Kriminelle Hauptmeisterin Landshut: Polizistin wird zur Täterin - aus Geldnot

Eine Polizistin soll in Landshut mehrere Einbrüche verübt haben. (Symbolbild) Foto: Tobias Hase/dpa

Eine inzwischen suspendierte Polizeihauptmeisterin wird zur Einbrecherin – und geht dabei besonders perfide vor, wie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. Die hat nun Anklage erhoben. Die Details.

 

Landshut - Während Angehörige auf dem Friedhof ein verstorbenes Familienmitglied zu Grabe tragen, brechen zwei Frauen in deren Haus ein. Es ist nicht nur ein besonders pietätloses und perfides Vorgehen, das diesen Fall aus Landshut zu einem brisanten macht: Eine der beiden Täterinnen ist sogar Polizistin – und mittlerweile vom Dienst suspendiert. Gegen die Polizeihauptmeisterin hat die Staatsanwaltschaft Landshut Ende Januar Anklage erhoben, wie die Behörde am Donnerstag mitgeteilt hat.

Was wird der Frau vorgeworfen? Wegen schwerwiegender Straftaten, darunter mehrerer Wohnungseinbrüche, mehrerer Verletzungen des Dienstgeheimnisses und wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder, hat die Staatsanwaltschaft Landshut die Polizistin angeklagt.

Polizistin suchte wohl gezielt

Wie ist die 45-Jährige vorgegangen? Wie die Behörde am Donnerstag mitteilte, soll die 45-Jährige zunächst in Polizeicomputern nach den Adressen kürzlich gestorbener Personen gesucht haben, um dann zusammen mit einer Komplizin in deren Wohnungen einzubrechen. Die Frau streitet die Vorwürfe größtenteils ab. Im November 2017 soll die inzwischen vom Dienst suspendierte Polizistin zunächst in der Zeitung nach Todesanzeigen gesucht haben. Bei zwei Gestorbenen, so die Staatsanwaltschaft, habe sie anschließend im Polizeicomputer den Datenbestand abgefragt.

Welche Rolle spielt die Komplizin? Zusammen mit ihrer bereits im Dezember 2018 verurteilten, 30 Jahre alten ehemaligen Lebensgefährtin soll die suspendierte Polizistin dann geplant haben, in diese beiden Häuser einzubrechen. In einem Fall sei dies auch gelungen.

Welche Beute haben die beiden Frauen gemacht? Bei diesem Einbruch sollen sie einen dreistelligen Geldbetrag, Schmuck und wertvolle Heiligenfiguren gestohlen haben.

Was ist mit dem zweiten ausgespähten Haus? Weil in dem anderen Haus in Essenbach zur Tatzeit Licht brannte, änderten die beiden Frauen den Angaben nach ihren Plan und brachen in ein Nachbarhaus ein. Dort stahlen sie ebenfalls Schmuck mit einem Wert im fünfstelligen Bereich und eine dreistellige Bargeldsumme.

Nicht nur Einbrüche

Was wird der suspendierten Polizeihauptmeisterin noch zur Last gelegt? Die 45-Jährige soll zudem für einen Einbruch in eine Dönerbude verantwortlich sein, wo sie ebenfalls einen dreistelligen Geldbetrag mitgehen ließ. Zwei weitere Einbruchsversuche in ein Vereinsheim und ein Restaurant scheiterten laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft an der vorhandenen Sicherheitstechnik. Doch damit nicht genug: Die suspendierte Polizistin wird demnach außerdem verdächtigt, einen Tatverdächtigen bestohlen zu haben, der im Dezember 2016 auf ihrer Polizeidienststelle war. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden den Ermittlern zufolge zudem auf dem Computer der Frau kinder- und jugendpornografische Bilder entdeckt.

Und warum das alles? Laut Staatsanwaltschaft – und das haben auch die Aussagen im Fall der Freundin ergeben, die bereits verurteilt ist – hat sich die Polizistin in einer "finanziellen Schieflage" befunden. Sie war pleite – der Gerichtsvollzieher hatte sich schon angekündigt. Deswegen wollte sie schnell an Geld kommen.

Welche Strafe hat die Ex-Partnerin bekommen? Die ehemalige Lebensgefährtin wurde durch das Amtsgericht München im Dezember 2018 wegen zwei Fällen des "Wohnungseinbruchsdiebstahls" zu einer Freiheits-strafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, so die Staatsanwaltschaft.

Wie geht’s jetzt weiter? Ob und wann ein Hauptverfahren in der Sache der kriminellen Polizistin stattfindet, muss nun das Landgericht Landshut entscheiden.

Lesen Sie auch: Zu Fuß auf der A99 bei München - Schweizer Tourist tödlich verletzt

 

24 Kommentare