Kritik zum Krimi im Ersten Weimar-"Tatort: Der letzte Schrey": Dümmer als die Polizei erlaubt

Tatort: Getreidefeld. Arbeitskleidung: halb-leger. Kurt Stich (Thorsten Merten, r.) wollte eigentlich nach Ibiza und muss nun mit Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) eine Leiche inspizieren. Foto: MDR/Steffen Junghans

Der neue Weimarer "Tatort: Der letzte Schrey" ist sehenswert, vor allem wegen der intellektuellen Beschränktheit der Bösewichte. 

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und das Ende des Weimarer "Tatort: Der letzte Schrey". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 01.06.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Das erste Todesopfer ist jenes Wesen, das am wenigsten Schuld trägt an dem durch unglückliche Familienkonstellationen verursachten Drama im "Tatort: Der letzte Schrey" (Buch: Murmel Clausen, Regie: Mira Thiel). Der kleine Hund mit dem Schleifchen auf dem Kopf war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Art und Weise, wie das Tier den Löffel abgibt, ist ein Hinweis auf den Wahnsinn, der folgen wird.

Puh! Im weiteren Verlauf wird das Mordinstrument noch auf weiteren Schädeldecken herniedergehen. Zum Beispiel auf denen des entführten Strickwaren-Moguls Gerd Schrey (Jörg Schüttauf) und seiner Frau (Nina Petri).

Vielleicht im nächsten Weimar-Tatort? Lupo und Stich auf Ibiza

Letztere erholt sich davon nicht und so stehen zunächst Hilfssheriff Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) und Kriminalhauptkommissar Stich (Thorsten Merten) ratlos am Schauplatz der Gewaltorgie, einem Getreidefeld in der thüringischen Pampa. In kurzen Hosen und mit Kakao-Trinkhelm – denn eigentlich waren sie auf dem Weg nach Ibiza. Schade, wie gern hätten wir die beiden in diesem Aufzug zwischen gebräuntem Party-Volk über den Strand in Platja d’en Bossa irrlichtern sehen.

Nach der Aufforderung an den vom Vater verschmähten Sohn Maik (Julius Nitschkoff), am Tefelon [sic!] auf weitere Anweisungen zu warten, wird schnell klar, dass man es ausnahmsweise einmal nicht "mit extrem smarten Superschurken" zu tun hat. Und eben das ist es, was den, wie immer von Absurditäten durchsetzten, Krimi aus Weimar zu einem kurzweiligen Stück Fernsehunterhaltung macht.

Entführer im Weimar-Tatort selten dämlich

Die beiden Kidnapper sind so dämlich, als seien sie aus einem Comic entsprungen. Man kommt gar nicht aus, ihnen mitleidvoll zu wünschen, dass ihnen endlich mal ein Licht aufgehen mag und die Bestürzung ist groß, dass der vom Schicksal gebeutelte Zecke (Christopher Vantis) kurz vor der Ziellinie seinen Speichelfluss nicht im Griff hat.

Kein Zeug zur Identifikationsfigur hat dagegen der Entführte, der keine Chance auslässt, Punkte auf der Unsympathen-Skala zu sammeln und Lessing (Christian Ulmen) die Vorlage für das obligatorische Weimarer Schiller-Zitat liefert: "Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen." Und so ist in diesem Film alles so herrlich verschoben, dass man wohlwollend darüber hinwegsieht, dass offensichtlich für den perfekten Gag etwas zu oft die Logik im wahrsten Sinne unter den Fleischhammer kommt.

Um die Tierfreunde unter den Fans des erneut wunderbar aufgelegten Dreamteams Dorn (Nora Tschirner) und Lessing zu beruhigen, noch ein Spoiler aus dem Abspann: Es sind wohl während der Dreharbeiten keine Tiere zu Schaden gekommen.

 

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