Kovac und Salihamidzic Wie der FC Bayern den Meister-Rückschlag kleinredet

Sportdirektor des FC Bayern: Hasan Salihamidzic. Foto: imago/Uwe Kraft

Nach der Pleite gegen Bayer Leverkusen wächst der Rückstand des FC Bayern auf Borussia Dortmund weiter an - weil die Mannschaft mal wieder die Kontrolle verliert. Doch Niko Kovac und Brazzo reden die Niederlage klein.

 

Leverkusen/München - Die Chance war da, es roch nach noch mehr Spannung im Meisterkampf. Bayern führte zur Pause 1:0 in Leverkusen - verdient, weil dominant und überlegen. Nur noch vier Pünktchen Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund, der in Frankfurt den 1:1-Ausgleich kassiert hatte. Inklusive Halbzeit durften die Bayern rund eine halbe Stunde träumen. Bis Leon Baileys Freistoß zum 1:1 der Ausgleich und Anfang der Wende war. 1:3 am Ende, macht nun sieben Punkte Rückstand.

Bayern-Bosse flüchten sich in Floskeln

"Eine vergebene Chance", sagte 1:0-Torschütze Leon Goretzka, "ich bin sehr frustriert." Die Verantwortlichen flüchteten sich in Floskeln. "Hier hätten wir mehr mitnehmen müssen. Wir müssen in der ersten Halbzeit den Sack zumachen", meinte Trainer Niko Kovac. "Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Stimmt beides.

Darf aber beides nicht passieren. "Wir sind unter Druck gekommen, Leverkusen hat aus vier Chancen drei Tore gemacht", beklagte Salihamidzic mit zusammengekniffenen Lippen. Das nennt man Effizienz. Und Cleverness.

Beides fehlte den Bayern bei ihrer vierten Saisonpleite – so viele waren es in der kompletten vergangenen Spielzeit. Schlimmer aus Münchner Sicht: der Bruch im Spiel. Man verlor wieder mal die Kontrolle über ein (fast schon) abgehakt geglaubtes Spiel. Man war dem Tempofußball der Leverkusener, dem Power-Umschaltspiel nicht gewachsen. "Kompakt! Kompakt!", brüllte Kovac nach den Gegentreffern frustriert. Die fehlende Schärfe und Zuordnung in den Zweikämpfen waren Thema in seiner Kabinenanalyse am Sonntag. Denn, so Kovac: "Wir müssen den Laden dicht kriegen. Meisterschaften werden hinten entschieden." Fakt ist: 23 Gegentore nach 20 Spieltagen kassierte Bayern zuletzt vor acht Jahren unter Coach Louis van Gaal.

Gift für diese Bayern-Mannschaft

"In der zweiten Halbzeit nimmt das Spiel Fahrt auf. Das wollten wir vermeiden", haderte Kovac. Klingt komisch, ist aber so. Ein emotionaler Schlagabtausch ist Gift für diese Bayern-Mannschaft. Könnte lustig werden im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool, gegen Jürgen Klopps Power-truppe, die leidenschaftlichen Umschaltfußball spielt - in höchstem Tempo.

Den Rückschlag in der Liga nach zuletzt sieben gewonnenen Partien in Serie wollten Kovac und Salihamidzic kleinreden. "Es ist nicht viel passiert. Es sind ja noch 14 Spiele, noch 42 Punkte im Topf", sagte der Sportdirektor. "Das einzig Positive ist, dass Dortmund nicht drei Punkte geholt hat", meinte Kovac und sagte fast analog zu seinem Kumpel und Vorgesetzten: "Es ist jetzt nicht allzu viel passiert, bei neun Punkten wäre es sicherlich sehr schwierig geworden." Nicht viel passiert? Wirklich nicht?

Matthäus sieht Gladbach vor dem FC Bayern

Denn nach dem 2:0 auf Schalke ist Borussia Mönchengladbach an Bayern vorbeigezogen - dank der Tordifferenz Zweiter. Für Sky-Experte Lothar Matthäus ist Gladbach nun "Dortmund-Jäger Nummer eins". Bayerns Ex-Kapitän glaubt an einen Dreikampf um den Titel: "Gladbach kann sich auf die nächsten 14 Spiele der Saison vorbereiten, hat keinen Pokal mehr, keinen Europapokal. Zu Hause sind sie natürlich eine Macht (neun Siege in neun Heimspielen, d.Red.)."

Und: "Sie haben die Dortmunder noch zu Hause, sie haben Bayern zu Hause." Für Ex-Bayern-Kapitän Michael Ballack ist der BVB "ganz klar der Titelfavorit, weil sie sehr stabil sind. Bayern hat es schwer, intern den Reiz zu setzen nach sechs Titeln in Folgen", sagte er bei Sport1.

Kovacs Kampfansage: "Wir müssen zusehen, dass wir eine neue Serie starten. Wir glauben dran und geben nicht auf." Aber: Sieben Punkte Rückstand nach 20 Spielen wurden in der Liga-Historie nur zwei Mal aufgeholt: 2007 vom VfB Stuttgart, 2009 von Wolfsburg.

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