Krise beim TSV 1860 Fröhling-Debüt: Totenkopf oder Gladiolen

 Foto: Augenklick/AZ

Das Abstiegsduell der Traditionsklubs: Für 1860-Trainer Fröhling geht es am 22. Spieltag gegen den FC St. Pauli gleich um alles. „Das Kribbeln hat begonnen“

 

München - Am Samstag weht die Totenkopf-Flagge über der Allianz Arena. Der FC St. Pauli ist zu Gast beim TSV 1860. Tradition. Emotion. Abstiegskampf. Wenn um 13 Uhr der Anpfiff ertönt, geht’s um alles. Um Tod oder Gladiolen, wie es der ehemalige Bayern-Trainer Louis van Gaal ausdrücken würde.

Der Tabellenletzte beim 16., die schlechteste gegen die zweitschlechteste Abwehr, die Gäste mit nur einem Sieg aus zwölf Spielen, die Löwen seit drei Monaten ohne Dreier, gar seit fünf Monaten ohne Heimerfolg. Wenn nicht bei diesem Spiel, wann und wo sonst sollte das Abstiegsgespenst auf der Tribüne sitzen? Alptraum Dritte Liga: Für einen der beiden Klubs dürfte er im Sommer bittere Realität werden. Die AZ blickt auf den Showdown der beiden Traditionsklubs.

Das besondere Trainerduell: Kein Intendant hätte es besser inszenieren können: Beide Trainer treffen auf ihre Ex-Klubs. Für den einen, Ewald Lienen, ist es die erstmalige Rückkehr in die Allianz Arena seit seinem Abgang im Sommer 2010. Für den anderen, Torsten Fröhling, ist es nicht nur das Debüt als Cheftrainer, sondern auch das Wiedersehen mit dem Verein, bei dem er einst als Profi seine beste Zeit erlebte. Und für den er heute noch in der Traditionsmannschaft kickt.

Während Lienen den Zeitpunkt des Trainerwechsels bei den Löwen naturgemäß „nicht optimal“ findet, spürt Fröhling die Nervosität in sich aufsteigen. „Das Grünwalder mit dem Amateur-Derby vor 12 000 Zuschauer ist ein Erlebnis. Aber in der Allianz Arena muss ich mir erst mal alles anschauen. In der Kabine war ich noch nicht. Da mache ich vielleicht auch erst mal den Mund auf und staune.“ Seine Frau und Kinder leben noch in Hamburg, eigentlich wollte Fröhling sie am Wochenende besuchen. Stattdessen wurde er vom U21- zum Profitrainer befördert. „Das Kribbeln hat begonnen. Ich freue mich auf St. Pauli.“

Tradition vor dem Fall: Grünwalder Stadion, Meister, Pokalsieger, Europapokalfinale in Wembley. Das Millerntor, die Reeperbahn, Weltpokalsiegerbesieger, die Hell’s Bells vom Kiez. Die beiden ehemaligen Bundesligisten, die in den letzten zehn Jahren zusammen insgesamt 25 Trainer verschlissen haben, stehen vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Dritte Liga, für die beiden Klubs wäre der Abstieg gleichbedeutend mit dem Schicksal, das vor ihnen schon Klubs wie die Stuttgarter Kickers oder Fortuna Köln nahmen. Im Schatten eines großen Stadtrivalen ihr Dasein fristend, den hohen Ansprüchen irgendwann nicht mehr genügend, vom übermächtigen Nachbarn als B-Ware in der eigenen Stadt verspottet. Bei 1860 und Pauli steht die Tradition vor einem tiefen Fall.

Trommeln für ein echtes Heimspiel: Damit das zumindest 1860 nicht passiert, trommeln die Löwen für Unterstützung. Erstmals seit Oktober hofft 1860 wieder auf über 20 000 Zuschauer. „Mit dem Rücken an der Wand – doch immer wieder oben auf! Alle ins Stadion gegen St. Pauli!“ Mit diesem Slogan versuchen die „Giasinga Buam“ bis zuletzt die Löwen-Fans zu mobilisieren.

Moritz Volz, der selbst einst bei St. Pauli gekickt hat, verspricht allen Löwen-Fans Leidenschaft bis zum letzten Korn. „Wir wollen etwas verkörpern. Die Fans kommen, um uns anzuschauen. Also lasst uns aufopfernd spielen, alles geben und auf eine positive und aktive Art das Spiel gestalten. Dann macht Fußball Spaß“, sagt der 32-Jährige. „Eklig spielen und offensiv spielen schließt sich ja nicht aus.“ Das findet auch Fröhling. „Ich wäre auch mit einem dreckigen 1:0 zufrieden.“
Dann würde auch das Abstiegsgespenst woanders umtriebig sein – vor allem am Millerntor. 

 

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