AZ-Konzertkritik Bruce Springsteen: Der Boss im Olympiastadion

, aktualisiert am 18.06.2016 - 12:00 Uhr
Bruce Springsteen begeisterte bei seinem Auftritt im Olympiastadion am 17. Juni 2016. Foto: dpa

Welch eine Stimmung: Mit einer fast dreieinhalbstündigen Show begeistert Rocklegende Bruce Springsteen rund 57 000 Fans im Münchner Olympiastadion.

 

München - Eigentlich wollte Bruce Springsteen ja das Album „The River“ von 1980 komplett spielen. Doch das ist ihm wohl im Lauf der Tour zu fad geworden. Im ausverkauften Olympiastadion legt er mit anderen Songs los: mit „Prove It All Night“ und dem triumphalen „Badlands“. Den 57.000 Fans ist das auch recht, sie jubeln und schreien „Bruuuuuce“. Dessen legendäre E Street Band rockt souverän durch Lieder aus über vierzig Jahren, manche von „The River“, die meisten nicht.

Den Refrain von „No Surrender“ singen fast alle Zuschauer mit, bei ,Hungry Heart' marschiert Springsteen einmal durchs halbe Stadion. Und er freut sich über das schöne Wetter: Beim letzten, völlig verregneten Konzert im Olympiastadion – ,Oh my God!' – habe er sich den Hintern abgefroren.

Aber das ist schon das einzige, was der 66-Jährige sagt – er jagt atemlos durchs Programm.

Beim Schlussakkord jedes Songs schreit er „One, two, three, four“, und das nächste Lied rockt los. All das ist messerscharf auf drei Großleinwänden zu sehen: Die zeigen keine Animationen, sondern ausschließlich die E Street Band und Springsteen – riesenhaft und überlebensgroß, so wie der Mann nun mal ist.

Nach über zwei Stunden endet die Show mit „Thunder Road“ und „Land of Hope and Dreams“. Jetzt ist mal kurz Ruhe auf der Bühne und man kann den Jubel der Fans hören. Die sind völlig euphorisiert – dabei geht’s nun erst richtig los. Springsteen lässt sich nicht lange bitten, schon ist der wieder da, mit „Born In The U.S.A“. Der Song kann nie größer, leidenschaftlicher, ergreifender geklungen haben als an diesem Abend. Schlagzeuger „Mighty“ Max Weinberg bearbeitet beim Schlussakkord noch die Becken, da zählt sein Chef schon seinen Jahrhundertsong „Born to Run“ ein.

Ohrenbetäubender Applaus

Größer kann die Ekstase nicht mehr werden, doch Springsteen rockt ohne Pause mit „Seven Days to Rock“ weiter. Beim atemlosen „Dancing in the Dark“ darf ein kleiner Junge mitspielen und -singen, dann wird eine Dame auf die Bühne gehoben und kommt zum Tanzerlebnis ihres Lebens: Natürlich führt der Boss. Der treibt danach das Publikum noch weiter an, mit „Tenth-Avenue Freeze-Out“ und schließlich „Shout“ von den „Isley Brothers“.

Die E Street Band verlässt unter ohrenbetäubendem Applaus die Bühne, Springsteen geht als letzter, bleibt kurz vor der Treppe aber stehen – und kehrt um. Er lässt sich eine Akustikgitarre und Mundharmonika reichen und spielt „For You“, einen Song seiner ersten Platte. Er steht allein vor 57.000 euphorisierten Zuschauern und singt eine zarte, leise, große Ballade, und seine Stimme klingt plötzlich so verletzlich wie 1973. Was für ein Abgang.

Welch eine Stimmung: Mit einer fast dreieinhalbstündigen Show begeistert Rocklegende Bruce Springsteen rund 57 000 Fans im Münchner Olympiastadion. Und mit einem ungeplanten politischen Statement.

 

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