Entscheidung getroffen Konzerthaus im Werksviertel: Der Akustiker steht fest

So könnte es in etwa ausschauen, das neue Konzerthaus im Werksviertel hinter dem Ostbahnhof. Foto: Cukrowicz Nachbaur Architekten

Ein Mann mit japanischem Namen gestaltet die Akustik des Konzertsaals im Werksviertel – aber es ist nicht Yasuhisa Toyota.

München - Es ist eine gute, richtige Entscheidung. Das Büro Arup aus London und Berlin soll mit der Planung der Raumakustik für die drei Säle des neuen Konzerthauses im Werksviertel beauftragt werden. Das hat gestern das staatliche Bauamt München 1 mitgeteilt.

Tateo Nakajima, der Projektleiter von Arup, hat die Akustik der Neubauten von Breslau und Montreal verantwortet. Der Kanadier ist der Nachfolger von Russel Johnson, dem Akustiker des hoch gerühmten Konzertsaals im KKL von Luzern, die durch Echokammern regelbar ist. Nakajima hat Erfahrungen als Geiger und Dirigent.

Akustiker steht fest - er war nicht der Favorit

Als Favorit galt Yasuhisa Toyota, der Akustiker der Hamburger Elbphilharmonie. Sowohl Mariss Jansons, der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters als auch Valery Gergiev, der Chef der Münchner Philharmoniker, schätzen seine Arbeit. Toyota erhielt bereits den Zuschlag für die akustische Optimierung des Gasteig und die Akustik im Interimsquartier an der Hans-Preißinger-Straße, das ab 2020 bespielt werden soll.

Die Entscheidung im Wettbewerb des Freistaats verhindert eine akustische Monokultur in der Stadt. Toyota setzt auf eine hifi-artige Trennschärfe, Nakajima auf Wärme. Die Konkurrenz der beiden Akustiker dürfte belebend wirken, und Nakajima wird es darauf anlegen, den in Akustikfragen kritischen Mariss Jansons zufrieden zu stellen. Musiker des BR-Symphonieorchesters, das in den letzen Jahren in Sälen beider Akustiker gespielt hat, fanden beide Herren gut.

„Es ist bekannt, dass ich mich im Vorfeld für einen anderen Kandidaten ausgesprochen habe“, wird Jansons in einer Pressemitteilung zitiert. „Ich bin aber sicher, dass nun eine ausgezeichnete Entscheidung getroffen wurde, und freue mich bereits auf die Zusammenarbeit mit Herrn Nakajima auf unserem Weg zu einem akustisch exzellenten Konzerthaus München.“

Entscheidend für das Gelingen des Konzertsaals ist das Zusammenspiel zwischen dem Akustiker und dem Architektenduo Cukrowicz Nachbaur aus Bregenz. Ob es – wie in Luzern und Breslau – auch in München variable Elemente zur Regulierung der Akustik geben wird, hängt von der weiteren Planung ab. Im nächsten Jahr sollen die ersten Ergebnisse dem Haushaltsausschuss im Landtag vorgelegt werden.

Kein Elbphilharmonie-Effekt

Mit der teilweise überzogenen Kritik an Toyotas Elbphilharmonie dürfte die Entscheidung weniger zu tun haben. Denn die bisherigen Planungen im Werksviertel sehen wegen der beengten Grundstücksverhältnis einen rechteckigen Saal vor und nicht eine Weinbergform, bei der viele Hörer hinter dem Orchester sitzen, was Aufführungen von Werken mit Gesang schwierig macht.

Die Prüfung und Wertung der Angebote erfolgte laut Bauministerium unter enger juristischer Begleitung, heißt es im Hinblick auf die Klagen, die sowohl die Planungen im Werksviertel wie auch am Gasteig begleiteten. Im Wettbewerb berieten neben Akustik-Experten, Vertreter aus dem BR-Symphonieorchester und aus der Hochschule für Musik und Theater München auch externe Profi-Musiker.

Der große Konzertsaal soll Platz für etwa 1800 Zuhörer bieten, der kleine Konzertsaal rund 600 Sitzplätze. Das BR-Symphonieorchester wird ein Erstbelegungsrecht erhalten. Die Hochschule für Musik und Theater erhält einen Stützpunkt mit eigenem Aufführungsort, der „Werkstatt“ für rund 200 Besucher.

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