die Frage, was dann der FC Bayern wäre?

Die Bayern sind natürlich das Mercedes-Team der Bundesliga. Der ewige Champion, bestens ausgerüstet, mit dem entsprechenden Renommee. Aber eben auch ein Riese, bei dem sich alle freuen, wenn er mal strauchelt. (lacht)

Nimmt man die Formel-1-Saison als Gradmesser, hat Gladbach dann aber vorerst kaum eine Chance gegen Bayern.

Ich glaube, sie haben noch mehr Chancen, als sie Verstappen in diesem Jahr gegen Mercedes gehabt hat. Denn Fußball ist ja ein Vereinssport mit einer eigenen Dynamik. Klar, in Sachen Meisterschaft wird es schwierig für die Gladbacher, aber speziell im Spiel am Samstag hat die Borussia schon eine Chance. Schließlich spielen wir ja zu Hause. Und mit Verlaub: Bei uns im Borussia-Park herrscht da schon ein bisschen eine andere Stimmung als im Münchner Schlauchboot.

Sie sprachen über die Gladbacher Angriffslust. Der Sturm der Borussia ist ja aktuell sehr stark besetzt.

Das stimmt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass alleine Robert Lewandowski mehr wert ist als unser gesamter Angriff. Ich sag mal so: Das Spiel am Samstag wird sicher nicht 0:0 ausgehen. Das wird ein Vollgas-Duell. Ich hoffe auf ein 3:1 für Gladbach, befürchte aber ein 3:3. Die Bayern werden nach der Niederlage gegen Leverkusen richtig heiß sein.

Sind Sie denn im Stadion?

Die letzten Male war ich immer gegen Bayern im Stadion, aber diesmal – und das tut richtig weh – kann ich leider nicht da sein, weil ich in Essen bei der Motorshow moderieren muss. Mir blutet das Herz.

Kennen Sie denn ein paar Borussen persönlich?

Ja, ich kenne sehr viele aus dem Verein ganz gut. Ich bin ja in der Bökelstraße am alten Bökelberg aufgewachsen, da kommt man zwangsläufig mal in Kontakt. Ich kenne Günter Netzer persönlich, Jupp Heynckes, Berti Vogts, Rainer Bonhof, der jetzt ja auch im Vorstand ist. Aber die kannte ich schon vor meiner Moderatoren- Tätigkeit.

Wie das?

Naja, Gladbach ist ein Dorf, da läuft man sich halt über den Weg. Geschäftsführer Stephan Schippers zum Beispiel ist mit mir zusammen aufgewachsen, da kommt man schon zusammen.

Haben Sie aktuell einen Lieblings- Gladbacher, vielleicht den Trainer Marco Rose?

Den finde ich sensationell, aber ich mag auch Patrick Herrmann sehr gern, das ist quasi ein Nachbar von mir. Auch Manager Max Eberl... Da gibt es so viele, das ist aktuell einfach eine verdammt gute Truppe.

Wer sind die besseren Typen: Fußballer oder Rennfahrer?

Schwierige Frage. Ich glaube aber, dass die Leute in der Formel 1 noch ein Stück professioneller sind als in der Bundesliga und mehr begriffen haben, wie man mit Medien umgeht. Mal ein Beispiel: In der Formel 1 gehe ich eine Viertelstunde vor dem Rennen in die Startaufstellung und Verstappen gibt mir ein Interview – da steh ich, mit dem Fußball verglichen, quasi in der Kabine. Versuchen Sie das mal bei Lewandowski oder Manuel Neuer.

Da geht schon Tage vorher nichts mehr.

Ganz genau, das ist der große Unterschied. Formel 1 ist eben auch ein Hightech-Sport und vielleicht auch deshalb innovativer. Aber der Fußball ist dafür emotionaler.

Werden in Gladbach gerade Erinnerungen an die glorreichen 70er- Jahre wach?

Man spürt es zur Zeit richtig, fast so, als wäre die legendäre Fohlen-Elf wiedergeboren. Ich habe das ja als Kind schon mal miterlebt. Ich war im Pokalfinale gegen Köln live im Stadion, als Netzer sich selbst eingewechselt hat. Sowas prägt natürlich. Damals gab es ja auch immer den großen Kampf Gladbach – Bayern. Aber dann konnten wir finanziell nicht mehr mithalten. Können wir immer noch nicht, aber gerade deshalb ist es schön, wenn man mal wieder einen Ticken gegenhalten kann. Aber wenn Gladbach gewinnt, dann kaufen die Bayern hinterher wahrscheinlich den Denis Zakaria.

Oder einen Backup für Lewandowski – Thuram oder Plea.

Genau. Aber nicht falsch verstehen: Ich habe einen Heidenrespekt vor dem, was da in München auf dem Platz steht, vor allem auch vor der Leistung von Uli Hoeneß, der das ja alles aufgebaut hat. Aber deshalb darf man sich ja auch mal freuen, wenn der große FC Bayern mal unter die Räder gerät.

Haben Sie eigentlich ein Gladbach- Trikot?

Ich hatte mal ein paar, aber die habe ich dann selbst beim Spielen aufgetragen, sind bei Umzügen verloren gegangen und so weiter. Aber ich habe ein paar Schals. Und die Raute ist auch im Herzen.

Wahrscheinlich ist Ihnen so ein Fußball-Trikot auch zu langweilig, wenn man Ihre Hemden betrachtet?

Ich könnte mir bei den Trikots schon noch ein paar Modifikationen vorstellen.

Dann designen Sie uns doch mal ein Trikot nach Kai Ebel.

Ich glaube, es würde die ganze Zeit blinken – und wahrscheinlich wäre es bald verboten, weil es den Gegner irritiert und die Zuschauer auf den Rängen von dem ganzen Glitzer geblendet sind. (lacht)

Finden Sie denn das Bayern- Trikot schön?

Ne, ne, ne. Das Gladbacher Trikot ist viel schöner, da brauchen wir nicht drüber reden.

 

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