Konkurrent des TSV 1860 Der Grimaldi-Poker: Investor Ponomarew mischt die Dritte Liga auf

Vor dem Absprung: Adriano Grimaldi (li.) beim TSV 1860. Foto: imago/MIS

Der KFC Uerdingen und die Personalie Adriano Grimaldi sorgen für Raunen, während die Investitionen von Krefelds Geldgeber Michail Ponomarew die Konkurrenz in Atem halten. Es gibt Parallelen zum Engagement von Hasan Ismaik in Giesing. 

 

München - 1995 änderte sich alles in Krefeld. Die mächtige Bayer-AG stieg aus dem örtlichen Fußball-Klub aus. Und das, obwohl Friedhelm Funkel den Verein in der Bundesliga als Tabellen-15. gerade zum Klassenerhalt geführt hatte, einen Rang und zwei Punkte hinter dem TSV 1860. Was blieb, war eine glorreiche Geschichte - samt DFB-Pokalsieg 1985. Was folgte, war ein einziger Überlebenskampf.

KFC Uerdingen war drei Mal insolvent

2003, 2005 und 2007 - gleich drei Mal in nur vier Jahren musste der Nachfolgeverein KFC Uerdingen später Insolvenz anmelden.

Zurück blieb nicht nur ein marodes Grotenburg-Stadion (für 34.500 Zuschauer!), sondern ein ganzer maroder Klub. Was folgte, war der Absturz bis in die sechste Liga. Insolvenz - es ist ein Droh-Szenario, das auch die KGaA der Löwen nur zu gut kennt. Der TSV 1860 war und ist davon abhängig, dass Investor Hasan Ismaik regelmäßig millionenschwere Darlehen stundet - und/oder in Genussscheine umwandelt, damit sein Investment in der Grünwalder Straße 114 am Leben bleibt.

KFC Uerdingen will aufsteigen

Zeitsprung: Im Januar 2019 greift der KFC nun nach dem Aufstieg in die Zweite Liga, und beschäftigte sich, um diese Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, angeblich auch mit Adriano Grimaldi vom TSV 1860.

Zu einem Transfer wird es jedoch nicht kommen. Auch weil Uerdingen an diesem Dienstag Osayamen Osawe vom Zweitligisten FC Ingolstadt verpflichtet hat. Und weil es nach AZ-Informationen letztlich nicht mal Verhandlungen zwischen dem Mitaufsteiger und den Sechzgern gab.

Das vermeintliche Werben um Grimaldi und die Rolle des KFC Uerdingen dabei haben in der Dritten Liga währenddessen für ein ordentliches Raunen gesorgt. Man schließt daraus, dass die Krefelder über ordentliche finanzielle Mittel verfügen. Schließlich hatten diese vor der Saison bereits den Ex-Löwen sowie früheren Bundesligaspieler Stefan Aigner und Weltmeister Kevin Großkreutz unter Vertrag genommen.

Streit zwischen Michail Ponomarew und Düsseldorf

Die Antwort: Auch Uerdingen hat mittlerweile einen Investor - Michail Ponomarew. Einen schwerreichen russischen Unternehmer, mit großem Hang zu Sportinvestments. Einen Geldgeber, der mit seiner finanziellen Power die Dritte Liga polarisiert.

2016 stieg Ponomarew beim KFC ein. Er hatte seinerzeit nach einem Engagement in England wieder finanzielle Kapazitäten frei. Wie die "Rheinische Post" berichtet, war der Russe zuvor, 2015, als Hauptsponsor und Mitgesellschafter mitverantwortlich für den Aufstieg des AFC Bournemouth in die englische Premier League - danach verkaufte er seine Anteile.

Umstritten ist dagegen sein Wirken beim deutschen Eishockey-Klub Düsseldorfer EG. Als der heutige KFC-Präsident im April 2016 seine Anteile an der DEG verkaufte, hatte er den DEL-Verein in zweieinhalb Jahren regelrecht in Not gebracht.

So musste die Stadt Düsseldorf Schulden stunden, konkret die Miete, die für den Trainings- und Spielbetrieb in den beiden Eishockey-Arenen angeblich nicht gezahlt wurde.

Auch Hasan Ismaik hat viele Fürsprecher verloren

Der Russe habe, so schreibt die "WZ", eine zugesicherte Zahlung im sechsstelligen Bereich nicht geleistet. Die Stadt Düsseldorf sprach hinterher in einer offiziellen Presseerklärung gemeinsam mit der DEG Eishockey GmbH von einer "Lösung Situation Ponomarew".

Zudem mussten die Düsseldorfer zum Ende der Ära Ponomarew demnach "finanziell stabilisiert" werden, um überhaupt die Lizenz in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sicherzustellen.

Ponomarew trat gegen die Stadt nach, sagte im Interview der "Rheinischen Post": "Düsseldorf gehört aus wirtschaftlichen und sozialen Charakteristiken unter die ersten fünf Städte in Deutschland, schafft es im Sport aber nicht einmal in die Top Ten." 

Sein Ruf ist in der Rheinmetropole seither nicht der beste. Auch hier lassen sich Parallelen zu Giesing erkennen, wo Ismaik nach der sogenannten Stunde Null im Mai 2017 viele Fürsprecher verloren hat. Und, wo der Jordanier nach spektakulären Millionen-Transfers sprichwortlich und laut einem Bericht der "SZ" den Daumen gesenkt hatte, als es damals um die Drittligalizenz ging. 

KFC Uerdingen mit acht Millionen Euro Budget?

Ponomarew wiederum hatte sich ein Jahr davor, 2016, kurz nach seinem Rückzug bei der DEG, rund 27 Kilometer weiter, einmal über den Rhein hinweg, in Krefeld eingekauft. Seither führte er nicht nur als Gesellschafter, sondern auch als Präsident den KFC in zwei Jahren aus der fünftklassigen Oberliga Niederrhein in die Dritte Liga. Und der weitere Durchmarsch in diesem Sommer ist fest eingeplant.

Bei drei bis vier Millionen Euro soll der Etat in der Regionalliga West gelegen haben. Zum Vergleich: Die SpVgg Unterhaching hat in der 3. Liga AZ-Informationen zufolge einen Etat von 2,1 Millionen Euro, der Etat der Löwen liegt dem Vernehmen nach bei vier bis fünf Millionen Euro. Wie das Portal "sport.de" berichtet, beträgt das Budget der Krefelder in dieser Spielzeit dagegen angeblich bis zu acht Millionen Euro.

Auch bei diesem Investor bleiben Bedenken

Bedenken bleiben bei dem Mann, der seit September 2018 auch Gesellschafter des DEL-Klubs Krefelder Pinguine ist. Nach den Ex-Löwen Aigner (sechs Tore) und Maximilian Beister (fünf Treffer) ist nun auch Angreifer Osawe seinem Ruf gefolgt. Dem Ruf eines Investors, der die Dritte Liga polarisiert.

Lesen Sie hier: Der Newsblog zum Trainingslager des TSV 1860

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