Konklave hat begonnen 115 Kardinäle suchen einen Papst

Das Konklave hat begonnen. Es gibt einen „Papst-Alarm“ im Internet, einen Regenfang für den Schornstein, aber keine direkte Eingriffsmöglichkeit für den Heiligen Geist mehr

 

ROM Die Welt blickt auf Rom: Die Wahl des neuen Papstes hat begonnen. Der „Wind des Wandels weht über dem Vatikan“, schreibt die Zeitung „La Stampa“. Die katholische Kirche stellt die Weichen, welche Rolle sie in Zukunft noch spielen wird. Und schon in der Technik gibt es ganz profane Neuerungen: Mehrere Webseiten im Internet bieten einen „Papst-Alarm“ an, mit dem man automatisch benachrichtigt wird, sobald weißer Rauch aufsteigt.

Die Kardinäle begannen gestern formell mit dem Konklave. Zum Auftakt feierten sie Messe „Pro Eligendo Romano Pontefice“, um den Beistand des Heiligen Geistes für die Kür des Oberhauptes zu erflehen. „Gott hat den nächsten Papst schon erwählt, die Kardinäle müssen ihn nur noch finden“, sagte ein Geistlicher auf dem überfüllten Petersplatz. Am Nachmittag zogen sich dann die 115 wahlberechtigten Kardinäle in die Sixtinische Kapelle zurück.

Unter dem Begriff „Inspiration“ war früher im Kirchenrecht auch vorgesehen, dass der neue Papst als gewählt gilt, wenn alle ohne Absprache und im Chor einen Namen sagen. Nachdem der Heilige Geist von dieser Möglichkeit, direkt in die Wahl einzugreifen, jahrhundertelang nie Gebrauch machte, wurde dieser Passus 1996 gestrichen und durch die alleinige Verwendung von Stimmzetteln ersetzt.

Die Spannung ist hoch. „Vaticanisti“ und andere Experten aktualisieren sekündlich ihre Prognosen über Favoriten und Dauer des Konklaves. Weit vorn liegt immer noch Angelo Scola (siehe unten). Ihm wurden für den ersten Wahlgang  35 bis 40 Stimmen prognostiziert. Der Zweitplatzierte, Odilo Scherer, kommt auf 15 bis 18 Voten. Eine Entscheidung wurde in diesem Durchgang noch nicht erwartet, der erste Wahlgang gilt als Testlauf. Für 19 Uhr war die Verbrennung der Wahlzettel geplant. Nach einem Vorfall 2005 mit grauem Rauch sei diesmal dafür gesorgt, dass er wirklich schwarz oder weiß ist, so Vatikansprecher Federico Lombardi. Man habe wegen des regnerischen Wetters auch extra einen Regenfang über dem Schornstein angebracht. „Das gehört zum Spektakel dazu.“

Die Experten und Buchmacher erwarten eine Entscheidung entweder für  Mittwoch oder Donnerstag. An jedem Tag gibt es vier Wahlgänge. Sobald ein Kandidat auf mehr als 77 der 115 Stimmen kommt, ist er gewählt. Zum Vergleich: Joseph Ratzinger erhielt im ersten Wahlgang 47 Stimmen, dann 65, 72 und im vierten Durchgang 84 Stimmen.

Im Porträt: Angelo Scola - ein Mann der Mitte und ein Professor Berlusconis

Bei den Prognosen führt derzeit Angelo Scola. Er gilt als Mann der Mitte – und gerade deswegen als Favorit: Angelo Scola, Erzbischof von Mailand. Er wäre vielen Lagern vermittelbar: modern genug für die Reformer, konservativ genug für die Hardliner. Das Pastorale liegt ihm, im Umgang auch mit der Basis ist er herzlich und freundlich. Seine Dialog-Plattform „Oasis“ hat ihm bei Muslimen Respekt verschafft, Facebook und Twitter nutzt der Sohn eines überzeugten Sozialisten gern. Andererseits steht er inhaltlich fest zu den Traditionen des Katholizismus, vom bisherigen Papst wurde er gefördert. Was manche etwas skeptisch macht, ist seine Nähe zu den Netzwerken von Silvio Berlusconi, dessen Professor er war.

 

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