Klinsmann-Nachfolger gesucht Ex-Bayern-Coach Niko Kovac wird nicht Trainer von Hertha BSC

Ehemaliger Trainer des FC Bayern: Niko Kovac. Foto: picture alliance / Annegret Hilse/dpa

Nach dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann ist der Trainerposten bei Hertha BSC vakant. Nach AZ-Informationen scheidet der ehemalige Bayern-Trainer Niko Kovac als Klinsmann-Nachfolger aus.

 

München - Am Montagabend schwärmte Jürgen Klinsmann, 55, noch im Szene-Lokal "The Reed" über seine Ziele mit Hertha BSC. Er versprach mindestens Platz 15, warb für ein neues Stadion. Über Nacht hat er sich all das offenbar wieder anders überlegt. Nur 14 Stunden später stürzte er die Berliner jedenfalls ins ganz große Chaos. Mit seinem völlig überraschenden Rücktritt als Chefcoach nach nur elf Wochen via Facebook schockierte der frühere Bayern- und Bundestrainer den Klub. Eigentlich wollte er mit Hertha zukünftig ja Europa erobern und um Titel mitspielen.

Nach nur 76 Tagen soll das nun alles schon wieder vorbei sein? Nicht ganz! Denn er kündigte gleichzeitig an, bei Hertha im Aufsichtsrat bleiben zu wollen. Weitere Probleme scheinen damit unausweichlich programmiert. Hinter den Kulissen tobte längst ein Machtkampf mit Manager Michael Preetz. Klinsmann forderte offenbar einen neuen Vertrag über den Sommer hinaus. Die Klub-Spitze wollte die Entwicklung zunächst abwarten. Gegen 10 Uhr ließ Klinsmann am Dienstagmorgen die Bombe platzen, kündigte das Aus via Facebook an. Viele dachten zunächst an einen Hacker-Angriff. "Als Cheftrainer benötige ich für diese Aufgabe auch das Vertrauen der handelnden Personen", schrieb er. Im Abstiegskampf seien "Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche" wichtig.

Wollte Klinsmann die gesamte sportliche Verantwortung?

Am Abend meldete sich Klinsmann dann via "Bild" erneut zu Wort. "Es war keine Spontan-Entscheidung. Ich habe schon länger das Gefühl, dass es in dieser Form nicht funktioniert", sagte er und sprach von "verschiedenen Denkweisen".

Nach seinem "Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power."

"Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden", räumte Preetz ein. Auf Klinsmanns Initiative hatte Hertha gerade erst 78 Millionen Euro ausgegeben. Lucas Tousart (Lyon/25 Millionen), Santiago Ascacibar (Stuttgart/10 Millionen) sowie Krzysztof Piatek (Milan/27 Millionen) und Matheus Cunha (RB Leipzig/18 Millionen Euro) kamen.

Niko Kovac gibt Hertha einen Korb

Assistent Alexander Nouri wird nun zunächst das Training leiten. Und dann? Ex-Bayern-Coach Niko Kovac, der bereits als Wunschkandidat für den Sommer galt, steht Hertha nach AZ-Informationen jedenfalls nicht zur Verfügung. Der 48-Jährige will erst zur kommenden Saison wieder ein Traineramt übernehmen. Zuletzt weilte er in England, um neue Eindrücke zu gewinnen. Konkrete Verhandlungen mit interessierten Klubs wurden noch nicht geführt.

Und wie die AZ aus Kovacs Umfeld erfuhr, kommt für den gebürtigen Berliner ein Engagement bei Hertha in der derzeitigen Konstellation und so lange im Verein ein derartiges Chaos herrscht, ohnehin nicht in Frage – auch nicht im Sommer.

Investor Windhorst wusste schon am Vorabend Bescheid

Selbst die Mannschaft wurde gestern Morgen noch vor der Klubführung informiert. Investor Lars Windhorst, der Klinsmann in den Klub und den Aufsichtsrat geholt hatte, wusste bereits am Vortag Bescheid, wie er der "Bild" verriet.

"Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen", sagte Klinsmann, der in neun Liga-Spielen unter seiner Regie gerade mal zwölf Punkte geholt hatte. Vor dem richtungsweisenden Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellenletzten in Paderborn ist er sich aber "sicher, die Jungs schaffen den Klassenerhalt. Und zwar souverän."

Er selbst verlässt Berlin erst mal Richtung USA – und damit das von ihm verursachte Chaos. "Es ist keine Flucht", stellte Klinsmann klar, "ich komme wieder und bleibe Hertha erhalten als sportlicher Berater von Tennor (Windhorsts Firma; d. Red.). Diese Funktion nehme ich ernst." Fragt sich nur, wie lange.

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