Kritik zum ARD-Krimi München-"Tatort: One Way Ticket": Viel zu gut für Rente!

Ganz schön vorlaut: Kalli (m) mit den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec, l.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) im aktuellen München-"Tatort". Foto: BR/Roxy Film GmbH / Marco Nagel

Der "Tatort: One Way Ticket" aus München zum 2. Weihnachtsfeiertag ist ein Juwel im deutschen Krimi-Einheitsgrau. Die AZ-Kritik. 

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Münchner "Tatort: One Way Ticket". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 26.12.2019, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Am Ende stellen auch sie sich die Rentenfrage: Allerdings tänzeln Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) so vage verbal um das mögliche Ende ihrer Dienstzeit herum, dass sich die Fans nicht sorgen müssen. Auch wenn in ihrem 82. Fall Assistent Kalli (Ferdinand Hofer) schon gewaltig überspannte Chefallüren an den Tag legt und dafür harsch zurückgepfiffen wird.

"One Way Ticket" entpuppt sich zum Ausklang der Feiertage als ein Krimi für die aufgeweckteren Gemüter, denn was Autor und Regisseur Rupert Henning hier an komplexen Thematiken zusammenrührt, hätte auch Stoff für zwei 90-Minüter ergeben. Schon allein die ungewöhnliche Bildsprache macht diesen Film zum schillernden Juwel im deutschen Krimi-Einheitsgrau.

Wenn zu Rap-Musik Slumbilder aus Nairobi montiert werden, wähnt man sich ganz sicher nicht im "Tatort". Altersarmut, internationale Kurierdienste, letzte Liebessehnsucht und der ganz lange Arm der Hauptverwaltung Aufklärung der DDR mit ihren Kontakten in verbündete afrikanische Bruderstaaten bieten den Hintergrund für einen vielschichtig verwobenen Krimi, der zwar bisweilen Hirnsausen verursacht, aber zumindest bis zum bitteren Schluss den Zuschauer auf Trab hält. Und das passiert selten genug.

 

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