Kosten noch immer nicht absehbar Sanierungs-Pläne des Deutschen Museums stocken weiter

Wie viel Geld in die Sanierung des Deutschen Museums gesteckt werden muss? Sicher ist nur, dass es mehr als die ursprünglich veranschlagten 445 Millionen Euro sein werden. Foto: Sophie Anfang

Im Landtag will der Chef des Deutschen Museums vermitteln, dass die Sanierung vorangeht. Das gelingt nur schlecht.

 

Haidhausen - Wolfgang Heckl kann Menschen begeistern: für Technik, Wissenschaft und eben für das Museum, das er seit 2004 leitet. Doch am Dienstag konnte der Generaldirektor des Deutschen Museums nicht so recht zu seinen Zuhörern durchdringen.

Die Haushalts- und Wissenschaftspolitiker im Landtag hatten Heckl zum Rapport gebeten – nach Kostenexplosion und der Insolvenz des verantwortlichen Architekturbüros waren für die Abgeordneten zu viele Fragen offen. Sie sind es nach Dienstag weiterhin.

Bereits Ende Mai hatte sich der Landtag mit der Sanierung des Deutschen Museums beschäftigt. Zwar ist das Museum kein staatliches, allerdings wird der Mammutanteil der 445 Millionen Euro, die die Sanierung des Ausstellungsbaus ursprünglich kosten sollte, von Freistaat und Bund getragen.

Deutsches Museum: Erster Bauabschnitt soll 2021 fertig sein

Doch das Geld reicht bei weitem nicht. Weshalb man sich im Landtag am Dienstag Antworten darauf erhoffte, wie es so weit kommen konnte – und wie es weitergehen soll.

So viel ist klar: Vergangene Woche hat der Verwaltungsrat des Museums beschlossen, sich neu zu sortieren. Der erste Bauabschnitt, in dem 19 Ausstellungen untergebracht sein werden, soll komplett fertig gebaut werden. Im Herbst 2021 hofft man, eröffnen zu können.

Kniffliger wird es mit dem zweiten Bauabschnitt, in dem sich das berühmte Bergwerk befindet. Derzeit ist dieser Gebäudeteil noch geöffnet. Allerdings nur, weil die Stadtverwaltung das toleriert – übergangsweise, sofern das Deutsche Museum garantiert, dass auch hier in absehbarer Zeit saniert wird. Knackpunkt ist vor allem der inzwischen nicht mehr zeitgemäße Brandschutz.

Ohne Sanierung müsste das Museum diesen Gebäudeteil langfristig zusperren. Gebaut werden muss also. Nur wie, das will das Museum jetzt noch einmal überprüfen. Zielmarke ist, dass im zweiten Realisierungsabschnitt im besten Fall zunächst sechs Ausstellungen präsentiert werden können. Wie viel Geld dafür gebraucht wird, soll nun das neue Architekturbüro ausarbeiten.

Welches Architekturbüro kümmert sich um das Deutsche Museum

Nach der Insolvenz von Schmidt-Schicketanz und Partner (SSP) hatte das Museum diese Aufgabe neu ausgeschrieben. Fünf Büros haben sich beworben, das Siegerbüro soll Anfang kommender Woche bekannt gegeben werden.

Erst im Herbst 2020 rechnet das Deutsche Museum damit, eine Kostenschätzung für den Bauabschnitt Zwei abgeben zu können. Mit dieser wolle man dann bei Bund und Land um Geld bitten – und private Spenden einwerben. Die spektakuläre Fassade für den Interimseingang, die mit einem 3D-Drucker hergestellt werden soll (Kosten: siebenstellig), soll etwa komplett durch Spenden finanziert werden.

Wie konnten die Kosten für das Deutsche Museum so explodieren?

Der Zeithorizont sorgte im Landtag am Dienstag für Unmut. Wie auch insgesamt der Vortrag von Generaldirektor Heckl und seinem Generalbevollmächtigten Bau, Dieter Lang, bei vielen Abgeordneten nicht so gut anzukommen schien.

Volkmar Halbleib (SPD) kritisierte, dass man nicht erfahren habe, weshalb die Kosten so explodiert seien. Für die veranschlagten Kosten könne man jetzt nur den ersten Realisierungsabschnitt bauen: "Das ist unbefriedigend."

Heckl nannte für die Kostensteigerungen den überhitzten Baumarkt als Grund: "Dass uns diese Baukonjunktur so hart getroffen hat, ist sehr bedauerlich." Doch das stellte einige Abgeordnete nicht zufrieden. Verena Osgyan (Grüne): "Ich bin mir nicht sicher, ob da nicht ein mittelschweres Missmanagement geherrscht hat."

 

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