Kripo weitet Fahndung aus Isarmord: 7400 Handynutzer müssen zur Polizei!

Der Italiener stirbt Ende Mai 2013 mit nur 31 Jahren. An dem Toten wurde DNA seines Mörders gefunden. Foto: privat/ Petra Schramek

Am 28. Mai 2013 wurde Domenico L. an der Isar erstochen. Noch immer ist der Täter nicht gefasst. Jetzt wird die Fahndung massiv ausgeweitet.

München -
Die Soko Cornelius ist aufgelöst. Doch die Jagd nach dem Mörder von Domenico L. geht unvermindert weiter. Die Fahndung wurde sogar massiv ausgeweitet. Mehr als 7400 Handybesitzer werden überprüft, über 3200 Männer zu einem Speicheltest gebeten.

Sehen Sie hier: Die Bilder vom Tatort


Post von der Polizei – da bekommen die meisten automatisch ein flaues Gefühl im Magen. So wie eine 35-jährige Angestellte, die mit Mann und zwei Kindern nahe der Reichenbachbrücke lebt. Sie bekam dieser Tage sogar Besuch von einer Polizistin. „Die Beamtin erkundigte sich ganz genau, wo ich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit war“, erzählt die Münchnerin.

 

Es geht um den 28. Mai 2013. An jenem Tag wurde gegen 22 Uhr der Ingenieur Domenico L. in der Nähe des Deutschen Museums erstochen. Der 31-Jährige hatte einen Fremden zur Rede gestellt, der seine Verlobte (28) grundlos angespuckt hatte. Der Mann zog ein Messer und stach zu. Die Klinge traf den Ingenieur ins Herz.

Das Polizeipräsidium bestätigt die Ausweitung der Ermittlungen. „Wir lassen nichts unversucht, um den Täter zu erwischen“, sagt Sprecher Wolfgang Wenger. Dabei sind zunehmend Handys von Interesse, die zur fraglichen Zeit in Funkzellen rund um den Tatort eingeloggt waren. 7400 Geräte sind es. Jedes einzelne muss überprüft werden. Das wird noch Wochen, vermutlich sogar Monate dauern.

Zunächst wurden Verdächtige überprüft, die in der Gegend rund um das Deutsche Museum arbeiten oder wohnen. Eine Sackgasse. Jetzt geht es um die Auswertung der Funkzellen. Anfangs wurden nur Männer überprüft. Inzwischen sind auch immer mehr Frauen betroffen. „Es könnte sein, dass eine von ihnen ihr Handy verliehen hat an einen Freund oder Bekannten“, heißt es bei der Mordkommission.

Registriert sind nicht nur Münchner. Auch Handybesitzer im Umland sind dabei – bis nach Weilheim bekamen Leute bereits Post (siehe Bericht unten). Die Betroffenen wurden aufgefordert, mit den jeweiligen Polizeidienststellen Kontakt aufzunehmen. „Im Prinzip ist das gesamte Bundesgebiet betroffen“, sagt ein Polizist.

Durch die Funkzellenauswertung kamen die Ermittler im letzten Herbst auf einen Mann aus Heidelberg. Er war am Tatabend beruflich in München und stand nur etwa 50 Meter vom Tatort entfernt. Der Zeuge glaubte zunächst an einen Radlunfall. Durch die Polizei erfuhr er, dass er den Mörder gesehen hatte.

Die Mordkommission verfolgt eine Reihe von Ermittlungsansätzen. So wurden beispielsweise Männer überprüft, die völlig unmotiviert andere Personen angriffen haben. So wie ein 33-Jähriger im letzten August, der ein Paar am Nymphenburger Kanal attackierte. Der Angreifer würgte einen 35-Jährigen mit einer Fahrradkette. Der Täter wurde überwältigt. Doch mit dem Mord an Domenico L. hat er nichts zu tun, das bewies ein Speicheltest.

Auch Menschen mit psychischen Problemen wurden überprüft – Patienten, die zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigen. Kliniken und Praxen von Psychiatern und Therapeuten wurden befragt, sogar eine Anzeige im Ärzteblatt geschaltet. Nichts brachte die Fahnder weiter.

Genauso wenig wie die Ermittlungen unter Münchner Taxifahrern. Einer hatte sich gemeldet und behauptet, ein Kollege habe am Tatabend einen Verdächtigen vom Sendlinger Tor in die Nähe des Gärtnerplatzes chauffiert. Gefunden wurde dieser Taxler bis heute nicht.

Mehr als 3200 Personen wurden von der Polizei bereits zur Abgabe einer Speichelprobe gebeten. Ein Treffer war bisher nicht dabei. „Wir geben nicht auf, wir bleiben an dem Fall dran“, verspricht Markus Kraus, Chef der Mordkommission.

 

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