Komödie im Bayerischen Hof Der Schlussmacher: Ingo Naujoks in „Trennung frei Haus“

Katharina Abt und Ingo Naujoks in „Trennung frei Haus“. Foto: Alvise Predieri

Ingo Naujoks spielt in der Komödie „Trennung frei Haus“ im Bayerischen Hof einen professionellen Schlussmacher
 

 

Eric hat ein ungewöhnliches Geschäftsmodell. Er beendet Beziehungen. In „Trennung frei Haus“ des französischen Autors Tristan Petitgirard gerät er zwischen seine Ex-Freundin, die ihn vor Jahren bereits verlassen hatte, und seinen Auftraggeber, der den Job kurzfristig stornieren will. Die romantische Komödie wird unter der Regie des TV-Urgesteins Bernd Schadewald von Fernsehkriminalern gespielt. Ingo Naujoks und Sven Martinek sind das Ermittlerduo in „Morden im Norden“, Katharina Abt kümmert sich bei den „Rosenheim-Cops“ ums Morden im Süden. Vor der heutigen Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof sprach die AZ mit Ingo Naujoks.

AZ: Herr Naujoks, Ihre Filmografie im Kino und beim Fernsehen ist umfänglich. Was bringt Sie nun auf die Bühne?
Ingo Naujoks: Es hat vor allem damit zu tun, dass ich ein Fan von Bernd Schadewald bin, den ich von der Arbeit für das Fernsehen kenne. Solche Typen wie der Schadewald werden heute gar nicht mehr gebaut – jemand, der sich mit dem Schauspieler beschäftigt. Das ist der Grund, warum ich in München angedockt habe. Ich spiele das auch sehr gerne, weil er ein König der Striche ist.
Was heißt das?
Die Franzosen haben ein ganz anderes Gefühl für Boulevardtheater. Da setzen sich vier Leute aufs Sofa und es wird 90 Minuten lang geplaudert. Bei uns ist das anders. Da wollen die Leute unterhalten werden. Bernd Schadewald streicht raus, was sich mehrfach wiederholt. So bekommt die Sache einen ganz anderen Speed. Wir Schauspieler sind glücklich damit, weil wir uns selbst auf der Bühne nicht langweilen.
Sven Martinek ist seit sechs Staffeln Ihr Partner in der Serie „Morden im Norden“. Können Sie sich noch ertragen, wenn Sie wochenlang zusammen auf der Bühne stehen?
Die Frage ist berechtigt, denn Sven Martinek sehe ich öfters als meine Frau. Wir spielen jetzt sieben Wochen Theater, danach kommt wieder „Morden im Norden“, was immer von Mai bis November geht. Aber da haben sich zwei Charaktere gefunden, die gut miteinander auskommen. Wir können uns gegenseitig kritisieren, ohne das einer denkt, der andere will ihm die Butter vom Brot nehmen. Wir wissen beide, dass wir uns, wenn wir aufeinander achten, wesentlich besser optimieren können, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Wir haben den selben Humor und erwarten von unserer Schauspielerei das gleiche.
Was ist das, was Sie von sich erwarten?
Vernünftiges Handwerk und vor allem Amüsement für die Leute, die uns zuschauen. Bernd Schadewald sagt immer: Zuerst kommt das Publikum, dann kommt lange gar nichts, dann kommt wieder das Publikum und dann komme vielleicht ich. Das ist eine sehr vernünftige Einstellung, mit der ich gut klar komme.
Man verbindet Sie immer noch mit dem Niedersachsen-„Tatort“ als den sanften Sidekick von Maria Furtwängler. Sie sind vor zehn Jahren ausgestiegen. Vermissen Sie Martin Felser, den WG-Mitbewohner der taffen LKA-Kommissarin, manchmal?
Meistens dann, wenn mich Leute darauf ansprechen und dabei etwas melancholisch werden: „Es war so ein nettes Team und wir haben den skurrilen Typen so gerne gesehen“. Dann erinnere ich mich auch wieder an diesen verrückten, hypochondrischen Krimiautor. Es ist schön, wenn man seinen Lohn dafür bekommt, eine Figur erarbeitet zu haben, die die Menschen mögen. Der Ausstieg war eine künstlerische Entscheidung. Es wurde ein Kind geboren, weil es gerade in die Dramaturgie passte, und dann gab es nur noch Babybrei rühren und Windeln wechseln. Da muss man sich fragen: Ist es das, was ich will und das, was die Leute wollen? Da ist der Martin auf der Strecke geblieben.
Haben Sie schon einmal einen Mörder gespielt?
Oh ja! Das habe ich an meiner Arbeit immer so geschätzt. Man verschwindet ja schnell in irgendwelchen Schubladen. Aber ich hatte das große Glück, dass man mich am Montag Comedy mit Anke Engelke machen ließ und am Dienstag einen Kinderschänder spielen durfte.
In „Trennung frei Haus“ spielen Sie den professionellen Schlussmacher. Können Sie sich für Ihr Privatleben vorstellen, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen?
Ich glaube, ich würde so etwas nicht in Anspruch nehmen. Aber ich bin ein alter Sack und kann mir vorstellen, dass sich bei jungen Leuten, die sich per App kennenlernen und auch wieder trennen oder über Instagram mitteilen, „ich bin ab sofort wieder Single“, diese Art der Trennung längst verselbständigt hat. Da bin ich eher Old School.     

Komödie im Bayerischen Hof, Promenadeplatz 6, Vorstellungen bis 23. Februar, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Telefon 29161633


 
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