Kriminalstatistik 2017 Bayern ist fast so sicher wie 1991 - mit Ausreißern

Innenminister Joachim Herrmann stellte am Mittwoch die Kriminalstatistik 2017 in München vor. Foto: dpa

Und dabei leben heute 1,5 Millionen Menschen mehr im Freistaat als damals. Innenminister Herrmann ist zufrieden mit der Kriminalstatistik – aber es gibt Ausnahmen.

Selten hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) so gute Nachrichten zu verkünden wie bei der Präsentation der aktuellen Kriminalstatistik. Danach ist die Zahl der Straftaten im Freistaat 2017 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 4,6 Prozent auf 586.206 Fälle zurück gegangen. "Das ist der niedrigste Wert seit 1991", sagte Herrmann am Mittwoch in München. Und das, obwohl die Bevölkerung in Bayern in diesem Zeitraum um fast 1,5 Millionen (plus 12,9 Prozent) zugenommen hat.

Nicht dabei berücksichtigt sind stets die ausländerrechtlichen Delikte wie illegale Einreise oder Verstöße gegen die Residenzpflicht. Diese berühren das Sicherheitsgefühl nicht und die Verfahren werden in vielen Fällen eingestellt.

Ein Gradmesser für das Sicherheitsgefühl ist die Häufigkeitszahl. Pro 100.000 Einwohner wurden 2017 4533 Straftaten registriert. Das sind 5,3 Prozent weniger als 2016 und markiert die niedrigste Kriminalitätsbelastung in Bayern seit 1988.

Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt um 19,1 Prozent

Besonders erleichtert zeigte sich Herrmann über den Rückgang der Zahl der Wohnungseinbrüche um 19,1 Prozent auf 6045 Fälle in Bayern. Das sei der niedrigste Wert seit fünf Jahren. In 46,7 Prozent der Fälle blieb es beim Einbruchsversuch. Pro 100.000 Einwohnern sank die Quote dieser Verbreche damit auf 47, was einen Bestwert in Deutschland darstellt. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wurden zwischen 240 und 384 Wohnungseinbrüche je 100.000 Einwohner registriert und in Nordrhein-Westfalen waren es 218.

Noch nie zuvor hat eine bayerische Kriminalitätsstatistik so scharf zwischen deutschen, nichtdeutschen und Tätern aus der Gruppe der Zuwanderer (Asylbewerber, Geduldete, Bürgerkriegsflüchtlinge, illegal Eingereiste, Asyl- und Schutzberechtigte) unterschieden. Als Tatverdächtige mit der Polizei Bekanntschaft machten 2017 insgesamt 27 427 Zuwanderer, wobei Syrer (16,2 Prozent), Afghanen (14,3 Prozent), Iraker (10,0 Prozent) und Nigerianer (8,1 Prozent) die meisten Straftäter stellten.

Noch nie wurde so scharf zwischen Deutschen und Nichtdeutschen unterschieden

Der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtzahl der 265 883 Tatverdächtigen stieg um 0,5 Prozentpunkte und liegt nun bei 34,9 Prozent. Dabei haben Nichtdeutsche (einschließlich Zuwanderer) einen Anteil von rund 12,1 Prozent an der bayerischen Bevölkerung. "Das ist und bleibt eine große Herausforderung", sagte Herrmann. Syrische und afghanische Zuwanderer seien besonders bei Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und Raub überproportional vertreten. Etliche Zuwanderer gehörten Kulturen an, "in denen das Messer lockerer sitzt als bei uns", formulierte Bayerns Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer.

Viele der von Zuwanderern ausgeübten Taten richteten sich gegen andere Zuwanderer. So wurden 11 266 Zuwanderer Opfer einer schweren Straftat, wobei in 71,7 Prozent die Tätern aus derselben Gruppe stammten. "Das kann uns nicht egal sein", meinte Herrmann.

Die Kriminalitätsstatistik 2017 weist aber auch zunehmende Deliktszahlen in bestimmten Bereichen aus. So stiegen die mittels Internet begangenen Straftaten um 3,9 Prozent auf 25 832 Delikte. Auch die Rauschgiftkriminalität nahm um 3,8 Prozent auf 50 941 Fälle zu. Die größte Zunahme gab es bei Delikten in Zusammenhang mit Cannabis (plus 11,7 Prozent auf 31 824 Delikte). Eine Legalisierung des Cannabis-Konsums lehnte Herrmann erneut ab. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnte besonders vor den "Neuen psychoaktiven Stoffen" (NpS), de verniedlichend als "Badesalz" oder "Kräutermischung" angeboten würden. Sie hätten im vergangenen Jahr zu 37 Todesfälle geführt.

Übrigens: Bei den Städten führt Landshut mit einem Minus von 16,5 Prozent an Straftaten die Tabelle an, gefolgt von Bayreuth (-10,3 Prozent), Ingolstadt und Würzburg (je -9,9 Prozent), Erlangen (-8,2 Prozent), München (-7,4 Prozent), Augsburg (-7,1 Prozent), Nürnberg (-6,9 Prozent), Aschaffenburg (-5,0 Prozent), Fürth (-3,4 Prozent) und Regensburg (-3,0 Prozent).

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