Klinikum-Neubau Großhadern: „Ein Jahrhundert-Projekt“

Ein Blick in das 2014 eingeweihte OP-Zentrum. Foto: Daniel von Loeper

800 Milllionen Euro soll der Neubau des Klinikums kosten: Die kommenden 20 Jahre ist der Campus Großhadern Baustelle – die Details.

 

München - Die langen Flure im Klinikum Großhadern sind legendär. Pfleger und Ärzte legen in dem rund 205 Meter langen Gebäude am Tag oft mehrere Kilometer zurück. Und es gibt wohl kaum einen Besucher, der sich an einer der vielen Kreuzungen noch nicht verlaufen hat.

Vor 40 Jahren war der riesige, 13-geschossige Bau (plus drei unterirdische Geschosse) ein Prestigeobjekt. Heute kann es den Klinikverantwortlichen offenbar kaum schnell genug gehen, bis der „Toaster“, wie ihn viele Münchner nennen,, sukzessive durch neue Klinikgebäude ersetzt wird. „Der Abriss ist unwiderruflich“, sagte der ärztliche Direktor Karl-Walter Jauch am Mittwoch ohne ein Wort des Bedauerns. „Mit der Entscheidung für einen Neubau wurde ein Knoten durchschlagen“, freute sich Gerd Koslowski, der kaufmännische Direktor des Klinikums.

Nachdem die Staatsregierung am Dienstag beschlossen hatte, dass der Campus Großhadern in den kommenden 20 Jahren für rund 800 Millionen Euro neu bebaut wird, gab die Klinik am Mittwoch mit Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle und LMU-Präsident Bernd Huber Details zu den Plänen bekannt.

Künftig sollen nicht nur die Wege kürzer werden. „Die Neubauten sollen eine ansprechende Architektur haben, die das Wohlbefinden der Patienten und Mitarbeiter unterstützen“, kündigte Karl-Walter Jauch an. Anstelle von vielen einzelnen Kliniken unter einem Dach sollen sogenannte krankheitsorientierte Zentren entstehen.

Geplant ist, dass der 60 Meter hohe Toaster aus Stahlbeton durch maximal 25 Meter hohe, sechsgeschossige Gebäude ersetzt wird. Auch aus Brandschutzgründen ist das sinnvoll. So können Patienten im Notfall über Feuerwehrleitern gerettet werden. Als erstes sollen die jetzigen Freiflächen auf dem Campus neu bebaut werden. Sie sind auf dem Plan oben mit C gekennzeichnet. Bis zum ersten Spatenstich werden voraussichtlich noch vier bis fünf Jahre vergehen. Bis dahin müssen Raumprogramme erarbeitet, Bauanträge gestellt, ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben und Genehmigungsverfahren durchlaufen werden.

Welche medizinischen Abteilungen die ersten sein werden, die aus dem Toaster ausziehen, ist noch ungewiss. Doch die interdisziplinären Einheiten stehen bereits so gut wie fest: So soll ein Zentrum für Herz-, Thorax- und Gefäßkrankheiten entstehen, ein Bauch- und Beckenzentrum, ein Krebs-Zentrum, ein Kopfzentrum sowie eine Abteilung für Traumatologie, Orthopädie und Rehabilitation. Zentrale Bereiche wie die Laborchemie und Radiologie werden vermutlich unterirdisch angesiedelt. „Es wird ein Jahrhundert-Projekt für die nächsten 50 Jahre“, so Direktor Koslowski.

Nichtsdestotrotz wird auch der Toaster bis zu seinem Abriss immer wieder teilweise saniert werden. Koslowski: „Erst vor zwei Wochen haben wir beschlossen, die konservative Intensivmedizin zu sanieren.“

Und wenn er dann eines Tages – in etwa 20 Jahren – abgerissen wird, können die Patienten dort trotzdem noch lange Wege zurücklegen. Dann allerdings freiwillig und zwischen Sträuchern und Blümchen. Auf der Fläche soll dann der Patientenpark entstehen.

In der Grafik sehen Sie die Pläne für das Klinikum: Der Campus Großhadern ist durch das markante Erscheinungsbild des 60 Meter hohen Bettenhauses (auf dem Plan schwarz umrandet) – geprägt. Es soll durch niedrigere Gebäude ersetzt werden. Erster Bauabschnitt sind die mit C gekennzeichneten Flächen, heute Parkplätze. Das Gebäude A steht bereits; es ist das neue OP-Zentrum, B wird das neue Hauner. Die Polikliniken (E und D) werden abgerissen.

 

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